Susanne Viktoria Haupt
7. Mai 2012

Im niedersächsischen Krimi-Kosmos

Seitenansicht: „Hasentod“ von Angelika Stucke und „Kein Erbarmen“ von Ulrike Gerold und Wolfram Hänel

Der zu Klampen!-Verlag hat ein Herz für Krimis: die Neuerscheinungen „Hasentod“ und „Kein Erbarmen“

Seit 1983 gibt es den zu Klampen!-Verlag, der seinen Sitz in Springe hat. Zu Beginn beschäftigte sich der Verlag vornehmlich mit der Herausgabe von Schriften zur Kritischen Theorie, einer Gesellschaftstheorie, die auf Marx, Freud und Hegel beruht, die von der sogenannten Frankfurter Schule aufgegriffen und weiter definiert wurde. Mittlerweile umfasst das Verlagsprogramm aber neben Philosophie, Zeitgeschichte und Politik auch eine Reihe von Kriminalromanen mit reichlich Lokalkolorit, von denen an dieser Stelle zwei Neuerscheinungen vorgestellt werden sollen.

Die Schriftstellerin Angelika Stucke kennt das Leinebergtal nur allzu gut. Aufgewachsen im niedersächsischen Eddinghausen und in Sarstedt, studierte die 1960 geborene Autorin erst einmal Sozialpädagogik und Soziale Arbeit, um dann festzustellen, dass das Schreiben ihre eigentliche Passion ist. Erst ging sie nach Los Angeles und berichtete für eine deutsche Fernsehzeitschrift über Stars und Sternchen in Hollywood, dann aber emigrierte sie 1987 nach Spanien. Seitdem lebt und schreibt sie dort – nicht, ohne in regelmäßigen Abständen zu Recherchezwecken wieder in ihre Leineheimat zu verweilen. „Hasentod“ ist der dritte Band ihrer Krimireihe, die sich um die Fußpflegerin Konny Lorenz dreht. Diese schafft es immer wieder, durch unglückliche Zufälle mit in die Ermittlungen bei ungewöhnlichen Ereignissen eingebunden zu werden und die beteiligte Polizei zu unterstützen. So auch in dieser Geschichte, einem besonders spektakulären Fall: Kurz vor Weihnachten 2009 will der Rentner und Kaninchenzüchter Wilhelm Knacksted seinen Lieblingshasen würdig begraben und bittet Konnys Sohn dabei um Hilfe. Der allerdings findet neben einer guten Grabstätte für den Hasen auch die Grabstätte eines vor 38 Jahren verschwundenen Mädchens. Kurz darauf wird im Wald eine weitere Frauenleiche gefunden und Kommissar Harald Linden bittet Konny um ihre Hilfe bei der Aufklärung des Falles. „Hasentod“ bietet eine gute Mischung aus der Beschreibung des dörflichen Alltagslebens und den Leser erwarten knallharten Ermittlungen. Aber auch eine Portion skurrilen Humors bindet Stucke mit ein, vor allem wenn es um die Beschreibung der Bewohner eines Altenheims geht, die Konny und Kommissar Linden mit Rat und Tat zur Seite stehen wollen.

Mit „Kein Erbarmen“ von Ulrike Gerold und Wolfgang Hänel hat der zu Klampen-Verlag! einen weiteren Lokalkrimi veröffentlicht. Ex-Kommissar Tabori, der für seine unorthodoxen und unkonventionellen Ermittlungsmethoden stadtbekannt war, hat sich nach einem ungelösten Mordfall von der Polizeiarbeit verabschiedet und lebt nun als Rentner ein ruhiges Leben. Doch auf einmal wird eine Hundeführerin, die Tabori noch aus deiner Zeit bei der Polizei kennt, tot aufgefunden. Als weitere Polizeibeamte spurlos verschwinden, rückt Tabori selbst in den Kreis der Tatverdächtigen. Gleichzeitig beginnt erfür sich und seine involvierten Kollegen zu ermitteln. Manko dieser doch eigentlich vom Genre her vielversprechenden Geschichte ist lediglich, dass das Autorenduo immer dann aus den spannenden Situationen aussteigt, wenn es eigentlich notwendig wäre, nachzulegen und präziser zu werden. Hier und da verliert sich der Roman dann ein bisschen zu sehr im Lokalkolorit. Belibt die Hoffnung auf einen nächsten Tabori-Roman, der dann wieder schärfer gezeichnet ist.

Angelika Stucke: „Hasentod“, Kriminalroman, 311 Seiten, zu Klampen! Verlag, ISBN-13: 978-3866741621, 12,80 Euro

Ulrike Gerold und Wolfram Hänel: „Kein Erbarmen“, Kriminalroman, 313 Seiten, zu Klampen! Verlag, ISBN-13: 978-3866741638, 12,80 Euro

„Seitenansicht“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.

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Kategorien: Literatur

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