Susanne Viktoria Haupt
6. Februar 2012

Mehr als ein Funken Wahrheit

Seitenansicht: „Erklärt Stroganow“ von Kersten Flenter

Nicht nur für Lindener lesenswert: „Erklärt Stroganow“ von Kersten Flenter, Buchcover

Seit 2001 schreibt Kersten Flenter Glossen über den eigenwilligen Lindener Kiosk-Besitzer Stroganow für den hiesigen Lindenspiegel. Unterstützung erhält der Literat seit 2008 von Hans-Jörg Hennecke, mit dessen Lindemann-Geschichten sich Stroganow im Meinungs-Schlagabtausch befindet. Mittlerweile gehören Stroganow, sein Praktikant Bülent und auch Kersten Flenter als Kommentator so sehr zu Linden wie die „drei warmen Brüder“. Politisch aktuell, sozialkritisch und manchmal mit einem bösen Augenzwinkern beschreibt Flenter seinen Protagonisten Stroganow, wie der sich beispielsweise für den Weltfrieden als Osama Bin Laden verkleidet, auf dem Spielplatz am Pfarrlandplatz über die Unterschiede der Kinder-Erziehung in Linden und der List philosophiert oder versucht, Jugendlichen Manieren beizubringen. Doch Flenters Glossen bieten mehr als den Kiosk-Besitzer, seine Weltanschauung und seine Weltverbesserungstipps. Häufig sind es offensivere, ernste Beobachtungen, die die Leserschaft zum Denken anregen. Da gibt es die Mutter aus dem gegenüberliegenden gelben Haus, die ihr Kind rabiat anbrüllt, oder die mysteriös verbeulte Motorhaube als Reaktion darauf, dass die Besitzerin des Autos ihre Tochter auf dem Gehsteig ohrfeigte.

Kersten Flenters Geschichten ergeben ein kleines Spiegelbild unserer Gesellschaft, geben ein bisschen Hoffnung und erwecken den Wunsch, dass sich mehr Menschen solche Gedanken über diese Welt machen würden. Wer aber der Meinung ist, dass diese Glossen-Sammlung nur etwas für treue Linden-Liebhaber ist, der irrt, denn in jeder kurzen Erzählung steckt ein Funken Wahrheit, der auch außerhalb des Stadtteils und der Landeshauptstadt Gültigkeit besitzt. Flenter selbst wurde nach eigenen Aussagen erst 1987 durch die Heirat mit einer Eingeborenen in Linden eingebürgert. Geboren wurde er 1966 in Seelze, am Westrand Hannovers, wie er schreibt. Bekannt ist der Autor in Hannover nicht nur für seine regelmäßigen Beiträge im Lindenspiegel, sondern auch durch seine vielen Lesungen, die satirischen Abendprogramme die er gemeinsam mit Hans-Jörg Hennecke unter anderem im Theater am Küchengarten veranstaltet und zahlreiche Beiträge auf diversen Slams und Lesebühnenteilnahmen wie beispielsweise bei den Nachtbarden. Flenter gilt als Vertreter der „neuen deutschen Lyrik“ und hat bereits zahlreiche Buchveröffentlichungen vorzuweisen. Kurz gesagt: Er ist ein Künstler, den man innerhalb der hannoverschen Literaturszene nicht übersehen kann. Nun liegen seine Stroganow-Kolumnen erstmals als Sammelband vor

Kersten Flenter: „Erklärt Stroganow“, Kolumensammlung, 200 Seiten, argus print media Verlag, ISBN-13: 978-3981487008, 10 Euro

„Seitenansicht“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.

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Kategorien: Literatur

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