Henning Chadde
21. Juni 2012

“Das beste Buch der Welt ist ‘Momo’”

Die Schriftstellerin, Poetry Slammerin, Bloggerin und Social Media-Managerin Ninia LaGrande gastiert am 29. Juni beim Kulturkiosk. Ein Interview

Unterwegs auf den Schwingen des ABC und der Kommunikation: Ninia LaGrande

langeleine: Ninia, Du bist ja schon seit längerem in der bundesweiten Poetry Slam-Szene aktiv. Was reizt Dich an diesem Format und wie schätzt Du seine Qualität insgesamt ein?

Ninia LaGrande: Mich reizt insbesondere der Moment, wenn ich auf die Bühne komme und die ersten Worte sage. Dieses “Abchecken” mit dem Publikum ist der spannendste Teil, und deshalb bin ich auch immer wieder extrem nervös. Natürlich finde ich auch den Wettbewerb reizvoll. Insgesamt ist es einfach toll, in jeder Stadt Menschen zu kennen, immer wiederzutreffen und lauter neue Dinge kennenzulernen. Poetry Slam kann qualitativ mit jeder anderen Art der Aufführung mithalten. Es ist halt Geschmackssache, ob ich lieber Gesang, Schauspiel oder Literatur höre. Natürlich gibt es auch Slams, bei denen man sich denkt, die haben dem Publikum jetzt nicht sonderlich viel gebracht. Aber gerade solche Formate wie der Slam in der hannoverschen Staatsoper sind wirklich sehr gut. Nur der inflationäre Gebrauch mancher Themen ist nervig. Oder wenn man merkt, dass der Text ohne Leidenschaft geschrieben wurde und nur aufs Gewinnen gezielt wird.

Live on stage: Ninia voll in ihrem Element

ll: Dein literarisches Repertoire reicht von klassischen Kurzgeschichten und Short Stories über Slam Poetry und Lyrik bis hin zu Lesebühnen- und Blog-Texten. Für welches Genre schlägt Dein literarisches Herz am meisten?

LaGrande: Ich habe mit der klassischen Kurzgeschichte angefangen, und das ist immer noch das, was ich am liebsten mache. Lyrik fällt inzwischen fast komplett flach, nachdem ich eines meiner ersten “Gedichte” gelesen habe: “Morgen geht es heim, das ist fein”. Ganz große Kunst. Short Stories, die meist direkt aus meinem Leben gegriffen sind, schreibe ich allerdings auch gern, weil sie sich so schön runterschreiben lassen. Meine Blog-Texte würde ich nicht als sonderlich literarisch bezeichnen. Das ist eher Ego-Gemurmel, bei dem ich mich freue, wenn es gelesen wird.

ll: In welche Richtung schlägt Dein literarisches Vorlieben-Pendel aus: eher in Richtung ernsterer Texte und Inhalte oder in Richtung der vermeintlich leichteren Muse der Unterhaltung und pointierten Lacher?

LaGrande: Das beste Buch der Welt ist “Momo”. Das wird für mich immer so bleiben. Michael Ende, Astrid Lindgren, Ottfried Preußler – die ganze Riege der modernen Märchen-Erzähler, das sind die Vorbilder meines Herzens. Trotzdem lese ich gerne auch seichte Unterhaltung oder ernste Inhalte. Stiltechnisch kann ich mich da gar nicht entscheiden, was meine eigenen Vorlieben angeht. Das kommt ganz auf Stimmung und Text an.

ll: Wie findest Du zu Deinen Themen und was inspiriert Dich?

LaGrande: Oft ist es so, dass die Themen zu mir finden. Alltagserlebnisse oder kuriose Gegebenheiten verarbeite ich sehr gerne zu Texten. Mich inspiriert mein Freund, der in den Texten gern “der Mann” genannt wird und mir viele Vorlagen liefert, die ich dann nutzen kann. Außerdem mein Opa, der immer zu mir gesagt hat, ich solle mir einfach vorstellen, was die Frau, die mir in der Straßenbahn gegenüber sitzt, wohl für heimliche Hobbys hat. Und ich habe eine Box zu Hause stehen, in der alle Schnipsel, Zitate und Bilder landen, aus denen ich irgendwann etwas machen möchte.

Nach dem Auftritt ist vor dem Auftritt: Ninia LaGrande

ll: Du bist ja als Bloggerin und Netz-Poetin in mannigfaltigen sozialen Netzwerken aktiv. Was bedeuten die sogenannten Neuen Medien für Dich?

LaGrande: Im “richtigen” Leben arbeite ich als Social Media-Managerin. Ich verbringe also sowohl meinen privaten als auch meinen beruflichen Alltag ständig im Netz. Ohne die sogenannten Neuen Medien – die ja jetzt auch schon über 20 Jahre alt sind – hätte ich niemals das alles gemacht, was ich heute mache. Sie sind der beste Weg, um Menschen zu treffen, die genauso denken wie Du und Dir neue Ideen und Denkanstöße liefern. Trotzdem muss man als User immer in der Lage sein, zu reflektieren, was man im Netz von sich preisgibt und wie man sich verhält. Das können leider nicht alle. Für mich ist es das beste Mittel, um weltweit vernetzt zu sein und zu allen Informationen sehr schnell Zugriff zu haben.

ll: Vor gut einem Jahr bist Du von Göttingen nach Hannover gezogen. Was schätzt Du an der Leinemetropole – und was fehlt Dir?

LaGrande: Ich bin im September 2011 hauptsächlich aus beruflichen Gründen nach Hannover gezogen. Der Kreis schließt sich, ich bin hier nämlich geboren, allerdings nach einem Jahr auch gleich umgesiedelt worden. Ich mag Hannover immer mehr. Einer der großen Vorteile für mich ist die Kulturszene, die sich so sehr entwickelt, und in der man so viele spannende und talentierte Menschen trifft. Hier kann man auch als “Neuling” noch unglaublich viel mitgestalten, das freut mich immer wieder. Außerdem mag ich die vielen Parks und Open-Air-Veranstaltungen. Und ich schätze die Möglichkeiten, auszugehen: In Hannover kann man wirklich gut feiern! An Göttingen vermisse ich tatsächlich sehr wenig. Ein paar Freunde und meine alte Lieblingsbar. Ansonsten ist Göttingen nur zum Studieren richtig gut, danach muss man weg.

ll: Ninia LaGrande überrascht das Publikum beim Kulturkiosk mit…

LaGrande: …einer Mischung aus humorvollen, nachdenklichen und persönlichen Geschichten aus einer anderen Perspektive.

ll: Vielen Dank für das Gespräch, Ninia.

Nicht verpassen:

NiniaLaGrande tritt am Freitag, dem 29. Juni, beim Kulturkiosk von langeleine.de auf und präsentiert einen Querschnitt ihrer besten Texte.

(Fotos: Pressefotos)

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Kategorien: Literatur, Menschen

Ein Kommentar

  1. crischo sagt:

    hm – bist Du Dir da sicher mit Momo ? :-) ja so hat jeder sein “bestes Buch der Welt”

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