Susanne Viktoria Haupt
10. August 2012

Niedersachsens violette Prärie

Mit dem Quicar in die Region. Ausflugstipps der langeleine-Redaktion. Heute: die Lüneburger Heide

Im ständig wechselnden Licht beinahe surreal: die Lüneburger Heide

Momentan ist Urlaubszeit. Meine Freunde liegen irgendwo am Strand von Korfu, besetzen rote Holzhäuser in Schweden oder trampen durch Europa. Darum ist es eine gute Idee, auch mal wieder den Alltag in Hannover hinter sich zu lassen und einfach wegzufahren. Eine Tour mit dem Quicar in die Lüneburger Heide scheint da sehr angemessen, zumal die lila Heide einem auch ein provenzalisches Lavendel-Feld suggerieren kann. Auf dem Weg Richtung Norden schüttet es unverhofft aus Kübeln, und mein Kollege und ich hängen lachend in den Sitzen des Autos angesichts dieser wunderbaren Wetterverhältnisse und der Abwesenheit jeglicher Regenkleidung. Wenigstens bin ich mit Flanellhemd und Cordhose wandertauglich gekleidet. Aber umso näher wir der Heide kommen, desto klarer wird glücklicherweise auch der Himmel. Angepeilt ist der kleine Ort Undeloh inmitten der Lüneburger Heide und verträumt wäre die passende Bezeichnung für unser Ziel. Um nach Undeloh zu gelangen, müssen wir die „Romantische Heidestraße“ entlangfahren. Der Ort selbst wirkt ein wenig wie eine norddeutsche Variante der Provence. An den Straßen stehen Stände, an denen man Heidekörbe, Heidehonig oder andere heimische Produkte kaufen kann. Um die Touristen und Naturliebhaber mitten in die Heide bringen zu können, stehen überall Kutschen zur Verfügung. Wir suchen uns mit dem Quicar allerdings erst einmal einen flauschigen Parkplatz, um dann zu Fuß weiterzugehen.

Typisch: die Sandheide in Undeloh

Die mit den Bienen tanzen

Barfuß und frohen Mutes beschreiten wir den Wanderweg direkt in Niedersachsens violette Prärie-Landschaft, denn genauso sieht es hier aus. Wilde weite Felder voller Heide, rauhen Gräsern dazwischen und einem von der Sommersonne gewärmten Boden. Die kleinen Hügel sprechen uns besonders an, und so wagen wir es, vom gemeinen Weg abzukommen und jenseits der Pfade die Gegend zu erkundschaften. Wir interessieren uns vor allem für ein hausähnliches Objekt, dass sehr verlassen mit seinem Reet-Dach auf einer Wiese steht. Glücklicherweise erkenne ich – noch bevor mein Kollege das seltsame Gebilde einfach betritt -, dass der Bau eine Zuchtstätte für Bienen ist und das merkwürdige Summen um uns herum nicht auf einen stadtlärmbedingten Tinitus zurückzuführen ist, sondern auf mehrere hundert Bienen, die hier fröhlich leben und wahrscheinlich ungern von uns gestört werden möchten. Im selben Moment wird uns klar, dass die Bienen nicht nur in diesem Haus leben, sondern auch die ganze Heidewiese, auf der wir uns befinden, ihr eigen nennen. Barfuß zu gehen war also eine schlechte Idee, und um mich vor etwaigen Fuß-Kontakten mit bis dato noch friedlichen Bienen zu bewahren, muss mein Kollege als Pack-Esel herhalten und mich heldenhaft in Sicherheit tragen. Aber was tut man nicht alles, um seine liebste Kollegin vor fiesen Stichen zu beschützen. Sicherheit finden wir hoch oben auf einem Hügel, weit entfernt vom Bienen-Dorf und mit herrlichem Blick auf die Umgebung. Hier entdecken wir auch wunderschöne Wacholder-Bäume, die wie einsame Säulen die niedrigwüchsige Landschaft durchbrechen. Dunkle Wolken wechseln sich mit weißen ab, Sonnenschein kommt durch, wir nehmen Platz und genießen die Ruhe und die weit entfernten Klänge von Pferdehufen und quietschenden Kutschrädern.

