Susanne Viktoria Haupt
15. Mai 2012

Reise in die Hauptstadt

Mit dem Quicar in die Region. Ausflugstipps der langeleine-Redaktion. Heute: Berlin

Fester Bestandteil von Berlins Skyline: der Fernsehturm, im Volksmund meistens nur „Alex“

Es gibt viele Songs, die über Berlin geschrieben wurden. Da verhält es sich ganz wie bei anderen Großstädten, zum Beispiel Paris („Ganz Paris träumt von der Liebe“), New York („New York, New York“) oder London („London calling“). Wenn ich an Musik und an Berlin denke, dann fällt mir sofort „Dickes B“ von Seeed und „Big in Berlin“ von den Sternen ein. Und kaum haben wir beschlossen, einmal einen etwas längeren Ausflug zu unternehmen und die deutsche Hauptstadt zu besuchen, schwirren mir diese beiden Songs unaufhörlich im Kopf herum. Gut so, spart der Soundtrack im Kopf doch das Einpacken von CDs, und daher sind unsere Taschen nicht besonders schwer und lassen noch Luft für ein wenig Shopping. Nach gemütlichen vier Stunden Anfahrt – ausgiebige Pausen mussten sein – kann ich das Fenster herunterkurbeln und mich von Großstadtluft und den Lichtern der Metropole begrüßen lassen. Im Vergleich zu Hannover hat Berlin einen ganz anderen Geruch und einen eigenen Rhythmus. In Berlin kann man frei sein, in der Masse verschwinden und muss sich dennoch nicht verstecken. In Berlin schlägt das Herz nachts schneller, und der Umgangston ist rauher und direkter. War man zu Gast in Berlin, so bedient man sich prinzipiell auch noch drei Tage nach der Rückkehr des allseits beliebten „ick“, ohne sich dafür zu schämen. Denn wenn es einen Dialekt gibt, den die Hochdeutschen lieben, dann ist es der Berliner.

Willkommen in „Upper Eastside“: Shoppen auf der Friedrichsstraße

Entspannung im Tiergarten

Erster Anlaufpunkt ist für uns die Friedrichstraße, wo es uns Kulturinteressierte sogleich in das Kulturkaufhaus Dussmann verschlägt. Natürlich ist es schön, in kleine Buchhandlungen zu gehen und seine CDs und Platten in coolen Szene-Läden zu kaufen. Aber es ist unglaublich, wie hoch die Anziehungskraft von einem Ort ist, an dem sich mehrere tausend Bücher, Platten, CDs und DVDs auf einem Haufen befinden, und das in vorzüglicher Auswahl. Ein Umstand, den wir nicht ignorieren können. Deswegen kommen wir auch mit einigen neuen Anschaffungen, unter anderem den Büchern „Alles ist erleuchtet“ von Jonathan Safran Foer und „Plüschgewitter“ von Wolfgang Herrndorf, aus den Hallen Dussmanns. Nun ist aber erst einmal Entspannung angesagt. Darum spazieren wir direkt in den Tiergarten, um uns bei angenehmen Temperaturen mitten auf eine der Wiesen zu legen. Manch einer meditiert hier, manch einer trinkt sein Bierchen, einige spielen Fußball oder Frisbee, doch wir liegen einfach nur herum, eingehüllt in die Vielzahl der uns umgebenden Bäume, welche die Straßen-Akustik verschlucken und den Tiergarten zu einer Ruhe-Oase inmitten der riesigen Metropole machen. Genau der richtige Ort, um weitere Pläne für unsere restliche Zeit in der Hauptstadt zu machen und den Abend mit Freunden ausklingen zu lassen.

Anlaufstelle für aktuelle Kunst am Nabel der Zeit: das Kunsthaus Tacheles

Abstecher in die lebendige Kunst-Szene Berlins

Am zweiten Tag steht, neben dem obligatorischen Besuch von Berliner Wahrzeichen wie dem Brandenburger Tor, dem Sony-Center und der Siegessäule, auch die Oranienburger Straße auf unserem Programm, in der sich das Kunsthaus Tacheles befindet. Das Tacheles ist ein ehemaliges Kaufhaus, welches sich bei der Errichtung im Jahr 1909 noch unter dem Namen „Friedrichsstraßenpassage“ als Gebäudekomplex von der Friedrichsstraße bis zur Oranienburger Straße zog. Im Laufe der Jahre wurde es als Haus der Technik umgenutzt, bevor es zu DDR-Zeiten in die Hände des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes FDGB überging. Allerdings verwitterte es immer mehr, so dass das historische Haus irgendwann nur noch ruinenhaft in der Stadtmitte prangte. Gerettet wurde es 1990 durch eine Besetzung durch die Künstler-Initiative „Tacheles“, die den vollständigen Abriss verhinderte. Schließlich wurden die Reste des Häuserkomplexes unter Denkmalschutz gestellt. Seitdem ist das Tacheles ein wichtiger Bestandteil der Berliner Kunst- und Kultur-Szene, Hauptspielstätte von diversen Off-Theatern, und ein Ort für Ateliers und Tanzkunst. Allerdings musste der Verein Tacheles e.V. Ende 2009 Insolvenz anmelden, und durch die unsichere Finanzlagen kam es jüngst zu Zwangsräumungen und einer Sperrung für Besucher. Im März dieses Jahres jedoch kam die Wende: Das Landgericht Berlin gab bekannt, dass die Zwangsräumung rechtswidrig gewesen sei und die Räumlichkeiten wieder freigegeben werden müssen. Ein Glücksfall für das Tacheles, seine Künstler und seine Besucher, zu denen auch wir zählten und sichtlich beeindruckt waren von den kreativen Impulsen innerhalb der historischen Kaufhaus-Ruinen.

