Susanne Viktoria Haupt
9. Juli 2012

So haben wir Punkrock gern

Das Verhör: „Disco//Oslo“ von Disco//Oslo

Punkrock mit klaren Aussagen: die erste LP von Disco//Oslo

Es geht um Politik, es geht um Emotionen, es geht ums Kaputtsein, und irgendwas brennt natürlich: Im Falle von Disco//Oslo ist es Madrid. Das klingt zunächst nach einer Reihe von konventionellen Punkrock-Platten-Klischees. Disco//Oslo, das sind Tenzin, Tom, Bulli und Julian aus Oldenburg und Hannover, die sich bereits seit 2008, in wechselnder Besetzung, dem Punkrock verschrieben haben. Nach einigen Konzerten und der Aufnahme der ersten Demo-CD wurde 2011 ihr erstes Album aufgenommen, das nun erschienen ist. Und ja, Disco//Oslo klingen wie eine Mischung aus Pascow, Turbostaat und anderen klassischen Punkrock-Bands, die man kennt und – das ist der entscheidende Punkt dieser Aussage – eben auch liebt. Hinsichtlich ihres Marketings hat sich die Band richtig viel Mühe gegeben. Sei es bei dem Plattencover, der Übersetzung ihrer Songtexte im Booklet ins Englische und Französische, einer gespielten UK-Tour und wohlformuliertem Pressematerial. Das mag erst einmal abschreckend wirken, aber es beweist eben auch, dass es deutschsprachige Bands in der Punkrock-Szene gibt, die den Schritt ins Ausland wagen möchten und – im Falle der vier Jungs aus Norddeutschland – eben auch können.

Während sich manch andere Band aus dem Genre irgendwann selbst verloren hat, die Aggressivität aus ihrer Musik verbannte oder aber von zielsicheren Textpassagen ins poetisch-unverständliche abgedriftet ist, kommen Disco//Oslo mit frischer Wut und klaren Aussagen daher. 14 Stücke sind auf ihrer ersten LP. Das bedeutet 14 Mal vorpreschende Energie, rauher Gesang, starke Riffs, ein bebendes Schlagzeug und Texte, die sich gekonnt auf dem schmalen Grad zwischen intelligenter Aussage und rüden Parolen bewegen. Es tut gut, Disco//Oslo aufzulegen, voll aufzudrehen und zuzuhören, denn es erinnert an die Zeiten, in denen Punkrock noch rau war, und es erscheint lange her, dass man eine neue Platte in den Händen hielt, die so daherkam. Entscheidend aber ist auch, dass Disco//Oslo mit einem ganz eigenem Stil, einer eigenen Sprache und einem eigenen Sound überzeugen können. Wollen wir mal schauen, ob sie damit auch international punkten können.

Disco//Oslo: „Disco//Oslo“, Vinyl-LP, 14 Songs, 31:25 min., Kidnap Music

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Kategorien: Musik

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