Henning Chadde
7. Dezember 2011

„In jedem Zeitungsredakteur schlummert ein kleiner Satiriker, der ans Licht will und Quatsch machen“

Das ist ein Ding: Am 16. Dezember liest der Kolumnensportler und Journalist Imre Grimm beim Kulturkiosk von langeleine.de

Hat den Beobachtungsschalk im Nacken und auf der Zunge: Imre Grimm

langeleine.de: Imre, Deine wöchentliche Kolumne „Das Ding“ in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung genießt seit vielen Jahren Kultstatus. Unter dem gleichen Namen erschien 2007 eine Sammlung Deiner besten Texte. Seitdem ist in der Welt vieles passiert, was Dein Augenmerk auf sich gezogen hat. Zeit für ein zweites Werk, oder?

Imre Grimm: Unbedingt! Schöne Grüße an meinen Verleger. Ich könnte zum Beispiel ein Kochbuch machen. Oder was mit Vampiren. Ein Vampir-Kochbuch vielleicht. Oder ’ne App. Machen jetzt ja auch viele. Eine Vampir-Kochbuch-App mit 148-teiliger Bildergalerie „So koche ich einen Vampir“, dazu kleine Gedichte und bisschen was Grünes drumherum, für die Vegetarier.

ll: Zusammen mit dem Kollegen Uwe Janssen bist Du als Bühnen-Duo unterwegs und mit vier weiteren HAZ-Redaktionskollegen wirfst Du in der Leseshow „Salon Herbert Royal“ im TAK einen satirischen Monats-Rückblick auf die Welt und das Mediengeschehen. Woher kommt diese satirische Neigung eines ganzen Haufens gestandener Zeitungsredakteure? Braucht es in Zeiten der voranschreitenden Zeitungssterbens gar ein zweites Standbein?

Grimm: Nee, wir hatten einfach Lust auf ein bisschen Anarchie. In jedem Zeitungsredakteur schlummert ein kleiner Satiriker, der ans Licht will und Quatsch machen. Das ist reiner Spieltrieb. Wo soll man sonst hin mit seinen Rösler-Witzen und billigen Kalauern?

ll: Nicht nur in der hannoverschen Live-Literatur-Szene erfreut sich die Vortragsform der Lesebühne mit mehreren auftretenden Autoren seit vielen Jahren großer Beliebtheit. Gibt es Berührungspunkte oder gar Vorbilder?

Grimm: Tolle Sache: Alle treffen sich, jemand liest etwas Feines vor und wir trinken dazu. Und das Publikum hat auch seinen Spaß. Lesebühne ist Literatur-Zapping. Vorbilder? Sind immer die Nicht-Gockeligen, die sich trauen, auch mal ein bisschen blöd auszusehen. Keine Namen, das gibt nur Ärger.

Unscharf, aber nicht unsexy: Grimm mit Russenmütze und Balalaika

ll: Wie erlebst Du das hannoversche Publikum?

Grimm: Enthemmt, paarungswillig und attraktiv. Im Ernst: Die Amüsier-Bereitschaft ist hoch. Wir haben das oft, dass sich vier Damen vor der Show mit Prosecco abschießen und dann geschlossen einen Vierertisch besetzen. Ist mir lieber als das klassische Kabarettpublikum mit Woll-Unterwäsche, das „Huh“ macht, wenn einer „Hitler“ sagt.

ll: Schnell gefragt, schnell geantwortet: Die journalistische Stilform der Kolumne bedeutet für Dich…

Grimm: Freiheit. Lust. Frechheit. Seelische Entlastung. Monatseinkommen.

ll: Last but not least: Was darf die geneigte Zuhörerschaft beim Kulturkiosk von Dir erwarten?

Grimm: Meine Themen: Holland in Not, McDonald’s feiert Geburtstag, Innendarm-Geschwüre im ICE zwischen Köln und Berlin, das „Abendlied des Faultiers“, meine Bewerbung für „Schlag den Raab“ und der Indianer in uns allen.

ll: Imre, das hört sich fett an. Vielen Dank für das Gespräch!

Nicht verpassen:

Imre Grimm ist am Freitag, dem 16. Dezember, beim Kulturkiosk von langeleine.de zu Gast und liest eine feine Auswahl seiner besten Kolumnen und Geschichten.

(Fotos: Pressefotos)

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Kategorien: Literatur, Menschen

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