Kult-Objekt schlechthin: einer der alten Berliner Schwarz-Weiß-Foto-Automaten

Die Szene-Viertel Berlins

In einer Stadt wie Berlin kann die Zeit furchtbar schnell vergehen, denn es gibt viele Ecken, an denen es sich lohnt, hängenzubleiben. Und so planen wir an unserem letzten Reistag noch einen Besuch in den zwei wohl attraktivsten und alternativsten Vierteln der Hauptstadt: Friedrichshain und Kreuzberg. Beide Quartiere gelten als Szene-Viertel. Friedrichshain, ehemals im Ostteil der Stadt gelegen, stand in den 1990er-Jahren im Fokus der Hausbesetzer-Kultur, aus der etliche Kulturzentren, Bars, Kneipen und Aktionsräume entstanden. Der Stadtteil rund um den Boxhagener Platz, kurz „Boxi“ genannt, ist seitdem ein Lieblings-Wohnort für Studenten und junge Erwachsene, die aber, ähnlich wie in Kreuzberg, durch den Trend-Faktor und die um sich greifenden Sanierungsprozesse unter voranschreitender Gentrifizierung leiden und mit erhöhten Mietpreisen rechnen müssen. Dennoch kann man in Friedrichshain noch immer gut und entspannt eine kleine Mittagspause einlegen. Wer sich gerne vegetarisch ernährt, der kann beispielsweise in die Gärnterstraße gehen und bei Yoyo Foodworld die unglaubliche Auswahl an kreativen Burgern testen. Von Friedrichshain geht es für uns direkt weiter nach Kreuzberg in unsere Lieblingsstraße, die Bergmannstraße, die durch ihre Vielzahl von kleinen Klamottenläden, Vinyl-Shops und Buchhandlungen zum Hot Spot aller Touristen wurde. Zwischen all den Shopping-Versuchungen kann man ausgezeichnet in den in fast unendlicher Auswahl vorhandenen Cafés und Restaurants essen, um danach gestärkt weiterzuflanieren. Ein Muss und immer ein großer Spaß ist der Besuch in einem der in Berlin an vielen Ecken noch vorhandenen alten Foto-Automaten in der Zossenerstraße. Für zwei Euro bekommt man vier der guten alten Passfotos im nostalgisch kontrastreichen Schwarz-Weiß-Look, und nicht wenige dieser Foto-Streifen tumeln sich bei uns im heimischen Hannover.

Neben dem „Berliner Pilsener“ ebenfalls einfach Kult: „Sterni“-Bier

Nach knappen, aber wilden drei Tagen in der Hauptstadt sind unsere Taschen voller neuer Bücher, Platten, französischem Gebäck aus der Galerie Lafayette, Automaten-Fotos und unglaublich genialen Postkarten, die wir im Tacheles erworben haben. Von reichhaltigen neuen Eindrücken und vollen Filmen und Speicherkarten ganz abgesehen. Der Abschied fällt uns schwer, so wie immer, wenn wir in Berlin waren, und am letzten „Späti“ kaufe ich noch zwei „Sternis“ – das Berliner Kult-Bier mit dem Stern auf dem Kronkorken, um ein wenig Berliner Geschmack mit nach Hannover zu nehmen. Die Fahrt mit dem Quicar war sehr angenehm, und vor allem das ausgezeichnete Navigationssystem hat uns in dem bisher von uns eigentlich nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln eroberten Berlin wirklich Hilfe geleistet. Wiederkommen werden wir ganz sicher. Um dann erneut etwas von dem pulsierenden Leben zu kosten, um etwas abzuschalten, zu atmen und ein wenig verlorenzugehen in dieser großen Stadt. Denn das tut auch mal ganz gut.

Berlin
www.berlin.de

Fahrtzeit von Hannover-Stadtmitte: ca. 3 Stunden
Ausflugsdauer: ca. 2-3 Tage

(Fotos: Susanne Haupt)

„Mit dem Quicar in die Region. Ausflugstipps der langeleine-Redaktion“ erscheint mit Unterstützung von Quicar – Share a Volkswagen.

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Kategorien: Lokalitäten

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