Barbara Mürdter
2. November 2006

Die Beach Boys von der Leine

Durch die Musikgeschichte und zurück – ein Gespräch mit der hannoverschen Band Belmondo Beat

Ein Eintopf kann ein lieblos zusammengerührter Pamps sein, uninspiriert, ein Reste-Essen. Richtig gemacht aber auch eine Delikatesse. Und so geschehen bei Belmondo Beat. Denn die Musiker bringen erlesene Zutaten zusammen: Den Beat und die Psychedelic-Musik der 60er verrühren sie auf delikateste Weise mit dem Indie-Pop der „Shoegazer“-Szene der 80er- und 90er-Jahre. Dazu gibt es eine Prise Glam-Rock und abschließend wird alles mit einem Schuss Punk abgeschmeckt.

Belmondo Beat bei langeleine

Belmondo Jean Coppong haut in die Tasten

Helden der Filmgeschichte

Der Sänger und Gitarrist Jan Müller hatte den Drummer Ralf Claussen nach einer Plattenbörse getroffen. Man trank ein paar Gläschen Rotwein und begann zu fachsimpeln. Dabei entdeckten die beiden eine gemeinsame Liebe für die Musik der Beach Boys und der Beatles, aber auch für T-Rex, My Bloody Valentine und Pulp.

Ende 2004 formierte sich dann der Kern von Belmondo Beat: Zu den beiden Jungs gesellte sich noch Claussens Partnerin Gaby Gleue an der Gitarre. „Auf den Namen ‚Belmondo Beat‘ kamen wir, als wir ein Filmposter von ‚Außer Atem‘ auf dem Balkon einer Freundin sahen. Belmondo fanden wir irgendwie alle cool“, erzählt Jan. Aber so richtig mag man sich dennoch nicht festlegen: „Ich finde Marlon Brando besser“, wirft Gleue ein. „…und ich Hans Moser“, meint Claussen. Hauptsache cool also. Mehr oder weniger jedenfalls.

Jan Müller und Ralf Claussen in Aktion

Jan Müller und Ralf Claussen fachsimpeln bei einem guten Gläschen

Belmondo Beat möchte sich musikalisch dezidiert abgrenzen – und zwar gegen die vermeintlich „authentische“ Mucker-Szene, den „schweißgebadeten ehrlichen“ Rocker: „Das ist nicht unser Ding“, sagt Claussen. „Wir wollen die Do-It-Yourself-Attitüde von Punk mit ausgefeiltem Songwriting à la Beach Boys verknüpfen“, erklärt Jan Müller.

Jetzt und hier reinhören:

Belmondo Beat: „Death of a dancer“ (mp3, 3:37 min.)

Musik als Lebensinhalt

Die Bandmitglieder, deren Alterspektrum von Mitte 20 bis 50 reicht, können auf eine lange musikalische Karriere zurückblicken. Gaby Gleues erste Band war zum Beispiel eine Girlgroup namens „Blue Ornaments“: „Das war so richtig mit Hochfrisuren, Stöckelschuhen und Minikleidern“, erinnert sich die Musikerin. Auf die Nachfrage, wie lange das her sei, antwortet sie mit einem Lächeln „sehr lange“. Wie bei den anderen Bandkollegen folgten verschiedene Combos mit unterschiedlicher musikalischer Ausrichtung. Als Gleue einmal bei einer Bandprobe Gitarre vorspielen sollte, zog sie extra einen Freund aus Hamburg zu Rate. „Der sollte mir an einem Wochenende das Spielen beibringen. Dabei ist er verzweifelt und riet mir, meine Hand zu verbinden, um einen Unfall vorzutäuschen“.

Gaby macht Musik...

Gaby Gleue grooved auch ohne Instrument

Von der Nordseeküste ins Leben

Ihren heutigen Lebenspartner lernte Gaby Gleue – wie nicht anders zu erwarten war – auch über die Musik kennen. „Damals haben wir einen Drummer gesucht und keiner hat uns gefallen. Als 18. Kandidat kam dann Ralf.“ Ralf Claussen hatte sein Handwerk an der Nordseeküste gelernt – in der Garage seiner Eltern hatte er begonnen, Schlagzeug zu spielen: „Da oben war es so öde, dass man nur die Wahl hatte, Musik zu machen oder zu verblöden“, erzählt Claussen. Später veröffentlichte er im Eigenverlag ein paar vertrackte Alben unter Bandnamen wie „White Cow“ oder „Green Windows“.

Dies rief wiederum „Band-Küken“ Jan Müller auf den Plan, der so auf Claussen aufmerksam wurde. Müller stammte aus Karlsruhe und war als Saxophonist in einem Spielmannszug zur Musik gekommen. Als in seiner ersten Band der Sänger und Bassist ausfiel, übernahm Müller dessen Rolle, genauso spontan wechselte er dann zur Gitarre. Mit der Band „Miyuki“ erspielte er sich später ein wenig lokalen Ruhm. Dort lernte Müller auch Jean Coppong kennen, der heute Keyboarder bei Belmondo Beat ist.

Belmondo Beat startet durch

Inzwischen ist Belmondo Beat auf sechs Musiker plus Gast gewachsen: Neben Coppong kamen in diesem Jahr Gitarrist Niklas Pfeil und Bassist Daniel Reinke dazu, die mit ihren musikalischen Erfahrungen und Vorlieben den Sound der Band weiter bereichern. Aber es sind die drei von der Kerntruppe, welche die Mehrzahl der Songs gemeinsam schreibt. Die Texte, die sich zumeist mit Alltagsthemen beschäftigen, kommen von Müller und vor allem von Gleue, die auch musikalisch die „psychedelische Grundlage“ liefert, auf denen die Songs aufbauen.

Belmondo Beat rocken

Fast wie die Beach Boys – Belmondo Beat im Konzert

2005 stand Belmondo Beat zum ersten Mal live vor Publikum – seitdem wurden sie in Hannover vielerorts gefeiert: in der Glocksee, im Kulturpalast und in der Faust. Und auch auf ein Festival im Osten der Republik waren sie eingeladen – auf das „Mondfahrertreffen“ in Mecklenburg-Vorpommern. 2005 folgte die erste EP – aufgenommen in Claussens Wohnzimmer. Da sogar das Cover von den Musikern selbst gebastelt wurde, kann sich jeder glücklich schätzen, der im Besitz des Kleinods ist. In diesem Monat soll eine neue EP erscheinen – mit selbstgeschrieben Weihnachtsliedern. Dass kein Song klingt wie „O Tannebaum“, versichern die Musiker einhellig.

Nicht verpassen:

Am 10. November spielt Belmondo Beat im KULTURKIOSK von langeleine.de. Die Senkrechtstarter präsentieren ihre besten alten und nagelneuen Songs – irgendwo zwischen Britpop, Glam-Rock und Disco-Punk.

mehr Infos zu Belmondo Beat auf der Band-Website:
www.belmondobeat.de

(Fotos: Barbara Mürdter)

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Kategorien: Menschen, Musik

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