Susanne Haupt und Jörg Smotlacha
13. Januar 2012

Die Stadt der Wissenschaft

Mit dem Quicar in die Region. Ausflugstipps der langeleine-Redaktion. Heute: die phaeno-Experimentierlandschaft in Wolfsburg

Das Quicar allein zu Haus: Die Architektur des Wissenschaftsmuseums ragt aus dem Wolfsburger Stadtbild

„Wolfsburg ist ja keine Stadt“, witzelte Hannover 96-Mittelfeldspieler Sergio Pinto im vergangenen Jahr vor dem Derby gegen den VFL Wolfsburg. Und wirklich anziehend ist Wolfsburg auf den ersten Blick tatsächlich nicht. Jedoch beherbergt die Autostadt kurz hinter Braunschweig mit der Experimentierlandschaft phaeno eines der interessantesten Wissenschaftsmuseen in Norddeutschland. Was liegt da also näher, als mit unserem Quicar einmal in die VW-City zu fahren. Nach etwa einer Stunde Autofahrt, entspannt mit dem Kopf zurückgelehnt und einem Beirut-Album im CD-Player, erreichen wir das leicht verregnete Wolfsburg. Zwischen Regen und trüben Himmel empfängt uns die 2005 eröffnete Experimentierlandschaft mit einem imposanten Bau, der uns die Wetterbedingungen glatt vergessen lässt. Die moderne Form des riesigen Komplexes gilt laut „The Guardian“ als eines der zwölf architektonischen Wunder dieser Welt. Entworfen wurde es von der irakischstämmigen Star-Architektin Zaha Hadid. Obwohl das Gebäude ziemlich groß ist, wirkt es keinesfalls einschüchternd, sondern strahlt wie ein futuristischer Monolith ästhetisch aus dem Stadtbild hervor.

Jede Menge Wissenswertes auf allen Ebenen: Die Experimentierlandschaft lockt mit vielseitigen Stationen

Niemals endendes Labyrinth

Beim Betreten des Wissenschaftsmuseums, das sich über eine Fläche von 9.000 Quadratmetern erstreckt und unter anderem vom Niedersächsischen Kultusministerium, der Volkswagen AG und anderen Partnern über eine Stiftung finanziert wird, schauen wir erst einmal etwas irritiert aus der Wäsche. So entfaltet sich vor uns beim Verlassen der Rolltreppe, die in das phaeno führt, eine Abteilung, die sich vornehmlich mit Spiegeln beschäftigt. Also testen wir als Erstes die verschiedenen Experimentierstationen aus, was unsere eigene Wahrnehmung ziemlich hart auf die Probe stellt. So amüsieren wir uns über einen Spiegel, der unsere Körper verzerrt, und verlieren uns in einem unendlichen Würfel, der seinem Namen alle Ehre macht. Durch kleine Eingänge kann man das Exponat betreten, das ausschließlich aus Spiegel-Fliesen besteht und obendrein noch Aussparungen hat, die ebenfalls verspiegelt sind. Durch diese Fliesen gewinnt man den Eindruck, sich in einem niemals endenden Labyrinth des eigenen Anblicks zu verlieren.

Dagegen ist ein Spiegel-Kabinett gar nichts: der unendliche Würfel

Alpha und Theta

Mit gemischten Gefühlen verlassen wir die „SpiegelBilder“ und widmen uns der Station „Mind-Ball“. Mittels eines Stirnbandes, an dem Elektroden angebracht sind, werden die Alpha- und Theta-Wellen in unserem Gehirn gemessen. Diese beiden Wellenformen spiegeln den Entspannungszustand der Gehirntätigkeit. Während Alpha-Wellen die grundsätzliche Entspannung und Ausgeglichenheit eines Menschen wiedergeben, treten Theta-Wellen besonders intensiv in Trance- und Meditations-Zuständen auf. Um „Mind-Ball“ nun einmal auszuprobieren, setzen wir uns an die Station und verkabeln uns mit den Stirnbändern. In der Mitte steht ein Tisch, auf dem sich ein kleiner Ball befindet, und zwei Monitore messen in Echtzeit unsere Gehirntätigkeit. Ist der Ausschlag hoch, bewegt sich die Anzeige am oberen Rand des Monitors, was auf einen entspannten Menschen schließen lässt. Magnetische Kräfte bewegen den Ball nun über den Tisch, wobei es das Ziel ist, den Ball in das Terrain des Gegenübers zu treiben. Offensichtlich ist Kollege Smotlacha ein nahezu waschechter Meditations-Guru, während sich meine Wellen nur wenig bewegen und ansonsten am stressbelasteten Boden blieben, so dass ich das Spiel schnell verliere.

