Henning Chadde
13. August 2012

Ganz schön Hammer!

Das Verhör: „Spiral Shadow“ von Kylesa

Komplex, düster, bretthart und vollkommen auf den Punkt: „Spiral Shadow“, Album-Cover

Heute kommen wir in unserer Platten-Rezensions-Kolume „Das Verhör“ einmal zu der Abteilung „Wiedergehört und immer noch für Hammer befunden“. Epische Metal- und Post-Sludge-Noise-Irgendetwas-Bands gibt es ja bekanntlich wie Sand am Meer, und das ist auch gar nicht mal schlecht so. Bands wie Isis (R.I.P.), Mastodon, Baroness und in bestimmten Teilen auch der Instrumental-Post-Rock-Bereich haben eine bleibende und wegweisende Wirkung auf die Entwicklung der heutigen, harten bis metal-lastigen Stromgitarren-Welt der abseitigen und kontra-mainstreamartigen Prägung. Eine Band, die sich nahtlos in diese Liga einordnen lässt, ist die US-Sludge-Stoner-Doom-Legende Kylesa aus Savannah in Georgia. Kenner der Szene mögen wissen, dass Kylesa sozusagen als Steigbügelhalter ihrer Landsleute und Sound-Sidebuddies Baroness gelten, haben sich eben jene doch nach dem Besuch einer Kylesa-Show im Jahre 2003 begeistert zur eigenen Band-Gründung entschieden. Mit ihrem fünften und immer noch aktuellen Werk „Spiral Shadow“ haben Kylesa für den Geschmack des Rezensenten im Jahre 2010 allerdings den deutlich größten Entwicklungsschritt im benannten Genre hingelegt. Und ihre durchaus respektablen Kollegen bis zum heutigen Tage weit hinter sich gelassen.

Kommen die ersten vier Kylesa-Alben noch mit einem brachial-explosiven und deutlich Neurosis-infizierten Hau-den-Lukas-Doom um die brüllbesetzte Wucht-Ecke, haben sie sich auf „Spiral Shadow“ auf alle ihre Stärken besonnen, die Song-Strukturen entkleidet und mit jeder Menge Groove, Heavyness, Soundspielereien und grandiosen Melodie-Bögen aufgeladen. Hinzu gesellt sich eine epische Düsterness, die das komplette Album mit einer wohlgesetzten, akzentuierten Laut-Leise-Dynamik durchzieht und die Platte komplett aus einem melancholisch schmiedeeisernen Guss erscheinen lässt, der durchgängig Hit-Potenziale abfeuert. Kein Scherz. Vorausgesetzt natürlich, man kann der härteren Gitarren-Gangart etwas abgewinnen. Das Beeindruckende dabei: Kylesa schaffen es mühelos, ihre Härte-Epen beinahe durchgängig in das berühmt berüchtigte dreieinhalb Minuten-Format zu verstauen – sie kommen auf „Spiral Shadow“ mit elf Songs auf schlanke vierzig Minuten. Vierzig Minuten, die allerdings locker wie eine ganze Stunde wirken, begeht die Band doch niemals den Fehler vieler ihrer Genre-Soundalikes, ihre Songs ins Unendliche auszuwalzen. Was ja ganz schön sein kann, wenn zum Beispiel halluzinogene Substanzen im Spiel sind, ansonsten aber einem ehrlich zupackenden und auf den Punkt ausgerichteten Musik-Ereignis eher abträglich ist. Sehr beeindruckend. Und vor allem im Ergebnis eine Scheibe, die nicht einen einzigen Aussetzer vorzuweisen vermag. Aus einem Guss eben. Ein musikalisch punktgenauer Lava-Guss in das zentrale Nervensystem des Zuhörers. Und dabei ob seiner reduziert-pointierten, riff-orientierten Komplexität ein echter Doping-Schub mitten ins darbende Herz aller Stoner-Fans. So geht das. Bands, die mit den Buchstaben KY anfangen eben. Hier gibt es denn auch keine Anspieltipps, denn man muss alles in einem Rutsch hören. Grandios geiler, harter und zugleich schwerst mitreißender Arschtritt-Scheiß. Um mal amtlich im Mucker-Jargon zu wildern. Ehrlich jetzt.

Kylesa: „Spiral Shadow“, CD, 11 Songs, ca. 40 min., Season Of Mist

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Kategorien: Musik

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