Jörg Smotlacha
3. Januar 2012

Die wundersame Welt der sanften Riesen

Mit dem Quicar in die Region. Ausflugstipps der langeleine-Redaktion. Heute: die Sonderausstellung „Wunderbare Wale“ im Staatlichen Naturhistorischen Museum in Braunschweig

Sehenswert: Die Sonderausstellung „Wunderbare Wale“ dokumentiert die Geschichte eines faszinierenden Lebewesens

Staunend betrachten wir das etwa 13 Meter lange und circa 1.200 Kilo schwere Skelett eines Pottwals, das unter der Decke des Rebenparks baumelt und gemeinsam mit den ebenso eindrucksvollen Überresten eines 19 Meter langen Finnwals den Mittelpunkt der Ausstellung „Wunderbare Wale“ bildet, die noch bis zum 10. Februar des gerade begonnenen Jahres in Braunschweig zu sehen ist. Die ursprünglich für das Naturhistorische Museum in Paris konzipierte kinderfreundliche Schau wird nach Stationen in Frankreich, Belgien und den Niederlanden derzeit erstmals in Deutschland gezeigt und bietet neben den riesigen Tiermodellen jede Menge Wissenswertes zu den Vorfahren der Meeressäuger, ihrer Evolution, ihrem Lebensraum und ihren Fähigkeiten. Ausstellungstafeln, Dokumentarfilme, Schaukästen und Installationen klären zudem über die Themen Jagd und Umweltschutz auf und informieren anschaulich über die Kommunikationsformen der Wale und ihre Ausbeutung durch die Menschen.

In der Blütezeit ihrer Jagd waren Wale eine Quelle für wertvolle Rohstoffe: Ausstellungsvitrine mit Walfleisch aus Dosen, einem Korsett aus Barten und anderen Objekten

Die Vorfahren der Wale

Dass Wale zu den größten Lebewesen gehören, die jemals die Erde bevölkert haben, und obendrein über eine außerordentliche Intelligenz verfügen, war uns bewusst. Dass die riesigen Meeresbewohner jedoch Vorfahren besaßen, die auf dem Land lebten, ist uns neu. So bewundern wir unter anderem die Knochen eines Pakicetus Attocki, dem ältesten bekannten Ahnen der Wale, der wolfsähhnlich aussah, Hufe, Fell und Zähne besaß und vor rund 50 Millionen Jahren im heutigen Pakistan zu Hause war. Gleich darauf begegnet uns der Ambulocetus Natans, ein amphibischer Vorfahre des Wals, der äußerlich einem Krokodil ähnelte und zwar auch noch auf dem Land laufen konnte, aber mit seinen paddelnden Hinterbeinen bereits das Schwimmen erlernt hatte. Nicht minder beeindruckend sind die Informationen über die heute lebenden Wal-Arten, deren größter Vertreter, der Blauwal, über 33 Meter lang werden kann und bis zu 200 Tonnen wiegt. Kein Wunder, dass beispielsweise Bartenwale mit ihren Namensgebern, den ins Maul hängenden fransigen Hornleisten, etwa 4 Tonnen Nahrung am Tag aufnehmen können!

Der älteste bekannte Urahn des Wals: der Pakicetus Attocki

Orientierung und Kommunikation

Im Laufe ihrer Evolution haben sich Wale auf optimale Art und Weise ihrer Umgebung angepasst. Sie besitzen einen torpedoförmigen Körper, haben haarlose Haut und zeichnen sich durch den Mangel an äußeren Organen aus, so dass ihre Fortbewegung unter Wasser durch keinerlei Hindernisse gehemmt wird. Zur Verständigung nutzen Wale besondere Klänge, die sich im Wasser vier- bis fünfmal schneller ausbreiten können als in der Luft und in der Ausstellung an Hörstationen präsentiert werden. Die hochfrequenten Töne, die von Menschen nur zum Teil wahrgenommen werden können, dienen aber nicht nur der internen Kommunikation, sondern auch der Ortung. Eine spezielle Technik, bei der Wale die Echos ihrer ausgestoßenen Laute auswerten, ermöglicht sowohl die Orientierung als auch den Beutefang. Besonders eindrücklich aber ist das Paarungsverhalten der Meeressäuger. So bedienen sich Buckelwale, deren Stimmvielfalt diejenige ihrer Verwandten bei weitem übertrifft, bei ihren Gesängen komplexer Folgen von Strophen, wenn sie auf die Balz gehen. Und wir lernen, dass Wal-Weibchen von ihren männlichen Artgenossen durch Streicheleinheiten, wilde Tänze und artistische Vorführungen beeindruckt werden wollen.

Ein Naturschauspiel: Das Balzverhalten der Wale besticht durch wilde Sprünge und tänzelnde Bewegungen

Walfang und Meeresverschmutzung

Keine leichte Kost erwartet uns im letzten Ausstellungsbereich, der sich mit der Jagd auf Wale beschäftigt und Umweltbelastungen thematisiert, die den Lebensraum der Meeresbewohner bedrohen. Die Anfänge der Waljagd gehen bis ins Mittelalter zurück, und mit der Industrialisierung bekam auch der kommerzielle Walfang einen Aufschwung. So waren Barten- und Pottwale in der Blütezeit des Walfanges eine Quelle für verschiedenste wertvolle Rohstoffe. Öl aus Walfett lieferte Brennstoff für die Straßenbeleuchtung, Korsettstangen und Regenschirm-Speichen wurden aus Walbarten hergestellt, und Walfleisch wurde zum weltweit beliebten Nahrungsmittel. Durch die jahrhundertelange Jagd gerieten einige Arten schließlich an den Rande der Ausrottung, bis die Internationale Walfangkommission sich nach dem Zweiten Weltkrieg für den Schutz der Wale einsetzte. Ein Unterfangen, das leider bis heute von Ländern wie Norwegen, Japan oder Island aus „wissenschaftlichen“ und kommerziellen Gründen immer wieder unterlaufen wird. In der Gegenwart besteht die größte Bedrohung für Wale aber vor allem durch die Verschmutzung der Meere, die Entwicklung der Handelsschifffahrt und die Besiedlung der Küsten. Und auch der vom Schiffsverkehr, militärischen Tests und der Erdöl- und Erdgasförderung ausgelöste Lärm schädigt die Welt der Wale, weil er ihre Orientierung und Verständigung stört und Stress verursacht.

Die Sonderausstellung „Wunderbare Wale“ ist noch bis zum 10. Februar 2012 in Braunschweig zu sehen. Der Rebenpark hat dienstags bis freitags von 9 bis 17 Uhr geöffnet, samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene 8 Euro und beträgt ermäßigt 5 Euro. Kinder bis 14 Jahre zahlen 3 Euro.

„Wunderbare Wale“
Sonderausstellung, Staatliches Naturhistorisches Museum
Rebenpark, Rebenring 31, 38106 Braunschweig
www.wunderbarewale.de

Fahrtzeit von Hannover-Stadtmitte: ca. 60 Minuten
Ausflugsdauer: ca. 4,5 Stunden

(Fotos: Jörg Smotlacha)

„Mit dem Quicar in die Region. Ausflugstipps der langeleine-Redaktion“ erscheint mit Unterstützung von Quicar – Share a Volkswagen.




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Kategorien: Kunst, Lokalitäten

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