Äußerst entspannte Partie: Die Redaktionsmitglieder von langeleine.de üben sich beim „Mind-Ball“

Raffinierte Konstruktionen und echte Forscher

Nach unserem Abstecher in die Welt der Gehirnströmungen und dem Besuch weiteren Stationen, die sich mit der Erfahrung des Sehens und der menschlichen Reaktion befassen, wird uns klar, dass die Experimentierlandschaft im phaeno viele verschlungene Wege beinhaltet, die einen stundenlang beschäftigen können, wenn man sich mit allen wissenschaftlichen Bereichen auseinandersetzt. Neben den diversen Spiegel-Installationen und den Exponaten zum Thema Sehen gibt es noch die Bereiche „Leben“, „SpürSinn“, „Dynamik“ und „Energie“ sowie die derzeitige Sonderausstellung „Kugelbahnen“, die hölzerne Spielzeugbahnen beinhaltet, die jedes kindliche Herz höher schlagen lassen und mit raffinierten Konstruktionen aufwarten. Im sogenannten Tech-Lab wiederum besichtigen wir ein großzügiges Labor, in dem man Themenfeldern wie beispielsweise der Genetik auf die Spur kommen kann. Um den Besuchern ein waschechtes Forscher-Gefühl zu vermitteln und den nötigen Sicherheitsvorkehrungen gerecht zu werden, stehen Kittel, Schutzbrillen und Handschuhe in den verschiedensten Größen zur Verfügung.

Bunt und dreifach: So sieht man sich ab und an ganz gerne

Tornados, Plasmakugeln und fliegende Teppiche

Reges Interesse zieht schließlich David Durlach Kunstwerk auf sich, das aus tanzenden Magnet-Igeln besteht. Mit Hilfe eines stetig in Bewegung befindlichen Magnetfeldes, das auf computergesteuerte Elektromagneten reagiert, tanzen kleine, aus Eisen-Spänen bestehende Igel zu diversen musikalischen Beiträgen. Es sind diese originellen Exponate, wie beispielsweise die Stationen, die mit Farben spielen und unseren eigenen Schatten in ein Pop Art-Bildnis verwandeln, oder die eindrucksvolle Erzeugung eines Tornados, welche die Welt der Naturwissenschaft für Groß und Klein auf eine neue und sehr lebendige Art veranschaulichen und dabei verschiedene Wissenssparten miteinander verknüpfen. Sei es die körperliche Erfahrung auf einem fliegenden Teppich, eine Plasmakugel, deren Fäden man schnell in den Händen hält, oder die Betrachtung von leuchtenden Anemonen durch eine Spezialbrille und Blaulicht: Die phaeno bietet eine Fülle an Ideen zum Erleben, Entdecken und Staunen, so dass die Zeit in der Experimentierlandschaft fast wie im Fluge vergeht. Und so endet unser wissenschaftlicher Exkurs mit jeder Menge neuem Wissen im angegliederten Bistro bei einem guten Latte Macchiato. Allein dafür hat sich die Fahrt in die Stadt gelohnt, die laut Sergio Pinto keine ist.

Das Wissenschaftsmuseum phaeno ist dienstags bis freitags von 9 bis 17 Uhr geöffnet. An den Wochenenden und an Feiertagen lässt sich die Experimentierlandschaft von 10 bis 18 Uhr besuchen. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 9 Euro und für Kinder von 6 bis 17 Jahren 7,50 Euro. Gruppen- und Familienkarten sowie Feierabendtickets bieten Vergünstigungen.

phaeno
Wissenschaftsmuseum und Experimentierlandschaft
Willy-Brandt-Platz 1, 38440 Wolfsburg
www.phaeno.de

Fahrtzeit von Hannover-Stadtmitte: ca. 60 Minuten
Ausflugsdauer: ca. 6 Stunden

(Fotos: Susanne Haupt)

„Mit dem Quicar in die Region. Ausflugstipps der langeleine-Redaktion“ erscheint mit Unterstützung von Quicar – Share a Volkswagen.



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Kategorien: Lokalitäten

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