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Von Schlossgärten und phantasieanregenden Legenden

Mit dem Quicar in die Region. Ausflugstipps der langeleine-Redaktion. Heute: das Schloss Landestrost in Neustadt am Rübenberge

Ende des 16. Jahrhunderts entstanden: das Schloss Landestrost besticht durch seine Architektur im Baustil der Weser-Renaissance

Eine runde halbe Autostunde von Hannover entfernt befindet sich das Schloss Landestrost in Neustadt am Rübenberge. Das im Stil der Weser-Renaissance erbaute Schloss und seine Nebengebäude beherbergen so unterschiedliche Institutionen wie das Archiv der Region Hannover, das Amtsgericht Neustadt, ein Torfmuseum, die Büros des Teams Kultur der Region, die Stadtbibliothek Neustadt und eine bereits seit 1888 ansässige Sektkellerei. Doch in letzter Zeit fiel uns das Schloss Landestrost immer wieder durch seine ungewöhnlichen Veranstaltungen auf. Ausstellungen, Konzerte, Lieder-Abende und Autoren-Lesungen, die im Rahmen des Programms „Kultur im Schloss“ organisiert wurden, zogen ebenso viele Besucher aus Hannover und dem Umland an wie Gast-Veranstaltungen von Feinkost Lampe, dem Masala Weltbeat-Festival oder dem Internationalen A-cappella-Festival. Und so beschließen wir, bei unserem heutigen Ausflug dem Schloss Landestrost und seiner Umgebung mal einen kleinen Besuch abzustatten.

Der Schlossgarten lädt durch seine Nähe zu den Leineauen zu ausgedehnten Spaziergängen

Eigentlich sollte das Schloss vier Flügel besitzen

In Neustadt am Rübenberge angekommen, entdecken wir unweit des Stadtzentrums schnell das im 16. Jahrhundert erbaute Schloss, das seinerzeit als Wohn- und Verwaltungssitz von Herzog Erich II. diente. Der Herzog hatte auch den Namen der Stadt in Landestrost geändert. Zwar wurde das nach seinem Tode wieder rückgängig gemacht, das Schloss jedoch behielt seinen Namen. Es kennzeichnet sich durch die dezente Verwendung antiker Details und die Bauweise mit Sand- und Bruchsteinen und zweireihigen Fenstern, die mittlerweile aber vollständig erneuert wurden. Eigentlich sollte das Schloss einst vier Flügel besitzen, fertigestellt wurden aber nur zwei, und während des Dreißigjährigen Krieges wurde der dritte Flügel, der noch von der Vorgängerburg stammte, vollständig zerstört. Der für den Schlossbau verwendete Sandstein wurde aus dem Deister gefördert, und auch alle weiteren Baumaterialien wurden aus der Region bezogen. Heute ist das Schloss im Besitz der Stiftung Kulturregion Hannover, die zu den größten Kulturstiftungen Norddeutschlands gehört. In den 1980er-Jahren sollte der Dachstuhl des Schlosses renoviert werden, da aber ein außerordentlich starker Befall von Holzwürmern festgestellt wurde, musste das gesamte Schloss für rund neun Millionen DM renoviert werden.

Das Torfmuseum dokumentiert die Bedeutung des Torfes als Rohstoff und die Entstehung von Moor

Satte grüne Wiesen, Fluss-Ausläufer und märchenhafte Hecken

Rund um Neustadt und das nahe Steinhuder Meer gibt es ein hohes Aufkommen von Moor und Torf. Und so verwundert es nicht, dass in der Mitte des Schlosses Landestrost ein kleines Torfmuseum ansässig ist. Hier wird den interessierten Besuchern die Entstehung von Moor und Torf und die Bedeutung des Torfes als Rohstoff, seine Nutzung und Historie nähergebracht. In einer Moorkammer kann man sogar selbst erleben, wie es sich anfühlt, mit beiden Füßen im tiefen Moor zu stecken. Der Fokus des Museums liegt selbstverständlich auch auf der Tatsache, dass das Moor im Laufe der letzten Jahrzehnte immer mehr zu einer bedrohten Landschaft geworden ist, weil es sich nur sehr langsam selbst regeneriert. Angesichts des schönen Sommerwetters entscheiden wir uns aber dafür, nun noch die nähere Umgebung zu erkunden, denn rund um das Schloss entfaltet die Natur ihre ganze Pracht. Landestrost befindet sich direkt an der Leine, geschützt von alten Wällen. Hier entdecken wir satte grüne Wiesen mit kleinen Fluss-Ausläufern unmittelbar hinter dem Schlossgarten. Innerhalb des Gartens kann man durch eine Art Baum-Allee laufen, die bei den derzeitigen Temperaturen wohltuende Kühle bringt. Aber auch die Größe der Hecken ist bemerkenswert und hat etwas Märchenhaftes an sich.

Märchenhaft: die Baum-Allee im Schlossgarten

Neustädter Legenden

Zu den Mauern rund um das Schloss gibt es sogar noch eine alte Legende zu verzeichnen. So soll beim Bau im Jahre 1580 ein Kind eingemauert worden sein. Der Hintergrund dafür war angeblich, dass die einstigen Südmauern dauernd eingefallen waren und als Opfergabe für die Stabilität schließlich einer Zigeunerin ihr Kind abgekauft wurde, welches dann eingemauert wurde. Die Mutter soll sich anschließend in den Festungsgraben gestürzt haben. An diese Geschichte erinnert noch heute ein Steinrelief an einer der Festungsmauern, historisch belegt ist die Legende aber natürlich nirgends. Immerhin hat sie einen gewissen morbiden Charme. Schießlich sind es ja oft historische Orte und vergangene Zeiten, welche die Phantasie anregen und Geschichten spinnen können. Mit derlei Gedanken im Kopf genießen wir noch ein wenig die Vorzüge der wunderbaren Gartenanlage, innerhalb der man schattige und entspannte Plätze am Fluss finden kann und sich bei den mit Efeu berankten Eingängen ein wenig wie eine Prinzessin oder ein Prinz fühlen kann. Anschließend machen wir uns auf den Heimweg nach Hannover.

Schloss Landestrost
Schlossstraße 1, 31535 Neustadt am Rübenberge
www.stiftung-kulturregion.de/schloss-landestrost.html [1]

Fahrtzeit von Hannover-Stadtmitte: ca. 30 Minuten
Ausflugsdauer: ca. 4 Stunden

(Fotos: Susanne Haupt)

„Mit dem Quicar in die Region. Ausflugstipps der langeleine-Redaktion“ erscheint mit Unterstützung von Quicar – Share a Volkswagen [2].

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