Susanne Haupt und Jörg Smotlacha
10. Januar 2012

Warum Madeira einst in den Rehburger Bergen lag

Mit dem Quicar in die Region. Ausflugstipps der langeleine-Redaktion. Heute: die Historische Kuranlage von Bad Rehburg

Neu restauriert und von sehenswerten Waldpromenaden umgeben: die Wandelhalle der Bad Rehburger Kuranlage

Wer eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit unternehmen und auf den Spuren der Romantik wandeln möchte, der wird eine dreiviertel Autostunde vor den Toren Hannovers fündig: Im beschaulichen Bad Rehburg, einem ehemaligen Kurort im Landkreis Nienburg, locken die Historischen Kuranlagen mit ihren prachtvollen Gebäuden und einem kleinen Museum, das in seiner Dauerausstellung die Erlebniswelt „Kurleben der Romantik“ präsentiert. Und so machen wir uns mit unserem Quicar auf zu einem Ausflug in die Rehburger Berge und besuchen das eindrucksvolle Bau- und Kulturdenkmal aus der Zeit der Romantik, dessen Ursprünge bis ins Jahr 1690 zurückgehen, als die heilende Wirkung der Rehburger Quellen erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Hier badeten die Reichen und Schönen: Badekabinett in der Ausstellung „Kurleben der Romantik“

Das Rehburger Wasser galt als Wundermittel

Im 18. und 19. Jahrhundert gelangte der seinerzeit als „Madeira des Nordens“ bekannte Kurort zu einiger Berühmtheit bei adeligen Gästen. So verbrachte auch das hannoversche Königshaus „der Gesundheit wegen und des Vergnügens halber“ seine Kuraufenthalte in Bad Rehburg. Der Hauptgrund für die Beliebtheit des Ortes war, dass das Wasser aus dem Rehburger Gesundbrunnen als Wundermittel gegen so ziemlich alle Krankheiten und Gebrechen galt. Welfen-Kurfürst Ernst August soll sogar stets ein Quäntchen des Rehburger Wassers bei sich getragen haben, um seine Augen damit zu benetzen. Badeärzte verordneten ihren wohlhabenden Patienten kurze oder längere Sitzungen, Dampfbäder, Kiefern- und Fichtennadelbäder und wochenlange Kuraufenthalte. Schließlich badete man nicht nur in Wasser, sondern auch in Moor, Malz, Kleie und Molke, und Bad Rehburg galt ab 1841 jahrzehntelang als einziger Molke-Kurort Norddeutschlands.

Bunte Schautafeln informieren über prominente Besucher der Historischen Kuranlage

Kurpark und Waldpromenaden

Die zwischen 2000 und 2003 restaurierte Historische Kuranlage von Bad Rehburg ist, neben derjenigen im nordhessischen Hofgeismar, die einzige noch erhaltene Anlage aus der Zeit der Romantik auf deutschem Boden. Sie besteht aus dem frühklassizistischen Neuen Badehaus, der Wandelhalle, die eine verglaste Veranda ihr eigen nennt, der Frederikenkapelle und dem kleinen Brunnenhäuschen. Das Gelände selbst ist umgeben von einem Teil des historischen Kurparks und seinen Waldpromenaden, die mit ihren verschlungenen Pfaden und diversen sehenswerten Plätzen für interessierte Wanderer schon alleine unbedingt einen Abstecher wert sind.

Privat-Suite für Angehörige des hannoverschen Königshauses: die edel geflieste „Königinnen-Zelle“

Die Kulturgeschichte der Bäder

Das Museum befindet sich im Badehaus und lädt zu einem Rundgang durch zwölf ehemalige Badekabinette, die musikalisch untermalt, die Kulturgeschichte der Bäder und die Blütezeit der Anlage dokumentieren. Zu sehen sind unter anderem die sogenannte „Königinnen-Zelle“, die als Privat-Suite für kurierende Mitglieder des hannoverschen Königshauses reserviert war, Utensilien zur Analyse der Wasser-Qualität, Spielkarten, mit denen sich die Badegäste ihre Zeit vertrieben, und Details zur kuriosen Kleiderordnung in der Kuranlage. Außerdem lässt sich einiges Wissenswerte über die Zeit der Romantik erfahren – zum Beispiel, dass das seltsame Hobby des Spazierengehens erst in dieser Zeit in Mode kam, oder dass Bad Rehburg mitnichten nur ein Treff für Reiche und Adlige war, sondern sich auch durch ein Armen-Krankenhaus und Gratis-Unterkünfte für Mittellose auszeichnete. Nach all diesen Informationen genießen wir noch einen Milchkaffee im in der Wandelhalle untergebrachten Restaurant „Carpe Diem“ und machen uns auskuriert wieder auf den Heimweg.

Die Historischen Kuranlagen von Bad Rehburg und die Ausstellung „Kurleben der Romantik“ haben von November bis Februar mittwochs bis sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. In den Sommermonaten zwischen März und Oktober sind sie täglich, außer montags, von 11 bis 18 Uhr zu besuchen. Der Eintritt beträgt 4 Euro, ermäßigt 2 Euro.

Romantik Bad Rehburg
Historische Kuranlage
Friedrich-Stollberg-Allee 4, 31547 Rehburg-Loccum, OT Bad Rehburg
www.badrehburg.de

Fahrtzeit von Hannover-Stadtmitte: ca. 45 Minuten
Ausflugsdauer: ca. 3 Stunden

(Fotos: Susanne Haupt)

„Mit dem Quicar in die Region. Ausflugstipps der langeleine-Redaktion“ erscheint mit Unterstützung von Quicar – Share a Volkswagen.




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Kategorien: Kunst, Lokalitäten

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