Susanne Viktoria Haupt
13. März 2012

„Meine Arbeiten sind mir nach wie vor echte Anliegen“

Emmanuelle Tanaïs Aupest eröffnet am 30. März beim Kulturkiosk von langeleine.de ihre Ausstellung „Querbeet“. Zeit, der Wahl-Hannoveranerin ein paar Fragen zu stellen

Sorgte auch schon anderswo für Begeisterung mit ihren Werken: Emmanuelle Tanaïs Aupest vor einem ihrer Ausstellungsplakate

langeleine.de: Emmanuelle, Du hast eigentlich Architektur studiert. Wie bist Du dann zur Bildenden Kunst gekommen?

Emmanuelle Tanaïs Aupest: Ich war auf dem Gymnasium in Le Havre, das einen Zweig mit Schwerpunkt auf Kunst, Philosophie und Literatur angeboten hat. Nach meinem Abitur habe ich mich zunächst an der Kunst-Universität von Rennes eingeschrieben, mich dann aber zu Gunsten der Architektur entschieden. Ich bin also zur Bildenden Kunst zurückgekommen.

ll: Hat das Architektur-Studium Deine Sicht in Sachen Kunst geändert und beeinflussen sich die Bereiche gegenseitig?

Aupest: Auf jeden Fall. Im Alter von 17 Jahren lernte ich das Werk von Egon Schiele kennen und war absolut hin und weg von seinem vibrierenden, äußerst emotional aufgeladenen Strich. Gleichzeitig war ich umgeben von der Architektur von August Perret, der Le Havre nach dem Krieg mit großen Achsen, sehr klarem Volumen und jeder Menge Beton neu modelliert hat. In beiden ästhetischen Welten fühlte ich mich zu Hause. Die Überlagerung, Konzentration und Interaktion verschiedener Systeme im Städtischen Raum, das ist das Haupt-Anliegen in vielen meiner Bilder.

Von der Einsamkeit des urbanen Lebens: Motiv aus der Serie „Tageschaos“

ll: Manche Deiner Bilder formst Du zu Geschichten oder Comics, und Du veranstaltest auch Lesungen. Wie wichtig ist es Dir, verschiedene Kunstformen miteinander zu verbinden?

Aupest: Fotografie und Zeichnung sind zwei Mittel, die ich gern kombiniere, um zum Beispiel Weite und Intimität auszudrücken. Meistens fange ich an und schaue, wo es mich hinführt. So zum Beispiel mit meiner Arbeit „Tageschaos“, die ein fortwährendes Experiment ist. Anfangs wusste ich nur, dass ich Bilder mit Texten kombinieren will, um dem, was mir nur schemenhaft vorschwebte, eine Form zu geben. Weil es für mich nahe liegend war, hatte ich einen Comic und eine Grahic Novel im Hinterkopf. Mittlerweile schätze ich Bühnenaufführungen sehr, weil sie die Freiheit und den Raum für Veränderungen bieten. Ich kann Inhalte entfernen oder hinzufügen, je nachdem, welches mein Anliegen ist. Im Moment wird die Lesung und Projektion musikalisch von einem Cello und einer Gitarre sehr schön begleitet, eine Sound-Collage wäre aber auch sehr interessant. Oder ein interaktives Bühnenbild. Mal sehen, wo die Arbeit mich noch hinführt…

ll: Seit dem Architektur-Studium wohnst Du nun in Hannover. Vermisst Du Dein Heimatland Frankreich? Und welche Einflüsse hat es auf Deine Arbeiten?

Aupest: Hannover hat sich aus familiären Gründen ergeben und wird deshalb so lange wie nötig nicht in Frage gestellt. Sonst genieße ich die reichhaltige Palette an Grautönen.

Aupests Arbeiten vereinen verschiedene künstlerische Stilrichtungen und Blickwinkel: Bildfolge aus der Serie „Tageschaos“

ll: Welche Wege möchtest Du mit der Kunst noch gehen und welchen Herausforderungen würdest Du dich gerne diesbezüglich stellen?

Aupest: Auch da weiß ich nicht vorher, wohin die Reise geht. Das Schlimmste wäre, dass ich mich unterwegs verliere und nur noch irgendetwas in der Hoffnung mache, dass es sich verkauft. Das Beste ist: Meine Arbeiten sind mir nach wie vor echte Anliegen! Und noch besser wäre es, wenn ich davon leben könnte…

ll: Was erwartest Du vom Kulturkiosk und was darf das geneigte Publikum von Deiner Ausstellung erwarten?

Ich wünsche mir, dass der Kreis der an meiner Arbeit Interessierten sich erweitert. Die kommende Ausstellung „Querbeet“ zeigt Bilder aus verschiedenen Zeiten und Serien und ermöglicht somit einen Gesamteinblick in meine bisherige Arbeit.

ll: Vielen Dank Emmanuelle!

Nicht verpassen:

Am Freitag, dem 30. März, zeigt Emmanuelle Tanaïs Aupest beim Kulturkiosk von langeleine.de digitale Collagen, Graphic Novel und Comic Art. Ihre Ausstellung ist noch bis zum 20. Mai im Café Siesta im Kulturzentrum Faust zu sehen.

(Fotos: Pressefoto (1), Emmanuelle Tanaïs Aupest (2,3))

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Kategorien: Kunst, Menschen

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