Susanne Viktoria Haupt
12. Dezember 2011

„Es hat sich eben so entwickelt“

Zur künstlerischen Umrahmung des Kulturkiosk am Freitag, dem 16. Dezember, hat langeleine.de Leo Tripwire geladen. Hier ist Kunst nicht einfach nur Kunst, sondern eine dringlich auszulebende Leidenschaft. Ein Gespräch

Farbenfroh, comicartig und manchmal ein bisschen alptraumhaft: Leo Tripwire eröffnet beim Kulturkiosk von langeleine.de ihre neue Ausstellung

langeleine.de: Leo, seit wann hält Dich die Kunst in ihrem Bann und wie kam es überhaupt dazu? War wirklich nur die Langeweile im Mathe-Unterricht schuld, so wie es Dein Pressetext behauptet?

Leo Tripwire: Das kann ich eigentlich gar nicht so genau sagen, ich glaub das war einfach schon immer so. Wahrscheinlich spielen Comics dabei eine Rolle. Ich erinnere mich, dass, als ich klein war, mein Onkel mir öfter mal Comics mitbrachte, die er ausgelesen hatte. Das fand ich cool. Ich hab‘ mir auch immer vorgestellt, dass es diese ganze Cartoonwelt wirklich gibt – das war alles ziemlich lebendig für mich. Ich war so ein Kind, das am Wochenende morgens mit Cornflakes vorm Fernseher saß, um sich Cartoons anzusehen. Ich war auch eher ruhig und habe dann im Schul-Unterricht statt zu quatschen eben gezeichnet. Und Mathe lag mir halt nie so besonders. Manchmal hab‘ ich dann den Unterricht einfach in den Comic-Laden verlegt. Ich muß gestehen, dass ich das auch nicht bereue. Eher im Gegenteil, denn ich hab das Gefühl, dass das letztendlich eine Bereicherung für mich war. Es war einfach cool, zu entdecken, wie vielfältig Comics sind. Für mich war das damals wichtig. Und gezeichnet habe ich immer schon gern, denn es war toll, zu sehen, was man alles damit machen kann. Ich dachte mir: „Irgendwann will ich mal so einen richtig coolen Comic zeichnen!“ Irgendwann bin ich dann im Comic-Laden auf ein Buch von Phil Hale gestoßen und das hat mich motiviert, auch zu malen.

So richtig eine Entscheidung für die Malerie habe ich aber erst spät getroffen. Ich hatte zwar immer Skizzen-Bücher, die ich mit mir rumgeschleppt hab‘, aber so richtig hingesetzt habe ich mich nicht. Das kam erst 2009, als neben der Arbeit keine Zeit mehr blieb und ich das Zeichnen vermisst habe. Es hat mich wütend gemacht, so viele Überstunden zu schieben und nicht mal auf Anfrage die wohlverdienten Tage frei zu bekommen. Ich bin nicht arbeitsfaul, aber wenn ein Job, der mir persönlich nichts bringt, mich auch noch in meiner persönlichen Lebensweise einschränkt, macht mich das auf Dauer einfach krank. Letztendlich war dieser Break aber gut, weil ich mich danach wirklich mal hingesetzt habe zum Malen. Es hat zwar ein bisschen gedauert, einen Rhythmus zu finden, und zwischendurch war ich auch mal etwas ratlos, aber mitlerweile zeichne oder male ich eigentlich jeden Tag und versuche so gut ich kann an mir zu arbeiten. Kurz: Es hat sich eben so entwickelt.

ll: Deine Werke scheinen nicht nur von Comics inspiriert zu sein, sie kommen teilweise auch nahezu alptraumhaft daher. Wer oder was inspiriert Dich?

Tripwire: So alptraumhaft finde ich meine Sachen eigentlich gar nicht. Ich finde sogar, meine Arbeiten könnten durchaus noch etwas alptraumhaftiger sein. Wobei ich mich da aber auch nicht ausschließlich drauf festlegen möchte, denn ich möchte mir gern die Freiheit lassen, viel auszuprobieren. Ich mag ja auch schöne Sachen. Klar ist, Comics sind absolut inspirierend für mich und werden es wohl auch immer sein. Dabei gibt es einige, die mich aus verschiedenen Gründen mehr inspirieren als andere. Unter anderem mag ich die Werke von Evan Dorkin sehr gern. „Hectic Planet“ finde ich immer noch ziemlich cool, „Milk & Cheese“ und „The Murder Family“. Aber es gibt einfach so unendlich viele tolle Comics, dass ich jetzt gar nicht alle aufzählen kann. Inspiration ist eigentlich überall.

ll: Wenn Du Deine künstlerische Entwickelung betrachtest: Welche Stationen waren für Dich bisher die kreativen Meilensteine?

