Susanne Viktoria Haupt
22. Juni 2012

Fernab der Zivilisation

Mit dem Quicar in die Region. Ausflugstipps der langeleine-Redaktion. Heute: die Leinemasch bei Laatzen

Traumhafte Kulisse, nur ein paar Minuten von Hannovers hektischer Innenstadt entfernt: die Leinemasch

Wenn es eine beliebte Beschreibung für Hannover gibt, dann ist es häufig „die Stadt an der Leine“. Aber auch, wenn sich Samstag für Samstag die Menschen am Hohen Ufer beim Flohmarkt an der Leine tummeln, so bleiben doch den meisten die schönsten Ecken unseres Flusses verborgen: die Leinemasch beispielsweise. Nahe Laatzen und Grasdorf liegt ein beschauliches, wunderschönes Stückchen Land, dass definitiv zu den ruhigsten Ecken nahe der niedersächsischen Landeshauptstadt gehört. Weite satte Wiesen, Naturschutzräume, ein sich durch die Landschaft schlängelnder Fluss und romantische Sitzbänke: All das finden wir hier unweit unserer Stadt, und doch weit entfernt vom Straßenlärm, zwischendurch begegnen wir immer wieder ein paar rustikalen Herren in Gummistiefeln und Fischermützen, die uns fast glauben machen, wir wären irgendwo an der Nord- oder Ostsee. Es feht nur noch der Meeresduft. Zwischen Steil-Ufern, Schlamm-Bänken und Weidengebüsch finden hier bedrohte Tierarten wie die gebänderte Prachtlibelle, der Eisvogel, der Graureiher, der Flussuferläufer, der Wiesenbrüter Weißstorch, der Steinkauz, der Seefrosch oder der Kammmolch unter dem Schutz des Naturschutzbundes ihre Ruhe, weil deren Mitarbeiter hier ihre Runden drehen und dafür sorgen, dass die Erholungswütigen sich nicht auf die Wiesen begeben, auf denen gerade gebrütet wird.

Lassen einen glauben, man wäre weit, weit draußen: die satten Wiesen der Leinemasch

Fern vom Alltag

Mit unserem Quicar können wir nah an die Leinemasch heranfahren und landen direkt zwischen kleinen, villenähnlichen Häusern mit zauberhaften Vorgärten, die wildbewuchert und duftend daherkommen. Das Wetter ist zwar heute alles andere als frühsommerlich, aber eine frische Brise und ein paar Regentropfen stören in dieser wunderbaren Landschaft wenig und haben noch niemandem geschadet. Mit Bananen und Brause im Rucksack machen wir uns zu Fuß auf den Weg in das Erholungsgebiet und treffen schon nach ein paar Metern einen Mitarbeiter des Naturschutzbundes, der uns von den vielen Tieren berichtet, die auf den Wiesen ihre Kleinen ausbrüten und die Ruhe genießen. Wir bedanken uns für den Exkurs und spazieren weiter, treffen einen älteren Herren, der gemütlich seine Zeit auf einer Bank unter einem Baum verbringt, einen weiteren Naturfreund, der an seinem Fahrrad ein altes Radio angebracht hat und den Sportnachrichten lauscht, und zwei Eichhörnchen, die vergnügt miteinander auf dem Weg spielen. Wir besteigen einen Aussichtsturm und lassen unseren Blick über das weite Grün schweifen. Am liebsten würden wir hier Stunden verbringen, einfach nur, damit keine Mauer unser Sichtfeld stört. Die Ferne vom Alltag schafft den Rahmen für intensive Gespräche und Entspannung. Aber wir wollen noch mehr sehen, auch wenn die Aussicht hier kaum zu übertreffen ist. Deswegen geht es wieder runter vom Turm und direkt hinein in das vor uns liegende waldähnliche Gebiet mitten in der Leinemasch.

Vorsicht! Große und kleine Tiere kreuzen unsere Wege

Die Szenerie ist fast zu schön, um wahr zu sein

Gerade, als wir im dichten Wald verschwinden, fängt es etwas an zu regnen, doch das Blattwerk ersetzt den Schirm. Verwinkelte Bäume laden zum Klettern ein und inmitten des Ganzen treffen wir auf einen Truthahn, der ganz gemütlich auf dem Dach einer kleinen Waldhütte sitzt und sich von uns nicht stören lässt. Immer wieder hören wir die wunderbaren Laute von Eulen, denen wir versuchen zu antworten, und es scheint so, als könnten wir wirklich einen Tier-Mensch-Dialog herstellen. Plötzlich entdecken wir einen nahezu verwunschenen Platz. Zwischen den Bäumen schlängelt sich ein Nebenarm der Leine, der über und über mit Seerosen bedeckt ist. Baum-Äste ragen über das Wasser, Wurzeln gleiten entlang des Ufers und die Szenerie ist fast zu schön, um sie mit einem Foto festhalten zu können, dennoch versuche ich es. Ein paar Schritte weiter taucht das Flusswasser in ein faszinierendes Grün, das zwar keineswegs zu einem Fußbad einladen würde, aber etwas Surreales hat. Nun fühlen wir uns vollständig fernab der Zivilisation, zumal wir seit mehr als einer halben Stunde keine einzige Menschenseele getroffen haben. Langsam machen wir uns auf den Rückweg, kreuzen einen Pfad mit drei Kühen und haben zwischenzeitlich das Gefühl, uns vollständig verirrt zu haben. Schlimm finden wir das keinesfalls, denn hier ist das Verlaufen allemal angenehmer als in irgendeiner überfüllten Innenstadt-Straße, in der man durch den Lärm der Stadt zusätzlich irritiert wird. Deswegen folgen wir einfach unserem Himmelsrichtungs-Instikt und finden schlussendlich doch wieder zu den schicken Häuserreihen am Rande der Leinemasch zurück.

Alles voller Seerosen und weit und breit kein Mensch in Sicht: Die Leinemasch überrascht mit verwunschenen Orten

Entspannung vor den Toren der Stadt

Auf unserem Weg durch die anliegenden Straßen bemerken wir, dass es nicht nur im Grün der Leinemasch sehr ruhig ist, sondern die Ruhe der Natur auch direkt auf die Anwohner überzugehen scheint. Hier und da kommt ein Kind von der Schule und schlendert gemütlich über die Bordsteine nach Hause, aufwändige Gardinen schützen die Anwohner vor unseren Blicken und so fällt uns auf, dass die innerstädtischen Stadtteile doch wesentlich stressiger sind als diejenigen hier draußen, und insgesamt weniger Ruhe bieten, so dass ein Teil der Ausgeglichenheit auf der Strecke bleibt. Ganz neue Erkenntnisse sind das zwar nicht, aber der spürbare Kontrast öffnet uns Stadtmenschen doch die Augen. Auf dem Weg zurück nach Linden, dem Stadtteil, den wir schätzen und lieben, beschließen wir, wenn möglich, öfter den Weg in diese märchenhaft entspannte Gegend direkt vor den Toren unserer Stadt zu suchen.

Leinemasch

Fahrtzeit von Hannover-Stadtmitte: ca. 20 Minuten
Ausflugsdauer: ca. 3-4 Stunden

(Fotos: Susanne Haupt)

„Mit dem Quicar in die Region. Ausflugstipps der langeleine-Redaktion“ erscheint mit Unterstützung von Quicar – Share a Volkswagen.



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Kategorien: Lokalitäten

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