Susanne Viktoria Haupt
19. März 2012

Von der Bühne ins Buch

Seitenansicht: „Über Wachen und Schlafen“ vom Leserkollektiv „Die Lesedüne“

Ein „Manifest des systemrelevanten Humors“: die Anthologie „Über Wachen und Schlafen“, Buchcover

„Die Lesedüne“ ist ein Leserkollektiv, bestehend aus Mark-Uwe Kling, Sebastian Lehmann, Maik Martschinkowsky, Julius Fischer und dem Ehrenmitglied Kolja Reichert aus Berlin. Mark-Uwe Kling kennen die meisten sicherlich durch seine „Känguruh-Chroniken“, in denen sein Protagonist mit einem kiffenden, anarchischen Känguruh zusammenlebt und allerhand Lustiges erlebt. Aber auch Julius Fischer ist alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Mit The Fuck Hornisschen Orchestra, einem Poetry- und Musik-Duo mit Christian Meyer, tourt er nicht nur durch den deutschsprachigen europäischen Raum, sondern ist regelmäßig zu Gast bei Formaten wie der Comedy-Show „Nightwash“, dem „Quatsch Comedy Club“ oder bei Karl Dall im NDR. Aber auch Sebastian Lehmann, Maik Martschinkowsky und Kolja Reichert sind bekannte Größen aus der deutschen Poetry Slam-Szene, deren Kreise inzwischen epische Ausmaße annehmen. Sie alle gemeinsam beherrschen mit ihrer gleichermaßen als Leserkollektiv wie auch als Lesebühne fungierenden Gruppe Die Lesedüne die Berliner Live-Literatur-Szene und finden sich regelmäßig zusammen, um ihre neuen Texte dem Publikum zu präsentieren. Mal mit Lese-Gast, mal mit Musik, aber immer mit systemrelevanten Humor, darauf bestehen sie. Um die Texte auch denen zu präsentieren, die nicht nach Berlin an ihre Lieblingsspielstätte „Südblock“ kommen können oder ihre anderen Auftritte bisher verpasst haben, hat das Quintett nun die Anthologie „Über Wachen und Schlafen“ herausgebracht.

Herausgekommen ist eine vielseitige literarische Sammlung, die in dem in Live-Poetry-Texten versierten Verlag Voland & Quist erschienen ist – gespickt mit Klassikern aus den „Känguruh-Chroniken“, Anleitungen zum richtigen Erwerb von Bildung oder aber auch literarischen Besuchen in verschiedenen Sub-Kulturen, die urkomisch aufbereitet wurden. Von besonderem Reiz ist ist die Spannbreite innerhalb der Anthologie, denn sowohl vor allem humorvolle Storys als auch politische und sozialkritische Texte werden zum Besten gegeben. Dank der beiliegenden CD bekommen die Leser nicht nur 160 Seiten zum Lesen geboten, sondern auch auditiv ausgelöste Lachanfälle, wenn die Herren des Leserkollektivs gemeinschaftlich ihre Texte lesen und diese teilwiese auch musikalisch untermalen. Egal ob zu den Themen Überwachung, Schwangerschaft, Kannibalismus, Studium, Jugend-Kultur, Autoren als Werbeträger, Terror oder Freiheit: Die Lesedüne hat mit „Über Wachen und Schlafen“ genau das vorgelegt, was angekündigt ist: Ein Manifest des systemrelevanten Humors. Da bleibt kein Auge trocken, auch nicht das auf dem Buchcover.

Die Lesedüne: „Über Wachen und Schlafen“, Anthologie mit CD, 160 Seiten, Voland & Quist, ISBN-13: 978-3863910136, 14,90 Euro

„Seitenansicht“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.

Logo Decius

Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed!

Artikel drucken

Kategorien: Literatur

Kommentiere diesen Artikel