Henning Chadde
22. März 2012

„Am meisten schlägt mein Herz für eine mild nussige Cohiba aus dem Humidor“

Dortmunder Schule meets Kioskkultur: Die Indie-Rocker blomqist zu Gast beim Kulturkiosk. Sieben Fragen an den Frontmann Grobilyn Marlowe

Fesch, dynamisch, gutaussehend, Dortmund: blomqist

langeleine: Nach ausgedehnten Touren in der Haut des ostostekischen Zauberkünstlers Kotelett Schabowski bist Du nun wieder mit Deiner alten Band blomqist unterwegs. Ein Neuanfang?

Grobilyn Marlowe: Die Band blomqist wurde tatsächlich neu gestartet. Wir haben eine ganze Zeit unschuldige Bassisten verschlissen, notdürftig Instrumente getauscht und Küchenproben veranstaltet. Bis dann unser extremkletternder Jungspund Jörg kam, und wir dachten: „Jemand, der sich täglich von Berufs wegen in hundert Meter tiefe Schlacke-Öfen abseilt und immer noch so erfrischend unverständliche Teenager-Witze erzählt, ist wahrscheinlich der Richtige für uns.“ Und tatsächlich nahm die Maschine direkt wieder Kurs auf.

ll: Schriftsteller, Musiker, Zauberkünstler, Journalist, Kulturveranstalter, Moderator und Lebemann – fast scheint es so, als gäbe es im Kreativ-Universum von Grobilyn Marlowe nichts, was es nicht gibt. Woher rührt diese umtriebige Multitasking-Fähigkeit und wofür schlägt Dein Herz am meisten?

Marlowe: Nach jahrelanger Knechtschaft in der westfälischen Kettenkarussellbremser-Branche waren die anderen Tätigkeiten eine willkommene Abwechslung. Jetzt kann ich bequem hin und her springen. Aber am meisten schlägt mein Herz für eine mild nussige Cohiba aus dem Humidor, wenn ich im Schoße meiner Lieben am DVD-Kaminfeuer ein gutes Zombie-Buch lesen kann.

Niedlich?

ll: Als Begründer der „Dortmunder Schule“ habt Ihr mit blomqist dem deutschen Indie-Rock-Genre bereits vor etlichen Jahren Euren ganz eigenen Stempel aufgedrückt. Wo geht die Reise im Jahre 2012 hin?

Marlowe: Bei blomqist haben in den letzten zwölf Jahren bestimmt 15 verschiedene Leute mitgespielt, die alle auch noch in den verschiedensten Sparten aktiv waren: Northern Soul, Noise Rock, Indie, Liedermacher-Zeugs und so weiter. Wir hatten immer ein recht offenes musikalisches Universum und teilweise bis zu drei Songwriter, die alle ihren Stil eingebracht haben. Schnittstelle waren die deutschen Texte und der Gitarren-Humor. Beides haben wir natürlich behalten, jetzt arbeiten wir als Quartett aber mit klar verteilten Rollen und haben so, wie ich finde, einen viel identifizierbaren und stringenteren blomqist-Stil geschaffen.

ll: Ihr sitzt gerade an den Aufnahmen zu Eurem dritten Album. Wie läuft der Schaffensprozess und wann ist mit dem guten Werk zu rechnen?

Marlowe: Da wir gerade erst mit dem Studio angefangen haben, vielleicht im Herbst. Aber mit Jan Koray ist schon mal ein Produzent an Bord, der zum Beispiel bei den Scheiben von Monocular und den Aerobaetics für einen optimalen Sound gesorgt hat. Hörts Euch im Netz an!

ll: Du zeichnest ja bei blomqist auch für die mehr als doppelbödigen und sympathisch verschrobenen Texte verantwortlich. Woher nimmst Du die Inspiration für Deine außergewöhnlichen Blickwinkel?

Marlowe: Tja, das ist manchmal wirklich seltsam. Den Text von „Teile des Ganzen“ habe ich zum Beispiel Wochen vor der Love-Parade-Katastrophe geschrieben und mich selber die ganze Zeit gefragt, wovon genau der denn eigentlich handelt. Ein paar Monate später habe ich dann inhaltlich plötzlich derbe Parallelen gesehen. Wobei das jetzt nicht esoterisch klingen soll. Es ist halt immer eine Frage der Interpretation. Und Spielraum muss sein. Manche Texte kommen halt so, an anderen wird schwer gedengelt.

…aber kaputt!

ll: blomqist bedeuten für Dich…

Marlowe: Das Angenehme mit dem Rockigen zu verbinden.

ll: Der Kulturkiosk ist unbedingt einen Besuch wert, weil blomqist was machen werden?

Marlowe: Wir werden unser Bestes geben. Das könnt ihr dann hinterher am Bierkonsum des Publikums bemessen. Bisher waren die Gastronomen immer sehr zufrieden mit uns.

Nicht verpassen:

blomqist spielen am Freitag, dem 30. März, beim Kulturkiosk von langeleine.de. So schön kann die Dortmunder Schule sein…

(Fotos: Pressefotos)

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Kategorien: Menschen, Musik

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