Sabrina Kreter
14. Mai 2012

Riesenlöve für den Soundtrack zum Sommer!

Das Verhör: „Delfinarium“ von Frittenbude

Absolut tanzbar: „Delfinarium“, das dritte Album der Band Frittenbude, knüpft nahtlos an die Vorgänger an

BootBooHook-Festival 2011, ein Samstag-Nachmittag. Das überwiegend pubertierende Publikum räkelt sich bierschlürfend auf den Wiesen des Festival-Geländes in Linden, von der Bühne ertönt begleitende Musik meist gitarrenlastiger Bands. Die Stimmung ist entspannt, und um sich wirklich zu bewegen, ist es ohnehin viel zu heiß. Am frühen Abend dann donnern die ersten Töne der Elektro-Punk-Band Frittenbude aus den Boxen – und mit einem Ruck erhebt sich alles in die Horizontale. Menschen strömen zur Bühne, und es bummert bereits spürbar unter den müden Füßen. Der Bass. Er vibriert durch den ganzen Körper und macht munter. Endlich stehen, endlich tanzen, endlich mitsingen, als Sänger Johannes Rögner zum „Raven gegen Deutschland“ aufruft und die Hits der Frittenbuden-Alben „Katzengold“ (2010) und „Nachtigall“ (2008) über das Gelände rollen wie eine Lawine. Wer jetzt noch rumliegt, steht vermutlich nie wieder auf. Songs wie „Mindestens in 1000 Jahren“ und „Bilder mit Katze“ haben längst Kultstatus und fehlen vermutlich in keinem gut sortierten Jugendzimmer-CD-Regal. Die Sonne scheint, es ist Sommer und Frittenbude der Soundtrack.

Nun ist also das dritte Album der Jungs aus Bayern auf dem Markt: Es heißt „Delfinarium“ und ist wie die Vorgänger-Alben auf dem Independent-Label Audiolith Records erschienen, das neben Frittenbude unter anderem Künstler Der Tante Renate, Egotronic und Click Click Decker unter Vertrag hat. Mit „Delfinarium“ bleibt bei Frittenbude alles beim Alten und Label wie Künstler der bisherigen Linie treu. Insbesondere der Song „Wings“ erinnert an vorherige Hits und hat das Zeug, zum erneuten Türöffner für die Festival-Saison 2012 zu werden. „Wir sind die Clowns im Zirkus des Lebens, alle Träume ein Zelt und die Dompteure Propheten. Besoffen an uns selbst auf diesem blauen Planeten, bleibt jede Flucht ein Gehege, ist jeder Club die Manege“, lautet der Refrain dieses schönen Stücks, das sofort mitreißt und zum Ohrwurm wird. Die erste Single-Auskopplung macht jedenfalls Lust auf den Sommer während man beim nächsten Track „Deutschland 500“ ins Springen gerät und sich freudentaumelnd verliert. Frittenbude haben es auch bei der dritten Veröffentlichung nicht verlernt, politischen Anspruch mit fettem Beat zu kombinieren.

Die Band gründete sich 2006 auf dem Weg zu einem Open Air-Konzert aus der Not heraus: Weil das Autoradio nicht funktionierte, begann man kurzerhand damit, auf eigene Beats zu rappen und bekannte Lieder neu zu interpretieren. Bis zum Erscheinen des ersten Albums zwei Jahre später remixten Frittenbude überwiegend Songs von namhaften Kollegen wie zum Beispiel Tocotronic, veränderten hierbei aber nicht nur die Melodie, sondern mitunter auch die ursprünglichen Texte. Gespickt mit viel klugem Humor nimmt die Band bis heute immer wieder die dunkle Seite der bunten Party unter die Lupe und zerrt mit einer ordentlichen Portion Aggression, Anarchie und Selbstzerstörung die hässliche Realität aus dem Dunkel der Nacht ins grelle Tageslicht. „Die Amsel“ und „Gibt es Uruguay eigentlich noch?“ auf dem neuen Album „Delfinarium“ zeugen davon.

Insgesamt ist „Delfinarium“ eine sehr gelungene CD für Kopf und Füße, allerdings ohne große Überraschungen. Trotz vieler echter Highlights kommt das Album an die vorherige Veröffentlichung „Katzengold“ nicht ganz heran, weil diese schlichtweg nicht zu toppen ist. Anhören sollte man die neue Frittenbude-Veröffentlichung dennoch, weil „Delfinarium“ ein sensationeller Soundtrack für den kommenden Sommer ist, und die CD zwischen Zahnspangen-Dose und Kondom-Packung im Koffer vermutlich zahlreiche Abi-Reisende nach Lloret de Mar begleitet. Alternativ kann man sich auch eine Decke nehmen, an die frische Luft gehen und mit Freunden eine gute Zeit haben. Darauf macht das Album Lust – und genau darum geht es ja auch, wie die verworrenen Buchstaben einem suggerieren, wenn man das neue Frittenbude-Album aufklappt: „Riesenlöve“ steht da geschrieben, und der Name ist irgendwie Programm.

Frittenbude: „Delfinarium“, CD, 15 Tracks, 62:02 min., Audiolith Records (Broken Silence)

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Kategorien: Musik

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