Jörg Smotlacha
15. Juni 2012

Aus dem Leben der kleinen Leute

Mit dem Quicar in die Region. Ausflugstipps der langeleine-Redaktion. Heute: das Museum für Alltagskultur in Peine

Nierentische, Cocktailsessel, kombinierte Fernseh-Musiktruhen und 50er-Jahre-Tüten-Lampen: Das Peiner Museum für Alltagskultur versetzt seine Besucherinnen und Besucher in eine Zeitmaschine

Es ist ein außerordentlich buntes Sammelsurium an Gegenständen, Kunstwerken und Artefakten, das uns im Peiner Kreismuseum erwartet. Hier gibt es nichts, was es nicht gibt: Vom Nierentischchen und einem originalgetreu nachgebauten Kolonialwarenladen, einer Schusterwerkstatt und einem historischen Klassenzimmer über Objekte aus der Hoch-Zeit der Eisenerz-Gewinnung und Stahl-Produktion in der Region sowie einem Raum über Antisemitismus in Peine bis hin zu einer Sonderausstellung über Bier-Werbung und einem kleinen Tiger-Museum – eigentlich passt hier kein Raum zum anderen. Und doch ist es gerade diese Vielfalt an kleinen musealen Welten, die dem in der Peiner Altstadt gelegenen Haus zu Recht den Untertitel „Museum für Alltagskultur“ verleiht und seinen besonderen Charme ausmacht.

Der im Stile eines Kolonialwarenladens ausgestattete Konsum-Verein spiegelt die Geschichte der Arbeiterkultur

Das Museum zeigt den Alltag des kleinen Mannes und der kleinen Frau

Das Museum erstreckt sich über drei Etagen und rund 1.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und versteht sich als „lebendiger Ort des Austausches“. So wechselt die Dauerausstellung öfters ihr Gesicht, und zahlreiche Sonderausstellungen, Konzerte und Lesungen sollen dem Anspruch gerecht werden, ein „Diskussionsforum für kontroverse Denkansätze“ zu bieten. Dabei findet die Darstellung des Alltags „des kleinen Mannes und der kleinen Frau“ besondere Berücksichtigung: Kleidungsstücke, Möbel und Geschirr, aber auch Bücher und Spielwaren zeugen ebenso davon, wie verschiedene Ausstellungsräume, welche die Lebensweise der Peiner Bürgerinnen und Bürger in den verschiedenen historischen Epochen beleuchten und zwar nicht durch ihre konzeptionelle Aufarbeitung überzeugen, aber sehr wohl mit ihrer Vielfalt beeindrucken.

Erinnert erstaunlicherweise unweigerlich an die eigene Schulzeit: ein Klassenzimmer aus der Zeit des Kaiserreiches

Das historische Klassenzimmer jagt uns einen Schauer über den Rücken

Im Museum angekommen, bestaunen wir erst einmal einen erstklassig ausgestatteten Konsum-Verein, der im Stile der seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland weit verbreiteten Kolonialwarenläden angelegt ist, ein reichhaltiges Sortiment an Kaffee, Tee, Gewürzen, Spirituosen, weiteren Lebensmitteln und anderen Dingen des täglichen Bedarfs bietet, mit Art Déco-Elementen verziert ist und auf Schautäfeln die Bedeutung von Selbsthilfe-Einrichtungen der Arbeiterschaft spiegelt. Weiter geht es mit einer original eingerichteten Schusterwerkstatt, die den in Peine so beliebten Beruf des Schusters würdigt, und zwei kleinen Kammern, die eine historische Küche und ein Schlaf- und Wohnzimmer beinhalten und mit Einrichtungsgegenständen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ausgestattet sind. Eindrucksvoll auch der Nachbau eines Klassenzimmers aus der Kaiserzeit, der aus dem ehemaligen Schulmuseum übernommen wurde, und dessen karge Ausstattung mit Holzbänken und Schiefertafel uns einen Schauer über den Rücken jagt.

Die Schusterwerkstatt zeigt Arbeitsgeräte und Materialien der Peiner Schuhmacher

Von der Stahl-Zeit über das Tiger-Museum in die Bier-Ausstellung

In den oberen Stockwerken überraschen uns weitere interessante Ausstellungsbereiche, die unter anderem die Sonderausstellung „Stahl::Zeit“ mit rund 150 Objekten aus 150 Jahren Stahl im Landkreis Peine, einen Kirchenraum mit Altargerät von Peiner Gold- und Silberschmieden aus der 1895 abgebrochenen Jakobi-Kirche und eine Sammlung von Münzen und Werkzeugen aus der Peiner Frühgeschichte und dem Mittelalter beherbergen. An Skurrilität nicht zu überbieten ist schließlich das kleine, eigens eingerichtete Tiger-Museum im Dachgeschoss, das neben Tiger-Bildern, Nippes-Figuren und Kaffeetassen mit Janoschs Tiger-Enten, Siegfried & Roy-Fanartikeln und Tiger-Bier aufwartet. Gegen Ende des Rundganges statten wir dann noch der aktuellen Sonderausstellung „Litfass-Bier“ im Erdgeschoss einen Besuch ab, die 62 historische Bier-Plakate präsentiert und einen besonderen Schwerpunkt auf die Geschichte der Peiner Brauerei Härke legt. Plakat-Motive empfehlen „Hacker Nährbier“ für „Schwache und Genesende“ oder glänzen mit Sprüchen wie „Durst wird durch Bier erst richtig schön“. Letzteres haben wir schon immer gewusst, aber nach soviel Informationsaufnahme haben wir zumindest unseren Wissensdurst für heute befriedigt und treten unseren Heimweg nach Hannover an.

Das Kreismuseum Peine ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Im museumspädagogischen Programm gibt es zahlreiche Specials wie zum Beispiel die Ausrichtung von Kindergeburtstagen.

Kreismuseum Peine – Museum für Alltagskultur
Stederdorfer Straße 17, 31224 Peine
www.kreismuseum-peine.de

Fahrtzeit von Hannover-Stadtmitte: ca. 40 Minuten
Ausflugsdauer: ca. 4 Stunden

(Fotos: Jörg Smotlacha)

„Mit dem Quicar in die Region. Ausflugstipps der langeleine-Redaktion“ erscheint mit Unterstützung von Quicar – Share a Volkswagen.




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Kategorien: Kunst, Lokalitäten

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