Susanne Haupt und Jörg Smotlacha
11. Mai 2012

Das Schwarze Gold aus der Südheide

Mit dem Quicar in die Region. Ausflugstipps der langeleine-Redaktion. Heute: das Deutsche Erdölmuseum in Wietze

Die Dauerausstellung in Wietze informiert über alle Facetten der Erdölgewinnung

Mitten im Landkreis Celle, in der 8.000-Seelen-Gemeinde Wietze, liegt eines der interessantesten Erdölfelder Deutschlands. Bereits im 17. Jahrhundert, lange bevor der wertvolle Rohstoff systematisch erschlossen worden ist, wurde hier Erdöl von der Erdoberfläche abgeschöpft und als Heil- und Schmiermittel verwendet. 1858/59 fand in Wietze eine der weltweit ersten Erdölbohrungen statt, wodurch der kleine Ort am Südrand der Lüneburger Heide zu einer der wichtigsten und produktivsten Erdölstätten Deutschlands wuchs. Bis 1963 wurde das „Schwarze Gold“ in Wietze gefördert. 1963 wurde die Erdölförderung dann endgültig eingestellt, und die Deutsche Erdöl Aktiengesellschaft kam auf die Idee, das Erdölfeld als Museum umzufunktionieren, welches schlussendlich 1970 realisiert wurde. Dass es so nah an den Toren Hannovers einmal einen waren Öl-Rausch gegeben hat, interessiert uns brennend. Grund genug, uns mit dem Quicar auf den Weg über die Dörfer zu machen und dem Deutschen Erdölmuseum einen Besuch abzustatten.

„Klein-Texas in der Heide“: Auf dem Freigelände des Museums stehen noch immer die originalen Ölförderanlagen

Die ganze Welt des Erdöls

Nach einer kurzen Fahrt durch die naheliegenden Rapsfelder erreichen wir Wietze. Hier erwartet uns eine 300 Quadratmeter große Ausstellungsfläche, die uns die gesamte Historie der Erdölförderung in Wietze und der Welt präsentiert. Auf dem freien Feld hinter dem Museum stehen beeindruckende historische, aber überraschenderweise immer noch funktionstüchtige Förderanlagen, die durch öffentliche und privaten Spenden in Betrieb gehalten werden und zusätzlich um weitere Exponate aus der ganzen Republik erweitert wurden. Ebenso erfährt man hier nahezu alles rund um Erdöl, Erdgas, seine Gewinnung, die verschiedenen Einsatzgebiete und die Bildung von Kohlenwasserstoff. Jährlich erkunden etwa 18.000 Besucherinnen und Besucher das Museum, wobei sich das Interesse in den letzten Jahren immer mehr verlagert hat. Lag früher der Fokus eindeutig auf den technischen Aspekten der Erdölgewinnung, rücken durch die gesellschaftlichen Debatten um die Energieversorgung heute Themen wie Umwelt und Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt des Interesses – ein Aspekt, auf den sich die Leitung des Museums durch die stetige Erweiterung der Ausstellung eingestellt hat.

Ragt wie ein Monument aus alten Zeiten in den Himmel: Der 58 Meter hohe Erdölbohrturm gilt als das Wahrzeichen der Gemeinde Wietze

Auf der Wiese hinter dem Museum gibt es noch immer Erdöl

Im Mueseumsgebäude veranschaulichen Schautafeln und Modelle die unterschiedlichsten Bohr-Instrumente und Bohr-Varianten, wie beispielswiese die Rotary-Bohrung, bei der ein Drehtisch eingesetzt wird, außerdem informiert die Ausstellung über die legendäre Hunäus-Bohrung von 1858/59, bei der das Bohrloch mit Rohren ausgefüllt wurde, damit es nicht zusammenfiel. Bei dieser Bohrung, die unter der Leitung des vom Königreich Hannovers beauftragten Christian Konrad Hunäus stattfand, waren die Beteiligten eigentlich auf der Suche nach Braunkohle, bevor sie auf das „Schwarze Gold“ stießen. Beeindruckend sind auch die Nachbauten von Bohranlagen, so ist beispielsweise die Bohr- und Förderanlage „Mohr 3“ zu sehen, die ursprünglich im Landkreis Peine eingesetzt wurde. Auf dem Freigelände des Museums entdecken wir mitten auf der grünen Wiese frisches Erdöl und staunen über 100-jährige Ölpumpen, die durch einen Kehrradantrieb betrieben werden können. Schließlich klettern wir auf die riesigen Trennbehälter für Öl und Wasser, von dessen Dächern aus man einen Blick über das gesamte Gelände werfen kann, und erfahren, dass das Museum mit Hilfe einer Geothermie-Anlage mit Erdwärme geheizt wird.

Ein Hauch von Tankstelle auf der grünen Wiese: Noch heute sprudelt in Wietze frisches Erdöl aus dem Boden

Mit der Feldbahn über das Gelände

Ein Ausflug ins Deutsche Erdölmuseum lohnt sich aus den verschiedensten Gründen. Für uns waren die historischen Anlagen auf dem Freigelände mit ihrem Industrieanlagen-Charme alleine die Reise wert. Doch auch naturwissenschaftlich interessierte Jugendliche und Erwachsene kommen in Wietze voll auf ihre Kosten, denn der Rundgang über die Anlage ist spannend und lehrreich. Für eine Verschnaufpause steht das kleine Museumscafé zur Verfügung, in dem ab und an kleine themenbezogene Kunstausstellungen stattfinden. Geplant sind von seiten der Museumsleitung weitere Angebote, insbesondere für Schulklassen. So sollen Experimente rund um das Erdöl helfen, aktiv in die Thematik einzusteigen, und weitere Räume könnten für Seminare genutzt werden. Wer den Gang über die Freiflächen zu beschwerlich findet, hat übrigens eine nette Alternative: Eine Feldbahn, die von den beiden Lokomotiven „Emma“ und „Dicke Berta“ angetrieben wird, fährt die Besucher einmal rund um das Außengelände.

Deutsches Erdölmuseum Wietze
Schwarzer Weg 7-9, 29323 Wietze
www.erdoelmuseum.de

Fahrtzeit von Hannover-Stadtmitte: ca. 30 Minuten
Ausflugsdauer: ca. 3-4 Stunden

(Fotos: Susanne Haupt)

„Mit dem Quicar in die Region. Ausflugstipps der langeleine-Redaktion“ erscheint mit Unterstützung von Quicar – Share a Volkswagen.

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Kategorien: Kunst, Lokalitäten

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