Jörg Smotlacha
14. Dezember 2011

“Mit Bekanntem spielen, vom Original abweichen und etwas Neues entstehen lassen”

Beim Kulturkiosk von langeleine.de huldigt der Hammerhai-Schlagzeuger Herr K seinen Leidenschaften Film und Musik mit seiner neue Multimedia-Trash-Kinoshow “Execution”

Mit elektronischem Vibraphon zu Gast beim Kulturkiosk: sk aka Herr K aka Stefan Kopka

langeleine.de: Stefan, in Hannover kennt man Dich vor allem als Musiker und Veranstalter, unter anderem als Schlagzeuger von Hammerhai und Moderator des legendären Film-Tablequiz im Béi Chéz Heinz. Du bist aber auch ein ausgewiesener Filmfreak. Wo kommt diese Leidenschaft her und wo liegen Deine filmischen Vorlieben?

sk: Zum einen war es zu Hause so, dass ich relativ früh einen eigenen Fernseher besass und meine Eltern nichts dagegen hatten, wenn ich zu später Stunde noch Spielfilme ansah. Und im Nachtprogramm lief das, was man mal sehen wollte. Damals begann gerade das Video-Zeitalter und nicht jeder hatte schon einen Recorder, daher war man auf das Nacht-Fernsehen angewiesen, wenn man sich “weiterbilden” wollte. Zum anderen hatte ich das Glück, einen Kunstlehrer am Gymnasium zu haben, der in der Oberstufe ein halbes Jahr lang die Analyse von Spielfilmen zum Thema machte. Ich denke, dass war für mich der Wendepunkt, Filme nicht mehr nur zu konsumieren, sondern auch unter anderen Gesichtspunkten anzuschauen. Natürlich goutiere ich jeden Film, der ein gutes Drehbuch, einen entsprechenden Cast und eine richtig eingesetzte Filmmusik hat und nicht nur ein vordrängelndes sinfonisches Durchgeballere wie bei diversen Sat1-Produktionen. Sollte der Film auch noch eine herausragende Kamera-Arbeit und einen rhythmischen Schnitt vorweisen, wodurch ein eigenständiger Film-Look entsteht, wird dieses Werk mit Sicherheit bei mir zu Hause auf einem Datenträger zu finden sein. Wer mein Programm gesehen hat, wird dann wissen, worin meine konkreten filmischen Vorlieben liegen.

Übung macht den Meister: sk hatte das Glück, eine ausgewiesene musikalische Früherziehung zu genießen

ll: Mit der Synchro-Truppe Captain Retro hast Du den kompletten Spielfilm “Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123″ live neu vertont und so Deine Leidenschaften für Musik und Film kongenial miteinander verknüpft. Was reizt Dich an der Verbindung zwischen Musik und Film als Live-Format?

sk: Die Wechselwirkung zwischen Film und Musik, die Faszination, wie Musik den Rezipienten eine Filmsequenz anders erleben lässt. Um dann ganz im Sinne des Jazz ein neues Arrangement zu kreieren, mit Bekanntem zu spielen, vom Original abzuweichen und etwas Neues entstehen zu lassen. Aber vor allen Dingen möchte ich den Spaß, den ich daran habe, weitergeben und dabei gut unterhalten.

ll: Bisher warst Du immer mit einem Ensemble unterwegs, nun stehst Du mit sk’s metal cinema seit langem mal wieder solo auf der Bühne und fährst doch gleich eine ganze Multimedia-Trash-Kinoshow auf. Wie kann man sich das vorstellen, und wie managed Du das technisch?

sk: Anders als beim Captain-Retro-Projekt habe ich nicht nur die Musik von einem, sondern von mehreren mir am Herzen liegenden Filmen bearbeitet. Auf meinem MIDI-Mallet-Instrument, welches, anschaulich gesprochen, ein elektronisches Vibraphon ist, spiele ich quasi E-Gitarre und lasse mich von einem selbst programmierten Schlagzeug-Playback begleiten. Parallel sind Film-Sequenzen zu sehen, die ich speziell auf die neuen Arrangements der Musikstücke geschnitten habe. Wenn man so will auch eine Art Begleitung. Kurz gefasst: Kino-Highlights auf der Leinwand, dazu Live-Musik von der Bühne, allerdings so verknüpft, dass die einzelnen Stücke nicht einfach hintereinander weggespielt werden, sondern alles ineinander übergeht und daraus ein, so hoffe ich, großes Ganzes wird.

Pendelt zwischen Berlin und Hannover, landet aber immer im gleichen Stadtteil: sk weiß die kulturelle Atmosphäre Lindens zu schätzen

ll: Was sind Deine nächsten Pläne? Hast Du vor, Deine Solo-Show noch auszubauen?

sk: Derzeit habe ich circa 55 Minuten Programm inklusive Zugabe, ich möchte es aber auf 80 bis 90 Minuten ausbauen, so dass ich variable Programmlängen anbieten kann. Ideen dazu habe ich reichlich. Tja, und dann geht es auf Welttournee…

ll: Der Allround-Künstler Stefan Kopka ist ja nach wie vor sehr präsent in Hannover. Du bist aber auch gerade von Köln nach Berlin gezogen. Wie gefällt es Dir dort und wie schätzt Du das kulturelle Pflaster in der Hauptstadt ein?

sk: Höher, weiter, Berlin! Im Zuge meiner Ausbildung zum Kameramann habe ich ja schon mal vor gut zehn Jahren in Berlin gelebt und wollte immer zurück. Ich mag einfach die Atmosphäre Berlins. Was einem in dieser Stadt kulturell geboten wird, ist enorm. Man darf sich allerdings nicht unter Druck setzen lassen, dieses und jenes jetzt und sofort wahrnehmen zu müssen. Aber diese vielfältigen Optionen ziehen zu können, ist natürlich etwas sehr Anziehendes an dieser Stadt. Aber vor allen Dingen bin ich in zwei Stunden in Linden!

ll: Letzte Frage: Was bekommt unser Publikum am Freitag beim Kulturkiosk von sk’s metal cinema geboten?

sk: Kino und Filmmusik mal ganz anders.

Nicht verpassen:

Am Freitag, dem 16. Dezember, zerlegt sk’s metal cinema mit seiner Multimedia-Trash-Kinoshow “Execution” den Kulturkiosk von langeleine.de und interpretiert bekannte Filmmusiken mit Hilfe von unechten Blondinnen und echten Untoten auf seine eigene Art und Weise.

(Fotos: Pressefotos)

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Kategorien: Film, Menschen, Musik

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