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Der Underdog unter den Literatur- und Buchmessen

Die kleine, aber feine hannoversche Alternative zur Frankfurter Buchmesse heißt Buchlust. Heute öffnet sie im Künstlerhaus für zwei Tage ihre Tore und bietet unabhängigen Verlagen ein Podium

Lädt zum Stöbern, Schmökern und Zuhören ein: Die Buchlust 2011

Seit der Frankfurter-Buchmesse 2011 und der in ihrem Rahmen entfachten Debatte über die aktuelle Entwicklung des e-Books schwebt zunehmend eine Digitalisierungs-Wolke über dem deutschen Buchmarkt. In hitzigen Debatten auf Google+ oder in Blog-Einträgen (unter anderem von Kathrin Passig [1] und Sascha Lobo [2]) wird über die künftige Entwicklung der Buch- und Verlagswelt diskutiert. Durch den wachsenden Wettbewerbsdruck der Internet-Konkurrenz, sieht sich das Verlagswesen immer größeren Herausforderungen ausgesetzt. Noch liegt der Marktanteil elektronischer Bücher in Deutschland nur bei etwa einem Prozent, während in den USA bereits jedes zweite verkaufte Buch ein e-Book ist. Der abzusehende Trend wird sicher eine historische Etappe in der Entwicklung des Buchhandels darstellen, und es wird interessant sein, zu beobachten, wie sich die Umsätze für Papier im Vergleich zum e-Book entwickeln werden und ob Buchhandlungen und Verlage davon zahlenmäßig betroffen sein werden. Wie werden die Verlage auf diese Veränderungen künftig reagieren?

Verleger, Verlage, Bücher und Autoren

Von heute an tummeln sich bis zum morgigen Sonntag einige der unabhängigen Verlage Deutschlands bei der zum 18. Mal in Hannover stattfindenden Literaturmesse Buchlust in der Literaturetage des Künstlerhauses. Alles Verlagshäuser, bei denen vorwiegend Menschen arbeiten, die Bücher lieben und mit Leidenschaft verlegen und die dabei längst nicht nur ein Nischendasein führen. Jeweils von 10 bis 18 Uhr erwarten die Lesefreunde ein umfangreiches Literaturprogramm und Inspirationen für neue Themen, Formate und Autoren, denn 23 der besten unabhängigen Verlage stellen ihre Veröffentlichungen vor. Darunter auch die Zeitschrift für junge Literatur Bella triste, die allein mit ihrer smarten Bella-Figur als Emblem besticht, der Gerstenberg-Verlag aus Hildesheim, der durch die berühmte Raupe Nimmersatt bekannt sein dürfte, sowie luxbooks und der Poetenladen aus Leipzig, die mit Lyrik zu reizen versuchen. Neu vertreten ist der Reprodukt-Verlag aus Berlin, der sich seit 1991 mit Comics und Graphic Novels von deutschen und internationalen Zeichnern etabliert hat und Klassiker wie die Mumins verlegt, aber auch Impulsen aus der Independent-Szene folgt. Ebenfalls dabei sind die edition fünf, edition die horen, der Georg Olms-Verlag, Gimpel-Verlag, Huck-Finn-Verlag, zu Klampen-Verlag, Klöpfer & Meyer-Verlag, Lilienfeld-Verlag, Lubok-Verlag, Matthes & Seitz Berlin, Merlin-Verlag, Offizin-Verlag, Pendragon-Verlag, Schüren-Verlag, Voland & Quist, Wallstein-Verlag, Wehrhahn-Verlag und weissbooks.

Mit Liebe zum Buch

Der Fokus der vertretenen Verlage liegt vor allem auf dem Ungewöhnlichen und Speziellen in ausgewählter Gestaltung. So verlegt der Tübinger Klöpfer & Meyer-Verlag „gescheite Bücher fürs Denken und Lesen ohne Geländer“, und die Verlegerinnen der edition fünf veröffentlichen Autorinnen und Titel, „die wir vermisst haben und denen wir mehr Beachtung wünschen“. Je nach Geschmack können auf der Buchlust anspruchsvolle Romane und Kinderbücher, Sach- und Künstlerbücher angeschaut und gekauft werden und das Publikum kann sich darüber mit den Verlegern austauschen. Und natürlich darf auch diesmal ein umfassendes literarisches Begleitprogramm nicht fehlen.

Ob nun der Umbruch und Wandel in der Buchwelt bei der Buchlust auch ein Thema sein wird, lässt sich nicht vorhersagen. Sicher ist, dass Leute zusammentreffen, die ihre Leidenschaft für das geschriebene Wort teilen und nach exquisiter Literatur suchen. Vielleicht wird in dieser Begegnung auch klarwerden, dass kleinere Verlage ihre Arbeit eventuell ein wenig idealistischer angehen als die großen und marktführenderen Verlagshäuser. Eine gewisse Portion Idealismus kommt der Vielfältigkeit des Literaturmarktes mit Sicherheit zugute. Ich wünsche jedenfalls viel Spaß bei der Buchlust 2011, dem kreativen Underdog unter den Literaturmessen.

Samstag, 19. November (und Sonntag, 20. November) 2011:
Buchlust 2011, Literaturhaus Hannover, Sophienstraße 2, 30159 Hannover, Beginn: 10 Uhr, Eintritt: 3 Euro (für beide Tage)

weitere Infos zum Programm:
www.literaturhaus-hannover.de [3]

(Foto: Pressefoto)

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