Susanne Viktoria Haupt
20. Januar 2012

Eine Reise in die Vergangenheit

Mit dem Quicar in die Region. Ausflugstipps der langeleine-Redaktion. Heute: der Stadtpark Langenhagen

Auf Retro-Tour mit Carsharing: Im Stadtpark Langenhagen haben wir unsere Jugend verbracht

Es ist kalt. Irgendwie hat der Winter kurzfristig doch noch zugeschlagen und die Temperaturen tanzen um den Gefrierpunkt. Ab und an rieseln ein paar Schneeflocken gen Boden, morgens gehören Handschuhe und Mütze zur Pflicht-Bekleidung, und daher sind wir bei unserer heutigen Ausflugstour froh, dass das Quicar eine Sitz-Heizung hat, die sich auf warme 26 Grad hochschrauben lässt. Zwar hat man bei der Höchsttemperatur das Gefühl, ein klein wenig gegrillt zu werden, aber in diesen kalten Tagen ist das eine sehr angenehme Ausstattung. Statt in ein Museum oder in einen Sportpark zu fahren, wollen wir noch einmal etwas Natur erleben, und so geht es heute in den kleinen Stadtpark im Zentrum der Stadt Langenhagen am Rande von Hannover. Vornehmlich bekannt durch den Flughafen oder die Kleinkunst-Bühne Mimuse, auf der bundesweit bekannte Künstler wie der Kabarettist Volker Pispers auftreten, ist Hannovers Vorstadt für uns zwei, Jörg Smotlacha und Susanne Haupt, noch ein bisschen mehr: ein Stück Heimat. Wir haben den Großteil unseres Lebens in Hannover, in anderen Städten und auch im Ausland verbracht – doch Fakt bleibt, dass wir nun mal alte Langenhagener sind, zwar nicht gebürtig, aber hier aufgewachsen.

Erinnern etwas an Tim Burtons „Big Fish“: Bon-Kil Kims „Fische“ im Stadtpark Langenhagen

Romantische Spaziergänge und Stunden des Schuleschwänzens

Oft unbeachtet, aber nicht zu übersehen ist, dass Langenhagen eine sehr grüne Stadt ist. Der Stadtpark ist, neben dem Wietzepark, dem Eichenpark, dem Bereich um den Silbersee und dem Brinker Park, nur eine von mehreren üppigen Grünanlagen, in denen man ein wenig die Seele baumeln lassen kann. Und die Anziehungskraft der Parks ist für Jugendliche seit mehreren Dekaden ungebrochen, vor allem bedingt durch das angrenzende Schulzentrum der Stadt. Erste romantische Spaziergänge, Freistunden, Stunden des Schwänzens und wilde Feiern – all dies hat in Langenhagens Grünanlagen stattgefunden. In einer kleinen Stadt wie dieser ist der Ort des gesellschaftlichen Geschehens eben genau zu bestimmen. Trotzdem hat sich seit unserer Jugend einiges verändert. Ausgangspunkt unserer kleinen Reise mit der blau-weißen Quicar-Zeitmaschine ist der Parkplatz an der Elisabethkirche, die mit Abstand die schönste in Langenhagen ist. Wahrscheinlich stand ich deswegen dereinst zur Weihnachtszeit mit taubenblauen Schulhemd in diesen heiligen Hallen und habe im Chor „Adeste Fideles“ und „Joy to the World“ gesungen. Neu allerdings sind die Schachbretter, die uns direkt am Parkeingang hinter der Kirche begrüßen. Sie ähneln ein wenig amerikanischen Grünanlagenstrukturen, die zwei kleinen Tische mit den aufgedruckten schwarzen und weißen Feldern und die daneben auf dem Boden befindlichen großen Schachfelder, auf denen man locker erwachsene Freunde als Bauern und Springer einsetzen könnte.

Bitte nicht füttern: Die Ententeiche im Langenhagener Stadtpark sind eine kleine Oase zum Ausruhen und Freunde treffen

Bewegung und Kunst

Ebenfalls neu für uns ist der kleine Trimm-Dich-Pfad. An fest installierten Gerätschaften kann man die Schultermuskulatur trainieren, und die Beine, den Rücken oder die Handflächen massieren lassen. Ein guter Ort für ein wenig Sport zwischendurch und für die zahlreichen Jogger, die Tag für Tag auf den Pfaden des Langenhagener Stadtparks unterwegs sind, eine kleine Aufwärmrunde. Im Mittelpunkt der Parkanlagen springt der vor 20 Jahren entstandene Skulpturenpark in die Augen, der in den 1990er-Jahren richtungsweisend für eine neue kulturelle Entwicklung der Langenhagens war. Unter der Leitung des Kurators Kai Bauer wurde die kleine Stadt vor den Toren Hannovers zum Dreh- und Angelpunkt mehrerer Kunst-Performances unter dem Namen „Vor Ort“. 1994 gastierte hier die weltbekannte Künstlerin Yoko Ono, die Langenhagen mit einer Plakat-Aktion in den Fokus der bundesweiten Kunst-Szene brachte. Heute noch im Stadtpark zu sehen sind die Steinskulpturen „Studies of Human Being“ von Werner Ratering aus dem Jahre 1987 und die 1990 von Bon-Kil Kim installierten „Fische“.

Beliebtes Exkursionsziel für Schüler und Lehrer: der von Falken bewohnte Wasserturm

Zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Mitten im Eichenpark treffen wir auf den alten Wasserturm der Stadt, der einst von ein paar Turmfalken besetzt wurde, die noch heute dort ein Bleiberecht genießen. Mit Sack und Pack klettern Schüler und Biologie-Lehrer der Stadt seit Jahren auf den Turm und installieren Kameras, um das Brüten der Falken-Eier zu beobachten. Zwar sind Falken in Stadtgebieten selten, aber die weiten Flächen und Wiesen des Stadtparks laden gerade dazu ein, hier ihr Jagdgebiet zu eröffnen. Ganz in der Nähe gibt es auch Fledermäuse, die in den imposanten Altbäumen ihr Zuhause haben und abends mit ihren Echoloten das Treiben der Jugend am Pavillon verfolgen. Der Pavillon wurde früher für kleine Klassik-Konzerte genutzt, dient seit vielen Jahren aber vor allem am Wochenende und in den Ferien als Ort für Partys und Sprayer. Eine weitere kleine Oase inmitten des Grüns bildet die kleine Teichgruppe mit den Enten. Hier habe ich während meiner Schulzeit über Stochastik-Aufgaben getüftelt, mir Grundlagen der Linguistik zu Gemüte geführt und mit der besten Freundin in der Sommerhitze barfuß nach Erfrischung gesucht. Allerdings ist es nun kalt, die Hände sind rot verfärbt, die Nasen laufen, und wir brechen wieder auf in Richtung unseres Teilautos mit der warmen Sitzheizung. Denn jetzt geht es wieder zurück in die Gegenwart, nach Hannover, was eigentlich gar nicht so weit weg ist, aber irgendwie doch. Im Autoradio schalten wir BFBS und das Jahr 2012 ein.

Stadtpark Langenhagen
Stadtparkallee 16, 30853 Langenhagen

Fahrtzeit von Hannover-Stadtmitte: ca. 20 Minuten
Ausflugsdauer: ca. 3 Stunden

(Fotos: Susanne Haupt)

„Mit dem Quicar in die Region. Ausflugstipps der langeleine-Redaktion“ erscheint mit Unterstützung von Quicar – Share a Volkswagen.



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Kategorien: Lokalitäten

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