Henning Chadde
11. Juni 2012

Schön blanc ziehen!

Das Verhör: „Tin Griots“ von Blanc

Unzeitig-zeitgemäß: „Tin Griots“, CD-Cover

Recht so! Bass, Gitarre, Schlagzeug – die klassische Dreier-Bandbesetzung. Was braucht es mehr, um auf den Punkt zu kommen? Nicht viel, außer natürlich einer Portion tragfähiger und eingängiger Songs, die catchy genug sind, um „hängen“ zu bleiben, und doch den nötigen Schuss Eigenständigkeit aufbringen, um für eine unnachahmliche Note zu sorgen. Wenn man sich wie das hannoversche Post-Punk-Garage-Rock-Trio Blanc auch noch die richtigen Vorbilder wählt, denen es in Sound, Arrangement und ungebändigter Spielfreude zu frönen gilt, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Und ganz ehrlich: Für einen alten rockmusikbegeisterten Sack wie mich, der mit beiden Beinen straight in der Rock- und Indie-Sozialisation der Achtziger-Jahre steht, ist es äußerst wohltuend, die „Soundalikes“ und Querverweise seiner Jugend wiederzufinden – so wie bei den Herren Grote, Hansen und Callen auf ihrem brandaktuellen, via Jelly Records erschienenen Debüt „Tin Griots“. Well, das mag zum einen am Alter der drei Musiker liegen, die in etwa in meiner Altersliga boxen dürften, spricht zum anderen aber eben auch für guten Geschmack.

Die frühen Fugazi, No Means No, gepaart mit einem Schuss junger, rotziger Hüsker Dü, ebenso früher Dinosaur Jr., einem klitzekleinen Quentchen Wipers und jeder Menge Indie-Rock- beziehungsweise Garage-Punk-Attitüde à la Minuteman und Dogmatics. Alles schön stimmig herübergewunken aus der frühen bis mittleren Zeitenwende der genannten Dekade. Ja, diese Mischung muss einfach am Alter der drei Herren liegen, denn so etwas spielt heutzutage kein Jungspund mehr. Zumindest nicht so auf den Punkt, so unbeirrbar und so entschieden. Klar, das ist bisweilen nichts für schwache, konsumorientierte Nerven und Erwartungshaltungen und ruft bei einer vermutlich nicht gerade kleinen Menge rockorientierter Junghörer ganz bestimmt achselzuckendes Kopfschütteln hervor. Blanc allerdings dürfte das herzlich scheißegal sein. Denn bei den Hannoveranern wird nicht nach dem Indie-Rock-Olymp oder irgendwelchen imaginären Chart-Erfolgen geschielt, sondern ganz einfach der persönliche Vorlieben-Stiefel bedient. Und das ganz sicher mit der schelmisch-anerkennenden Gewissheit, rein musikalisch den alten Vorbildern mittlerweile mindestens ebenbürtig zu sein. Respekt für diese Reminiszenz an die alten Tage, meine Herren. Und nicht zuletzt für das Rübertransportieren dieser Haltung in einen unzeitig-zeitgemäßen, trocken-knackigen Sound, der sich aufs Wesentliche zu reduzieren weiß und dennoch mit ein paar überraschenden Gimmicks und ziemlich coolen Instrumentals („The Devil in Miss Jones“, „Manson vs. Nixon“) aufwartet. Anspieltipps? Braucht es nicht, passt alles zusammen. Tatsächlich. Wer das jetzt nicht glaubt, höre zum Beweis einfach das aufeinanderfolgende Song-Triple Nummer drei bis fünf. Heißt natürlich, sich die Platte vorher zu besorgen. Und das meint: bitte käuflich, meine Damen und Herren! Höchstens eine klapprige Kopie auf ein altes C-90 Tape sei in diesem Zusammenhang erlaubt. Schön, so schön war die Zeit…

Blanc: „Tin Griots“, CD, 13 Songs, 40 min., Jelly Records

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Kategorien: Musik

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