Henning Chadde
29. März 2012

„Inspiration ist ein mürrischer Esel“

Von Braunschweig nach Hannover und von dort aus in die Welt: der Poetry Slammer und Lesebühnen-Autor Daniel Terek beim Kulturkiosk. Ein Interview

Auf der Live-Bühne zu Hause: Daniel Terek

langeleine.de: Daniel, als Exil-Braunschweiger bist Du seit gut drei Jahren in Hannover, der Perle an der Leine, zu Hause. Wie schmeckt Dir die Großstadt-Luft, und was schätzt Du am Venedig des Nordens besonders?

Daniel Terek: Ursprünglich aus der Nähe von Peine kommend, war ich ja schon immer Wandler zwischen den Welten, allerdings mit Schwerpunkt Braunschweig. Hannover als solches hat mich mit offenen Armen empfangen. Ich schätze neben dem vielfältigen Bespaßungs-Angebot besonders das familiäre Flair, das beim Flanieren in der Stadt spürbar ist. Ob beim Lustwandeln über den E-Damm, vorbei an Kaffeehäusern und Fressbuden, oder beim Limmern – man trifft immer eine nette Seele, die Zeit für ein Schwätzchen hat. Darum geht mein Dank an den Herren Löwen, dass er diesem Fleckchen 1160 das Stadtrecht verliehen hat.

ll: Als Live-Poet und Literat gehörst Du zu den Urgesteinen der norddeutschen Poetry-Szene. Wie bist Du zur Literatur und zur Bühne gekommen?

Terek: Ich hab schon recht früh damit angefangen, vor mich hinzufabulieren, was dann zwangsläufig ein paar Freunde mitbekamen. Einer davon war damals Mitbewohner von Patrick Schmitz, der den Braunschweiger Poetry Slam veranstaltet. Meine Kumpels haben mich anschließend einfach dort angemeldet. Einmal Bühnenluft geschnuppert, gab es kein Zurück mehr. Hinzu kam, dass mich der visionäre Nachkriegs-Dichter Axel Klingenberg aus dem Stand für seine neu entstehende Lesebühne „Bumsdorfer Gerüchteküche“ gecastet und der Braunschweiger Kultur-Mäzen und Verleger Andreas Reiffer für sein neues Buchprojekt „The Punchliner“ umworben hat.

„Einmal Bühnenluft geschnuppert gab es kein Zurück mehr“: Daniel Terek

ll: Du giltst als Meister der so kruden wie halsbrecherischen, aber stets unerschrockenen Kurzgeschichte. Wie kommst Du zu Deinen Themen und was inspiriert Dich?

Terek: Inspiration ist ein mürrischer Esel, der auch gerne mal bockt, wenn man ihn braucht oder eben mitten auf einem Berg-Pass losspurtet. Tatsächlich weiß ich nicht genau, wo die Ideen herkommen. Sie liegen wahrscheinlich auf der Straße oder im Fernsehen.

ll: In Deiner 2010 im Verlag Andreas Reiffer erschienenen Kurzgeschichten-Sammlung „Der Weltenmampfer“ hast Du Dich unter anderem an die erste unautorisierte Helmut Kohl-Autobiografie gewagt. Gab es Anmerkungen oder Feedback von der pfälzischen Ober-Birne?

Terek: Wir haben ein sehr schwieriges Verhältnis. Ich nenne ihn liebevoll „Mein Kanzler“, und er kennt mich gar nicht. Außerdem musste ich, um mich nicht der Urheberrechts-Verletzung strafbar zu machen, meine Kurzgeschichten so verfremden, dass es niemandem Pfälzer-Saumagen-Schmerzen bereitet. Aber der Kenner merkt im Subtext natürlich sofort, dass es sich bei den Geschichten nur um verträumte Gesichts-Mortadella, aristokratische Jugendkulturen und Schnurrbart-Lyrik, also um die Lebens-Episoden des Überkanzlers, handeln kann.

ll: Wo siehst Du Dich als Schriftsteller in zehn Jahren?

Terek: In meiner Kemenate sitzend, mit einem gezückten Federkiel auf die Tastatur meines Laptops hackend oder auf der Bühne das Genre des Limericks wiederbelebend. Aber, wer weiß das schon, ich wäre ein schlechter Gast auf diesem Planeten, wenn ich Gevatter Zeit die Überraschung, die er für mich bereithält, verderben würde.

Irgendwann mal Limmericks? Daniel Terek lässt sich von der Zukunft überraschen

ll: Man sollte unbedingt Deine Lesung beim Kulturkiosk besuchen, weil…

Terek: …das Fernsehprogramm freitags eh nicht so besonders ist. Außerdem erwartet den geneigten Zuschauer ein literarischer Husarenritt aus Clownerie, halsbrecherischen Tanzeinlagen und ein Potpourri der schönsten Rock-Posen Süd-Ost-Niedersachsens. Ich werde mir das ganz bestimmt angucken!

ll: So soll es sein. Wir danken für das Gespräch.

Nicht verpassen:

Daniel Terek tritt am Freitag, dem 30. März, beim Kulturkiosk von langeleine.de auf und präsentiert dabei die ein oder andere lyrische Tanzeinlage.

(Fotos: Susanne Haupt (1), Pressefotos (2,3))

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Kategorien: Literatur, Menschen

Ein Kommentar

  1. Pottzblitz sagt:

    …och schade, verpasst. Daniels Texte sind absolut großartig…..

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