Henning Chadde
9. April 2012

Simply Kuersche

Das Verhör: „You Can Use A Man With These Nerves“ von Kuersche

Pop-Appeal mit einer großen Portion Happyness und einem Schuss Melancholie und Alltags-Dramatik: „You Can Use A Man With These Nerves“, CD-Cover

Kuersche hat es wieder getan. Und vermutlich wird er es auch bis ans Ende seiner Tage mit der Verlässlichkeit eines singer-/songwritenden Uhrwerkes immer wieder tun: eine neue Platte veröffentlichen. Die hannoversche „One-Man-Band“ par excellence ist und bleibt einfach unermüdlich und vor allem unbeirrbar. Getreu dem guten alten Motto „Never change a winning team“ heißt es nun dem sympathischen Tausendsassa in die musikalischen Wunderwelten von „You Can Use A Man With These Nerves“ zu folgen. Und fürwahr, der Titel dürfte durchaus programmatisch gemeint sein – denn diese Nerven muss man erst einmal haben. Ein Schelm, wer jetzt Böses dabei denkt. Nein, Kuersche hat einfach seit einem guten gefühlten Kreativ-Jahrhundert konstant die künstlerischen Nerven behalten und einfach immer weiter gemacht. Auf unendlichen Touren, beim Schreiben unendlich vieler neuer Songs und beim unermüdlichen Ausbaldowern unendlich vieler neuer Ideen. Catchy ist er dabei immer geblieben.

So ist Kuersche auch auf seinem neuen Album ganz der Alte. Stets umflort von einem aufbauenden Augenzwinkern, einer hymnenhaften Portion Happyness und einer gediegenen Prise süßlicher Melancholie. Verwurzelt im Hier und Jetzt und doch irgendwie vom Fernweh geritten. Klarer Fall: Auch auf „You Can Use A Man With These Nerves“ bekommen die geneigten Hörer das geboten, was sie erwarten konnten und lieben: Kuersche. In all seinen bewährten Facetten und Vielschichtigkeiten. Angereichert mit dezentem Band-Kontext, elektronischen Verspielt- und Verträumtheiten und textlichen Bauchpassagen mitten aus dem Beziehungs-, Durchhalte- und urbanen Beobachtungs-Leben. Knackig verpackt in zumeist wohltuend kurze Songs, die stets auf den Melodie-Punkt zu kommen wissen und nicht zuletzt durch diese Reduzierung durchaus im Ohr hängen bleiben. Nachzuhören beispielsweise auf dem Smasher „Bill Gates“, dem Opener „Go On“ und dem quirligen „I Know You Know“. Dieser Mann weiß einfach, was er tut und wie er seine Effekte zu setzen hat. Sparsam und ergreifend. Bewusst und doch einladend. Bemerkenswert. Nicht zuletzt schafft es Kuersche mit dieser Bodenstädigkeit wie kein Zweiter, über alle Szene-Grenzen hinweg seine Fans zu begeistern und in den Arm zu nehem – vom Punk über die Supermarkt-Kassierein, die Friseuse, den Bankangestellten, den Indie-Nerd und die Studentin bis hin zum Manager und zum Langzeit-Zweifler. Kuersche ist einfach einer für alle. Und das ist wiederum absolut nicht böse gemeint. Im Gegenteil: Kuersche ist einer von ihnen. Einer mitten aus dem Leben. Sympathisch. Und ehrlich. Denn mehr Gold hat er nicht. Ein Guthaben, von dem sich so mancher musikalische Mitbewerber durchaus eine Scheibe abschneiden könnte. Kuersche selber würde bei dieser Äußerung vermutlich einfach nur mit den Schultern zucken und sagen: „So what? So bin ich eben.“ Kuersche halt.

Kuersche: „You Can Use A Man With These Nerves“, CD, 10 Songs, 32:03 min., Peppermintpark (Edel)

Am 21. April lädt Kuersche im Kulturzentrum Faust zum großen „You Can Use A Man With These Nerves“-Release-Konzert.

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Kategorien: Musik

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