Tripwire: Oha, keine Ahnung. Hab ich sowas? Ich glaube nicht. Es gibt ein paar Arbeiten, die persönlich vielleicht etwas bedeutsamer für mich sind als andere, weil sie ganz einfach einzelne Fortschritte und Lernprozesse sichtbar machen. Das sind dann möglicherweise Meilensteine, aber im Kopf bin ich tendenziell eigentlich auch schon bei der nächsten Sache. Wer rastet, der rostet!

ll: Welche Schwierigkeiten siehst Du für junge Künstler auf dem Markt?

Tripwire: Damit beschäftige ich mich prinzipiell eher ungern, denn ich denke, es ist besser, auf die Chancen von Kunst zu blicken und nicht übers Scheitern nachzudenken. Das wäre ja völliger Irrsinn. Schwierig ist es aber, das steht außer Frage. Aber wenn ich zuviel darüber nachdenken würde, würde mich das nur unnötig ausbremsen. Viel wichtiger ist es doch, sich seine Motivation zu erhalten. Es ist immer wieder spannend, zu sehen, was andere machen – und dabei möchte ich nicht, dass mir ständig die Knie schlottern vor lauter Konkurrenz. Das wär unproduktiv. Mit den Schwierigkeiten muss man sich dann eben nach und nach auseinandersetzen, da wächst man rein. Wenn man bedenkt, dass ich mein Leben lang vor der brotlosen Kunst gewarnt wurde, dann sehe ich das mitlerweile eigentlich trotzdem recht positiv.

ll: Was wäre für Dich das Größte, das Du mit Deinen Arbeiten erreichen könntest?

Tripwire: Ich denke, das Größte wär für mich, wenn ich wirklich irgendwann einmal komplett davon leben könnte. Schon allein der Zeitfrage wegen. Außerdem mag ich die Vorstellung, dass vielleicht jemand anderes sich irgendwann, irgendwo einmal so über meine Sachen freuen könnte – ganz ähnlich, wie es mir selbst damals im Comic-Laden ging. Und es gibt unendlich viele Sachen, die ich einfach gerne noch umsetzen möchte. Für den größten Teil davon muss ich allerdings erstmal noch eine Menge lernen.

ll: Es gibt ja immer ein Leben neben der Kunst. Was macht Leo Tripwire, wenn Sie nicht zeichnet?

Tripwire: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sie dann mit Ihrem Hund draußen ist. Oder Gitarre spielt. Sie guckt auch gern Filme, aber einen großen Teil ihrer Zeit beschäftigt sie sich tatsächlich mit der Kunst – Kunst ist ja auch nicht nur das Zeichnen an sich. Ich glaube nicht unbedingt an so etwas wie Talent – und wenn es so etwas gibt, dann würd ich mich nicht als solches bezeichnen. Eher nin ich stark interessiert und motiviert und vielleicht auch ein bisschen naiv. Ich verbringe im Großen und Ganzen recht viel Zeit damit, zu üben. Ich überlege, was ich Sinnvolles lernen könnte, um bestimmte Sachen besser umsetzen zu können, und suche mir dann entsprechend Bücher oder Tutorials im Internet. Das ist alles sehr zeitintensiv. Manchmal verschwende ich auch ganze Tage damit, Comics zu schreiben und schmeiße sie dann in den Müll. Aber ich gehe auch gern mal schwimmen oder so, was man halt so macht.

ll: Letzte Frage: Was können die Besucher Deiner Ausstellung erwarten und was erhoffst Du Dir?

Tripwire: Es wird viel zu sehen geben. Denjenigen, die meine Sachen noch nicht kennen, kann ich vielleicht mit auf den Weg geben, dass es sich bei meinen Arbeiten nicht um abstrakte Kunst handelt, die mich selbst offengestanden zu Tode langweilt, sondern um Kunst, die Spaß machen soll, sich aber auch vor dem Grauen nicht scheut. Und jenen, welche einige meiner Sachen schon kennen, kann ich verraten, dass viele neue Bilder gezeigt werden. Die meisten meiner Bilder werden im Übrigen während der Ausstellung auch zum Verkauf stehen. Wer also zufällig gerade auf der Suche nach einem wunderbaren Einzelstück ist, mit dem man dann vor seinen Freunden angeben kann, dem bietet sich unter Umständen eine einmalige Gelegenheit. Was ich mir erhoffe? Ich bin offengestanden selbst einfach erstmal nur gespannt auf die Ausstellung. Zum einen, weil mir die Räumlichkeit gut gefällt und ich total neugierig bin, wie die Bilder dort wirken, zum anderen wird ja auch am Eröffnungsabend einiges geboten. Ich glaube, das wird toll.

Nicht verpassen:

Am Freitag, dem 16. Dezember, zeigt Leo Tripwire beim Kulturkiosk Malereien, Zeichnungen und Comic Art. Ihre Ausstellung ist noch bis zum 30. Januar im Café Siesta im Kulturzentrum Faust zu sehen.

(Bilder: Leo Tripwire)

Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed!

Artikel drucken

Kategorien: Kunst, Menschen

Kommentiere diesen Artikel