Kathrin Tegtmeier
20. Oktober 2006

Erfolg als Ansichtssache

Über Lesungen, Drogen und das Fliegen: Ein Gespräch mit dem hannoverschen Autoren Peter Märtens

„Ich finde es furchtbar, im Sommer in der Stadt zu leben. Dann muss ich raus in die Natur“, sagt Peter Märtens. Darum wohnt der 40-jährige Autor seit rund drei Jahren im Sommer in einer Gartenlaube an den Ricklinger Kiesteichen und im Winter in einer Wohnung in Linden. Und so wie Blätter an den Baum gehören, so gehören Drogen zum Leben von Peter Märtens – als erstklassiger Stoff für Geschichten. Denn hauptberuflich ist er als Drogenberater tätig. Dennoch geht es in seinen Stories natürlich nicht ausschließlich um Drogen. Vielmehr widmet sich Märtens immer wieder gerne auch gesellschaftspolitischen Themen. Eines allerdings haben alle schriftstellerischen Äußerungen des Hannoveraners gemeinsam: Sie zeichnen sich durch eine lakonisch-subtile Komik aus.

Peter Märtens auf dem langeleine-Sofa

Blickt auf das Wesentliche: Peter Märtens

Durch Ecstasy auf die Lesebühne

Seit rund einem Jahr schreibt Peter Märtens regelmäßig. Seitdem ist er auch immer häufiger auf Lesungen in Hannover vertreten: „Ich wundere mich, dass mich Leute ansprechen und zu ihren Lesungen einladen. Ich sehe mich gar nicht als Literaten“, sagt der Autor bescheiden. „Ich bin Drogenberater, Vater und Flieger.“ Seit 1994 arbeitet der studierte Sozialpädagoge in einer Jugend- und Drogenberatungsstelle in der Prävention. Durch diese Arbeit kam er auch mit dem Schreiben in Berührung. „Ich habe ein Ecstasy-Testverfahren entwickelt und über dieses Verfahren habe ich Artikel in diversen Fachbüchern veröffentlicht“, erzählt Märtens. „Irgendwann war ich diesen trockenen Ton überdrüssig und habe dann in der Umgangssprache geschrieben“. Parallel dazu hat er, ganz klassisch, Tagebuch geführt. „Das war mir aber zu langweilig. Ich habe mich dabei ertappt, dass ich nach drei Zeilen angefangen habe, mir Geschichten zusammenzuspinnen“, gesteht der Jungautor. Und so fing es wohl an.

Peter Märtens - Pressefoto

Seine Flausen im Kopf werden zur Literatur

Von Sommerregen und Backwaren

An eine Veröffentlichung hat der Hannoveraner jedoch bis dahin nie gedacht. Bis er sich erkundigte, wo es denn Möglichkeiten geben würde, Geschichten vorzutragen. Nachdem Märtens spontan bei einem Poetry-Slam teilgenommen hatte, folgte die erste Einladung zu einer Lesung. Und so musste er plötzlich durchstarten und ein ganzes Abendprogramm füllen. Zumal es ja „nicht gut ist, wenn man zu einer Lesung eingeladen wird und nur einen Text parat hat“, sagt der sympathische Literat grinsend. Seitdem ist Märtens in vielen Textgenres zu Hause.

Manchmal, wenn er sich in der Gesellschaft nicht wohl fühlt, schreibt er über politische Themen. Und manchmal schreibt er schlicht und einfach über das, was ihn gerade stört. Das kann ein verregneter Sommer sein oder die Tasache, dass sich in einer Bäckerei komischerweise niemand über die Bezeichnung „Berliner“ oder „Amerikaner“ aufregt. Kurzum erfand Märtens die Backware „den Türken“, um für Gleichberechtigung zu sorgen. In seinen Texten sorgt Märtens zum Einstieg gerne für Verwirrung. Doch da Märtens ein äußerst begabter Beobachter ist, entwirren sich seine Geschichten Schritt für Schritt bis zur erneut überraschenden Schlusspointe.

Peter Märtens im Gespräch mit langeleine.de

Peter Märtens: Klarer Denker und Schelm in einer Person

Subtiler Humor und pointierte Stories

Egal zu welchem Thema Peter Märtens gerade liest, live auf der Bühne regt er stets zum Schmunzeln an. Zum einen durch seinen ausgefallen subtilen Humor und seine schnoddrige Vortragsweise, zum anderen aber auch durch seine Stimme. Denn auch, wenn der Autor diesen Vergleich nicht gerne hört, so erinnert sie unüberhörbar an Helge Schneider. Doch während sich Märtens in seinen Anfangstagen mit seinen Texten regelrecht „ausgekätzt“ und satirisch ereifert hat, ist er mittlerweile ernster und ruhiger geworden und mit seinen Geschichten in Hannover längst ein Geheimtipp. Vielleicht macht es den Reiz seiner pointierten Stories aus, das literarischer Erfolg nicht alles bedeutet für den Vater eines siebenjährigen Sohnes.

Peter Märtens liest, September 2005

Ganz vorne am Dichterpult: Peter Märtens

Neben seinem Beruf als Drogenberater greift der gelernte Gärtner mit einem extravaganten Hobby nach den Sternen: Seine große Leidenschaft gilt dem Gleitschirmfliegen. Das verschafft ihm einen gewissen Nervenkitzel und lässt sich außerdem trefflich mit ausgiebigen Reisen verbinden. Märtens geht oft ungewöhnliche Wege. Gerne auch in ferne Länder. So hat er beispielsweise vor 20 Jahren für ein Jahr als Gärtner in Israel gearbeitet und Orangen geerntet, weil es ihm zu blöd war, in deutschen Gärtnereien bis ans Ende seiner Tage „Blumen im Akkord einzupflanzen.“ Peter Märtens ist und bleibt einfach unkonventionell: auf der Bühne, im Leben und in der Luft.

Nicht verpassen:

Peter Märtens ist am 10. November zu Gast im KULTURKIOSK von langeleine.de. Der 40-Jährige bringt seine besten Kurzgeschichten mit. Hintergründig und humorvoll.

reinhören:
Peter Märtens – Hörprobe (MP3, 1:16 min.)

(Fotos: Jörg Smotlacha (3), Pressefoto (1))

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Kategorien: Literatur, Menschen

Ein Kommentar

  1. Heiko sagt:

    Unsere „Muschi“ ist der Geilste !

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