Jörg Smotlacha
27. Juni 2012

„Wir werden mit intensivster Dynamik alles geben!“

Französische Chansons als kleine Theaterstücke voller Intensität: Eckart Breitschuh und Pit Przygodda bringen Jacques Brel zum Kulturkiosk. Ein Interview

Von ganz leise und zart zu ganz laut: Pit Przygodda und Eckart Breitschuh

langeleine.de: Pit, nach Deinen Auftritten mit dem Trio Pitsound und der Kult-Truppe Kamerun News gastierst Du nun zum dritten Mal beim Kulturkiosk von langeleine.de. Diesmal mit dem Kollegen Eckart Breitschuh. Wie kam es zu Eurer Zusammenarbeit?

Pit Przygodda: Eckart ist ein alter Studienfreund von mir, mit dem hab ich schon 1990 im ersten Semester an der Kunsthochschule zusammen Police-Songs geschmettert. Dann vergingen ein paar Jährchen und plötzlich hatte er die Idee für das Projekt. Ich war erst nur halb begeistert, ich kannte Brel auch nicht so gut. Aber als wir dann anfingen, war ich ganz begeistert von den genialen Kompositionen und Arrangements und den Textbildern. Und von der Energie, die wir zusammen entwickelten.

ll: Jacques Brel war einer der berühmtesten französischsprachigen Chansonniers – und einer der streitbarsten. So hatte er nicht nur eine Haßliebe zu seinem Heimatland Belgien, sondern auch ein kritisches Verhältnis zu Deutschland. Was bedeutet es Euch, seine Chansons nun in deutscher Sprache auf deutschen Bühnen vorzutragen?

Eckart Breitschuh: Das Erstaunliche an Brel ist die Universalität seiner Emotionen und nicht die Frage, ob er nun über Deutsche, Belgier, Schwule oder Frauen gelästert hat. Bei Brel geht es immer um den Fühlenden und nicht um das Objekt seines Gefühls. Ich singe auf Deutsch, um uns und unserem Publikum diese Gefühle möglichst direkt zu vermitteln. Dass Brel über die Deutschen nicht nur Nettes zu sagen wusste, erklärt sich aus der Zeit, in der er lebte, ist für unser Projekt aber unerheblich.

Von der Universalität der Emotionen: Breitschuh und Przygodda erzählen große Geschichten mit Klavier und Gesang

ll: Welche Erfahrungen habt Ihr live mit Eurem aktuellen Programm gemacht?

Przygodda: Super-Erfahrungen! Alle waren bisher sehr glücklich. Manche kennen die Brel-Lieder im Französischen, haben aber nicht alles verstanden und sind jetzt froh, alles zu verstehen. Manche Zuschauer sind sogar Franzosen – bisher hab ich noch keine Belgier kennengelernt – und sind gespannt, wie das Original ins Deutsche übersetzt wird, und auch da hat Eckart Super-Resonanzen zu seinen Versionen bekommen. Wieder andere kannten das Zeug bisher kaum und sind sehr berührt von der emotionalen Spannweite, haben dann Tränen im Auge. Wir bekommen auch tolle Feedbacks zu Eckarts schauspielerischem Vortrag und ja, auch zu meinem Klavierspiel.

ll: Was macht Pit Przygodda denn sonst so? Was sind Deine nächsten Pläne?

Przygodda: Im Herbst kommt meine neue Platte, da singe ich wieder – was ich das letzte Mal bei meiner Ex-Band Go Plus getan habe. Auch auf deutsch. Es ist schon so eine Art Pop, geht aber auch ins Chansoneske, Liedhafte. Ich habe eine tolle Band, mit der ich dann auf Tour gehe, es ist übrigens auch ein Hannoveraner dabei: Jens Windeler spielt die Keyboards. Außerdem sind noch ein paar Film- und Hörspiel-Sachen in diesem Jahr geplant.

ll: Deine musikalische Bandbreite ist in jedem Fall beeindruckend. Wo kommt dieses vielschichtige Feuer für die Musik her?

Przygodda: Manchmal denke ich auch, ich sollte mich mehr konzentrieren. Manche Projekte entstehen ja aus sozialen Kontakten. Kamerun News ist jzum Beispiel aus meiner Heimat-Clique in Wunstorf entstanden. Während meine Songwriting-Sache eigentlich meine zentrale Baustelle ist. Das ist über die Jahre aus der Schülerband-Sache zum Solo-Projekt geworden.

ll: Und wie immer zum Abschluss: Was darf unser Publikum beim Kulturkiosk von Euch erwarten?

Przygodda: Eckart singt und spielt mit starker Gestik die Texte, eher vorne, ich sitz am Klavier hinten, und wir werden mit intensivster Dynamik alles geben. Von ganz leise und zart zu ganz laut. Forte-Fortissimo sozusagen. Das Klavier wird beben. Eckart auch.

Nicht verpassen:

Eckart Breitschuh und Pit Przygodda spielen am Freitag, dem 29. Juni, beim Kulturkiosk von langeleine.de und übersetzen den großen belgischen Chansonier Jacques Brel ins Deutsche.

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Kategorien: Menschen, Musik

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