Irgendwie voller Understatement und trotzdem sehenswert: die Prärie im Norden Deutschlands

Barfuß durch die Welt

Nachdem sich mittlerweile die dunklen Wolken am Himmel wieder unschön kumulieren, treten wir den Weg zum Auto an, landen aber dennoch im Prasselregen, da es unterwegs noch viele interessante Käfer zu entdecken gibt. Im Auto trocknen wir uns erst einmal ab und schauen auf unsere Umgebungskarte, um zu planen, wo wir als nächstes hinfahren können. Der Regen wird sicherlich nicht den Rest des Tages andauern und wir haben Recht, denn die Sonne macht sich umgehend wieder breit, doch der erhoffte Regenbogen bleibt leider aus. Attraktive Ziele in der Lüneburger Heide gibt es genug. Alleine die verschiedenen Wälder, beispielsweise der Hutewald bei Wilsede nahe Undeloh oder die Stühbüsche auf dem Wümmeberg sind interessant, unglaublich schön anzusehen und laden zu einem Spaziergang. Ebenso besuchenswert sind Moorlandschaften wie das Grundlose Moor, das Pietzmoor oder das Große Moor. Wenn man die Heide-Landschaft mit ihren einmaligen Natur-Vorkomnissen in vollen Zügen genießen möchte, kann man aber auch beispielsweise in den Barfußpark nach Egestorf fahren und ganz ohne Schuhe durch verschiedene Fühl- und Erlebniswelten tapsen, dabei tief im Moor versinken oder über Natursteinen die Zehen kreisen lassen. Egal ob mit der ganzen Familie oder Freunden – barfuß ist die Welt manchmal leichter zu begehen. Und für Architektur- und Theologie-Fans gibt es im Bereich der Lüneburger Heide obendrein sechs gut erhaltende Klöster, die man besuchen kann. Da die gesamte Region durch das Ödland schwach besiedelt und nicht gerade für ihre Fruchtbarkeit bekannt ist, hat sich früh die Heide-Imkerei etabliert. Ein großes Glas Heide-Honig ist daher unerlässlich für unseren Besuch.

Der gemeine Wacholder und seine Freunde

Kuchen und Kakao

Nach soviel frischer Luft und nachdem wir uns kilometerweit durch die unzähligen kleinen Heide-Ortschaften haben treiben lassen und ganze zwei Kilo Heidelbeeren verdrückt haben, suchen wir nach einem netten Café, in dem wir unsere mit Frischluft vollgetankten Körper eine Runde parken können. Kleine ländliche Cafés gibt es in diesen Gegenden zuhauf und so dauert es nicht lange, bis wir vor einer guten Tasse Kakao mit einem leckeren Stück Kuchen beziehungsweise Laugengebäck sitzen. Fast sind wir gar geneigt, eine der zahlreichen in der Gegend befindlichen Ferienwohnungen zu beziehen, weil es gerade so schön ist und die Landschaft an diesem Tag noch lange nicht ausreichend erkundschaftet werden konnte. Irgendwie ist das Wetter-Chaos des heutigen Tages auch schön, denn die Sonne und die Wolken, der kühle Wind und der ab und an niederprasselnde Regen passen zu dieser Gegend. Jetzt fahren lachende Familien in Regen-Jacken und kurzen Hosen auf Fahrrädern an uns vorbei, Menschen mit Walking-Stöcken machen sich auf den Weg, und wir schauen auf die Uhr, bemerken, dass es schon spät am Nachmittag ist und fragen uns, wo der Rest des Tages geblieben ist. Wahrscheinlich irgendwo zwischen Heide und Wacholder, Pferdekutschen und Käfern, zwischen Wolken und Regentropfen, die an unseren Wangen heruntergeglitten sind.

Das Wertvollste an so einem Ausflug ist aber – neben dem Erleben unbekannter Ecken und wunderschönen Landschaften – dann doch vor allem die Ruhe, die man findet und die Zeit, mit einem guten Freund längst anstehende Gespräche zu führen, Momente des Lachens und des Weinens zu genießen, Zeit zu finden, sich in den Arm zu nehmen und fernab von allem einen ungeschönten Blick auf das zu werfen, was zu Hause auf einen wartet. Am Ende bleibt eine Erkenntnis: Egal, wo Ihr hinfahrt, ob in die Lüneburger Heide, in die Leinemasch oder nach Hamburg: Nehmt Euch die Menschen mit, mit denen es unglaublich wichtig ist, mal wieder ein wenig Zeit zu verbringen, etwas zu erleben. So kann bei einem Ausflug eigentlich nichts schiefgehen, auch, wenn man den Regenschirm vergisst.

Lüneburger Heide
www.lueneburger-heide.de

Fahrtzeit von Hannover-Stadtmitte: ca. 60-70 Minuten
Ausflugsdauer: ca. 5-6 Stunden

(Fotos: Susanne Haupt)

„Mit dem Quicar in die Region. Ausflugstipps der langeleine-Redaktion“ erscheint mit Unterstützung von Quicar – Share a Volkswagen.


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Kategorien: Lokalitäten

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