Susanne Viktoria Haupt
24. Juni 2012

„Kunst im Elfenbeinturm funktioniert für mich nicht!“

Subtil pointierte Wortkunst mit doppeltem Boden: die Dichterin und Slam Poetin Pauline Füg beim Kulturkiosk. Ein Interview

Eine Wort-Jongleurin im besten Sinne: Pauline Füg

langeleine.de: Pauline, in der bundesweiten Poetry Slam-Szene bist Du ein fester Bestandteil, und mit diversen Deiner Projekten hast Du für Aufsehen gesorgt und Auszeichnungen bekommen. Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Pauline Füg: Ich schreibe, seit ich schreiben kann. Und es hat nie aufgehört. In der Grundschule wollte ich eigentlich Detektiv werden, aber nichts ist passiert, also habe ich mir selbst Detektiv-Geschichten ausgedacht – auch, um an meinen Schwarm Justus Jonas von den „Drei Fragezeichen“ heranzukommen.

ll: Deine Texte sind häufig sehr subtil angelegt. Welche Erfahrungen hast Du mit ihnen bei den sonst so viel Entertainment fordernden Formaten der Live-Lesebühnen und Poetry Slams gemacht?

Füg: Für mich ist es wichtig, mit Poesie Menschen zu bewegen. Ob die Poesie lustig oder subtil ist, ist egal, es kommt auf die Mischung an. Nur ernste oder nur lustige Texte auf Slams wären mir zu langweilig. Mir liegen die nachdenklichen Texte mit Wortspielen mehr, also trete ich damit auf. Und für viele ist es dann eine willkommen Abwechslung, neben lustigen Texten auch meinen lyrischen Tönen zu lauschen.

Auf der Bühne in Aktion und immer nah an den Menschen: Pauline Füg

ll: Woher nimmst Du die Inspiration für Deine Texte?

Füg: Überall her. Manchmal fällt mir ein Wortspiel ein oder ich schnappe im Vorbeigehen etwas auf oder ich bekomme ’ne SMS, in der sich jemand verschrieben hat – aber gerade dieser Verschreiber macht es besonders. Und wenn mir das nicht mehr aus dem Kopf geht, mach ich einen Text draus.

ll: Bei dem Projekt „großraumdichten“ hast Du elektronische Musik und Poesie miteinander verbunden. Außerdem bist Du Teil der „Eichstätter Schule“. Wie wichtig ist es für Dich, Dich mit anderen kreativen Ausdrucksformen und anderen Künstlern auseinanderzusetzen?

Füg: Das ist das Allerwichtigste. Kunst im Elfenbeinturm funktioniert für mich nicht! Ich muss mich mit anderen Künstlern zusammen- und auseinandersetzen können. Außerdem sind für mich auch immer die Adressaten meiner Kunst wichtig. Und es gibt so viele verschiedene Künstler da draußen, die richtig spannende Projekte machen könnten, wenn sie nur zusammenfinden würden. Neulich habe ich zum Beispiel mit einer Visual Artistin, einem Violinisten, einer Regisseurin und einem anderen Poetry Slammer ein Projekt durchgeführt. Wir haben das Buch „Der Schatten des Körpers des Kutschers“ von Peter Weiss als Spoken Word-Theater-Stück-Performance umgesetzt.

Pauline Füg: Grenzgängerin zwischen Kunst- und Genre-Welten

ll: Du hast Psychologie studiert. Beeinflusst das dadurch gewonnene Wissen Deine künstlerische Tätigkeit in irgendeiner Weise?

Füg: Es ist eher andersherum: Ich interessiere mich für Menschen und die Welt und die Dinge um mich herum. Deswegen schreibe und beobachte ich und deswegen habe ich Psychologie studiert.

ll: Was können wir beim Kulturkiosk von Dir erwarten?

Füg: Eine Mischung aus rhythmischer Lyrik mit Wortspielen und leisen Schmunzlern.

ll: Herzlichen Dank für das Gespräch, Pauline.

Nicht verpassen:

Pauline Füg tritt am Freitag, dem 29. Juni, beim Kulturkiosk von langeleine.de auf. Im Wortgepäck hat sie eine hintersinnig doppelbödige Auswahl ihrer besten Live-Lyriken.

(Fotos: Pressefotos)

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Kategorien: Literatur, Menschen

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