Susanne Haupt
16. April 2012

Berauschende Worte

Seitenansicht: “Buch oder Bier?” von Henning Chadde und Jörg Smotlacha (Hrsg.)

Egal, ob Buch oder Bier – beides lässt sich sehr gut konsumieren

Bereits im dritten Jahr in Folge hat langeleine.de – das Online-Journal für Hannover in Kooperation mit der Buchhandlung Decius einen Poetry Slam zum Welttag des Buches und des Bieres unter dem Motto “Buch oder Bier?” veranstaltet. Und auch diesmal standen sich wieder zwei Teams gegenüber, um das Publikum entscheiden zu lassen, ob das geschriebene Wort oder das Hefegetränk die Schlacht gewinnen wird. Durch den großen Erfolg der Veranstaltungen und der originellen Textbeiträge in den letzten Jahren war es nahezu eine Notwendigkeit, eine Anthologie auf den Markt zu bringen. Herausgekommen ist eine kurzweilige Sammlung, die es den Lesern einmal mehr schwierig macht, sich auf die Seite eines der Teams zu schlagen. Denn es handeln nicht alle Texte strikt nur von einem Thema, sondern viele schlagen auch eine Brücke zwischen Geist und Geistigem, sind mal politisch, mal amüsant, nachdenklich oder poetisch. Eines sind sie aber alle: um kein Wort verlegen.

Jan Egge Sedelies beschreibt in seiner Geschichte “Schreibtischtäter” den Vorgang der Guerilla-Bücherverteilung und erzählt, wie die Massen zum Lesen und Formulieren zu bringen sind. Dominik Bartels, nicht nur Poet, sondern auch Verleger beim verantwortlichen Blaulicht-Verlag, nimmt sich in seinem Text “Deutsch ist nicht romantisch” höchst amüsant die Welt der deutschen Artikel vor und münzt sie auf herrschende Geschlechterverhältnisse. Alex Meyer, amtierender Deutscher U20-Poetry-Slam-Meister, geht seinen ersten eigenen literarischen Erfahrungen auf den Grund und Boden und Tobias Kunze der Trunksucht mit seinem Alter Ego Hoserich. Tiefe Poesie erfährt der Leser bei Pauline Füg, die mit “Stockwerk III; Meer” sensibel und melancholisch Liebe und Schreiben zusammenbringt, um dann mit ihrer Lyrik “justus jonas liebesgedicht” ihre erste große Liebe zu ehren. Hannovers Stimmröhre Christian Friedrich Sölter hingegen haut für das Bier und Buch gleichermaßen auf den Tisch. In seinen Texten nimmt er sowohl den Schützenumzug aufs Korn als auch die renommierte Verlags- und Schriftstellerszene. Johannes Weigel wiederum lässt die eigene Kindheit Revue passieren, während Peter Märtens sich erst der Vergangenheit in Form der Bücherverbrennung widmet, um sich dann schließlich äußerst skurril dem E-Book anzunehmen.

Das Inhaltsverzeichnis der schmucken Anthologie liest sich wie das Who is Who der hannoverschen Poetry Slam-Szene. Neben den oben genannten Poeten sind außerdem mit dabei: Robert Kayser, Daniel Terek, Rikje Stanze, Kersten Flenter und Nils Elias Molle. 33 Texte, die unterschiedlicher nicht sein könnten, herausgegeben vom Dreamteam der langeleine.de-Urväter Henning Chadde und Jörg Smotlacha. Nicht nur für Buch-Freaks oder Bier-Fans, sondern für alle, welche die geballte Hannover-Slam-Szene mal in einem Werk versammelt wissen und sich von deren Vielseitigkeit anstecken lassen möchten.

Henning Chadde und Jörg Smotlacha (Hrsg.): “Buch oder Bier?”, Anthologie, 172 Seiten, Blaulicht-Verlag, ISBN: 978-3941552166, 12,90 Euro

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Kategorien: Literatur

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