Jörg Smotlacha
25. Mai 2012

Warum Gibraltar an der Weser lag

Mit dem Quicar in die Region. Ausflugstipps der langeleine-Redaktion. Heute: die Rattenfängerstadt Hameln

Die kleinen mittelalterlichen Gassen mit ihren Fachwerkhäusern geben der Hamelner Altstadt einen besonderen Charme

Hameln, das ist zunächst einmal die ewige Rattenfängerstadt. Geprägt durch die weltweit bekannte Sage, die auf Ereignisse im 13. Jahrhundert zurückgeht, hat die 60.000-Einwohnerstadt im Süden Niedersachsens ihr Image ein für alle mal weg, und das Stadtbild wird noch heute dominiert durch den berühmten Fremden, der Hameln erst von den Ratten befreite und dann die Kinder der mittelalterlichen Stadt entführte. Da Hameln im Zweiten Weltkrieg bis auf wenige Ausnahmen von Zerstörungen weitgehend verschont blieb, ist die historische Altstadt der an der Weser gelegenen Kleinstadt ein Prunkstück und lockt alljährlich mehrere Millionen Touristen an. Wir sind gespannt, was Hameln neben dem Rattenfänger noch zu bieten hat, und machen uns für einen Tagesausflug auf den Weg an die Weser.

Zentraler Ort in Hamelns Altstadt: die Marktkirche und das Hochzeitshaus mit dem Glockenspiel

Begrüßung durch den Rattenfänger

In Hamelns hübscher Altstadt treffen wir, wie sollte es anders sein, erst einmal auf den allgegenwärtigen Rattenfänger: Am Marktplatz erklingt zwischen der Marktkirche St. Nicolai und dem zwischen 1610 und 1617 im Stil der Weser-Renaissance erbauten Hochzeitshaus täglich um 13:05 Uhr, 15:35 Uhr und 17:35 Uhr ein Glockenspiel, und an der Fassade des Hochzeitshauses ist ein Figurenspiel zu sehen, bei dem der Rattenfänger seine Runden dreht. Während wir ein Pistazien-Eis essen, lockt ein als Rattenfänger verkleideter Schauspieler die zahlreichen Touristen auf einen Stadtrundgang. Wir entscheiden uns, lieber alleine durch die hübschen Gassen der Altstadt zu bummeln, und entdecken zwischen den üblichen Geschäften und Laden-Ketten, die in deutschen Kleinstädten im Stadtzentrum üblicherweise angesiedelt sind, zahlreiche interessante historische Bauwerke.

Dreht dreimal täglich seine Runden: Der Rattenfänger von Hameln ist Teil eines Figurenspieles am Hochzeitshaus

Die mittelalterlichen Bauten beeindrucken mit zahlreichen Verzierungen und Inschriften

In der zentralen Osterstraße liegen das Stiftsherrenhaus und das Leisthaus, die mit Ornamenten und Figuren reich verziert sind, und das kleine Hamelner Museum beherbergen. Schließlich entdecken wir am östlichen Ende der Osterstraße, etwas unschön flankiert von einem „Tedi“-Markt und einer Baustelle, das sogenannte Rattenfängerhaus, das 1602 erbaut wurde und seinen Namen einer goldenen Inschrift verdankt, die sich seitlich am Haus in der Bungelosenstraße befindet und daran erinnert, dass im Jahre 1284 „130 Kinder bei den Koppen verloren“ gingen – der Legende nach, weil der Rattenfänger, von den Bürgern der Stadt um seine Entlohnung betrogen, als Jäger verkleidet zurückkehrte, seine Flöte ertönen ließ und die Kinder der mittelalterlichen Stadt mit sich lockte.

Der Berg Klüt bietet einen weiträumigen Blick über Hameln und das Leinebergland

Die Festungsanlagen der Stadt ließen Hameln zum „Gibraltar des Nordens“ werden

Die unzähligen weiteren historischen Bauwerke Hamelns – unter ihnen der Redenhof als einziger in der Stadt noch erhaltener Adelshof, die Kurie Jerusalem und der teilweise im gotischen Stil errichte Rattenkrug – komplett aufzuzählen, würde an dieser Stelle zu weit führen. Zu sehen gibt es aber mehr als genug, und wir genießen das Schlendern durch die kleinen Gassen der Altstadt. Dann entscheiden wir uns für einen Ausflug zum 258 Meter hoch über Hameln im Wald versteckten Klütturm, von dem man eine herrliche Aussicht über ganz Hameln, die Weser, das Leine- und das Weserbergland hat. Wir genießen die Nachmittagssonne und erfahren, dass auf dem Berg Klüt im 18. Jahrhundert zwei Festungsbauten errichtet wurden, die Hameln zum uneinnehmbaren „Gibraltar des Nordens“ machten, der stärksten Festung des damaligen Kurfürstentums Hannover.

Unberührte Natur: An der Weser unweit Hamelns finden sich unzählige schöne Plätze für eine Ruhepause

Wege über die Weser

Reich an Eindrücken machen wir uns mit unserem Wagen auf den Rückweg, nicht ohne noch ein paar schöne Stellen an der Weser anzusteuern. In Hameln selbst ist unter anderem die durch eine goldene Ratte verzierte Weser-Brücke erwähnenswert, die neben der Stadtgalerie und der Stadtbücherei über die Weser zum Werder führt, einer bei den Bewohnern der Stadt sehr beliebten kleinen Insel. Außerhalb der Stadt entdecken wir ein paar malerische Fleckchen unweit der Deutschen Märchenstraße. Besonders gut gefällt uns die Fährstelle in Großenwieden, einem etwa 20 Kilometer von Hameln entfernt liegenden Ortsteil von Hessisch-Oldendorf. Hier besteht die Möglichkeit, mit einer kleinen Hochseilfähre über die Weser zu gelangen. Davon abgesehen kann man hier, abseits des touristischen Trubels der Rattenfängerstadt, wunderbar die Ruhe genießen und die Abendsonne über der Weser untergehen sehen. Nur schade, dass die Strömung des Flusses zu stark ist, ein abkühlendes Bad hätte an diesem heißen Sommertag nicht geschadet!

Hameln
31785 Hameln
www.hameln.de

Fahrtzeit von Hannover-Stadtmitte: ca. 40 Minuten
Ausflugsdauer: ca. 5 Stunden

(Fotos: Jörg Smotlacha)

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Kategorien: Lokalitäten

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