Susanne Viktoria Haupt
11. Dezember 2011

„Ich schreibe mir oft Sätze aus Büchern auf, die ich gut finde“

Urbanes Story-Telling goes Indie-Rock: Am kommenden Freitag gastiert der Singer/Songwriter Neerström mit seiner Band beim Kulturkiosk von langeleine.de

„Man wird oft gefragt, ob der Name skandinavisch ist“: Neerström geben sich gerne geheimnisvoll

langeleine.de: Neerström, wie kamst Du zu diesem ungewöhnlichen Namen? Hängt er vielleicht mit der flussaufwärts gerichteten Strömung in Flussbuchten zusammen?

Neerström: Naja, das ist zu mindestens die Antwort, die Wikipedia parat hat (lacht). Aber der Name geht zurück auf den Song „Zum Tee zu Neerström“. Das ist eine „Lo-Fi“-Hymne von Daantje & The Golden Handwerk. Der hat übrigens gerade sein Album „Ach“ herausgebracht. Da ist der Song auch drauf. Wenn mich jemand nach dem Namen fragt, sag‘ ich aber normalerweise, dass er’s einfach googeln soll. Das ist dann irgendwie geheimnisvoll, ne Challenge für den, der gefragt hat (lacht erneut). Aber Quatsch: „Neerström“ klingt einfach ziemlich gut, und man wird oft gefragt, ob der Name skandinavisch ist. Das ist auch gut.

ll: Und seit wann bist Du schon mit Deiner Musik unterwegs?

Neerström: Musik mache ich schon ziemlich lange. Früher habe ich in allen möglichen Bands gespielt. Mal Metal, mal Stoner Rock, aber auch in ’ner Coverband und so. Alles, was man eben als Jugendlicher so machen kann. Zu der Zeit habe ich viel Red Hot Chili Peppers gehört und war beeindruckt von den Solo-Sachen von John Frusciante. Da habe ich mich entschieden, auch mal alleine etwas auf der Bühne zu machen. Der erste Auftritt war dann auch ziemlich legendär. Das war, glaube ich, 2006 oder 2007. Ich hatte schon ziemlich viel getrunken und war Support für eine Band, in der ich auch spielte. Ein paar Freunde hatten mir elektronische Beats gebastelt, die ich laut abspielen ließ. Dazu dröhnte eine Gitarre, die an einem Verstärker lehnte und deren Effektgeräte alle eingeschaltet waren. Ich hab‘ dann irgendwie versucht, improvisierte Texte darüber zu „singen“. Es war ziemlich schräg. Heute habe ich zum Glück feste Songs mit festen Strukturen.

Entspannt, aber erwartungsvoll: Neerström mit seiner Band

ll: Deine Texte sind sehr poetisch. Lässt Du Dich von bestimmten Künstlern beeinflussen?

Neerström: Einige Menschen verfolgen ja die Theorie, Musik möglichst frei von Einflüssen zu machen. Daran glaube ich nicht. Meine Texte sind immer stark davon abhängig, was ich gerade lese oder welche Musik ich verstärkt höre. Dann klingt ein Text eben manchmal nach Frank Spilker oder Julian Gerhard oder Gisbert zu Knyphausen oder so. Ich finde das nicht schlimm, denn die schreiben alle großartige Texte. Völlig unterschiedliche natürlich, aber warum sollte man sich nicht davon beeinflussen lassen? Ich schreibe mir auch oft Sätze aus Büchern auf, die ich gut finde. (kramt ein Notizbuch hervor) Dieser hier zum Beispiel ist von Hermann Hesse: „Zwischen Bequemlichkeit und Kunst; zwischen Treue und Verrat; wo die meisten Untreu werden; das blieb ihm erspart.“ Da kann man bestimmt mal etwas draus machen… (zuckt mit den Schultern).

ll: Welchen Teil trägt Hannover als Lebensraum zu Deinen Texten bei? Könntest Du die Geschichten, die sich in Deinen Songs widerspiegeln, auch auf jede andere Stadt übertragen?

Neerström: Stadt bleibt Stadt. Ich glaube, es ist völlig egal, wo man wohnt. Die Topoi sind ja immer die gleichen: verlieben, verlassen werden, glücklich sein, traurig sein, einsam sein und all das. Da spielt der Ort eigentlich keine Rolle. Natürlich webt man diese Motive dann in Geschichten ein. Da kommt es auch schon mal vor, das man von der Faust oder vom Mittwoch-Theater singt. Da gibt es Textstellen, die direkt von Hannover als Stadt beeinflusst sind. Aber ich habe ja ganz unterschiedliche Stadt-Lieder im Repertoire. Zum Beispiel „Halle“ oder „Freiburg-Mundenhof“. Ich glaube, es kann einem alles überall passieren, nur eben immer ein bisschen anders. Mit anderem Wetter und anderen Leuten und so.

ll: Was darf das Publikum von Dir und Deiner Band am Kulturkiosk erwarten?

Neerström: Yeah, ich hab ’ne Band! Das wird ziemlich gut. Ehrlich!

Nicht verpassen:

Neerström ist am Freitag, dem 16. Dezember, mit seiner Band beim Kulturkiosk von langeleine.de zu Gast und singt von durchgemachten Nächten, vom Tanzen zwischen Postern und kaputten Schlagzeug-Weckern, von Wodka und klassischer Musik.

(Fotos: Ori Jauch)

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Kategorien: Menschen, Musik

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