Susanne Viktoria Haupt
24. August 2012

Betrachtungen von oben

Mit dem Quicar in die Region. Ausflugstipps der langeleine-Redaktion. Heute: der Harz

Wunderbare Aussicht aus 483 Metern Höhe: Blick vom Burgberg im Harz

In den letzten Wochen legte sich die Hitze an manchen Tagen wie ein undurchlässiger und träger Schleier über die Stadt. Die nahen Badeseen und Schwimmbäder waren mehr als überfüllt, und um auch nur ein Eis zu bekommen, musste man locker eine halbe Stunde in der Schlange stehen. Diese Umstände bringen uns auf die Idee, uns einen schattigen Platz in den Bergen zu suchen, denn dort ist es schön ruhig, und der Sommer lässt sich trotzdem in vollen Zügen genießen. Glücklicherweise hält Niedersachsen die wunderschöne Gebirgslandschaft Harz bereit und so entern wir das Quicar und suchen bei molligen 30 Grad den Weg Richtung Brocken und Co. In den Bergen angekommen, verspüren wir ein bisschen Druck auf den Ohren, während sich das weiße Auto entlang der Klippen schlängelt. Motorradfahrer düsen an uns vorbei, und wir bewundern deren Mut bei den Schieflagen in den Kurven. Auf vier Rädern fühlen wir uns sicherer. Als erstes machen wir Station in Torfhaus, der höchstgelegenen Siedlung Niedersachsens, die zwischen Braunlage und Bad Harzburg liegt. Der kleine Ort hält einen wunderbaren Blick direkt auf den Brocken bereit, jedoch auch auf unzählige Motorradfahrer, die ihre Maschinen zur Anerkennung der anderen Biker auf dem Parkplatz laut aufgröhlen lassen. Wir entschließen uns, weiterzufahren und steuern das neun Kilometer entfernte Bad Harzburg an. Der schöne Kurort bietet neben einer großen Sole-Anlage viele schöne Ecken zum entdecken. Die ruhige Einkaufspassage ist wunderschön begrünt, an den Laternen hängen Blümenkörbe, und hier und da entdecken wir kleine, aber feine Parkanlagen. Wir spazieren an einem Bach entlang, dessen Wasser sich stilvoll zwischen großen, kantigen Steinen hindurchschlängelt. Ältere Menschen sitzen in der frühen Nachmittagssonne entspannt auf schattigen Bänken oder in Cafés mit Palmen auf der Terasse. In den Souvenir-Shops können Hexen auf Besen gekauft werden und jede Menge Sonnenmützen und Karten vom Harz. Direkt vor den Toren der Stadt können Besucher den Radau-Wasserfall begutachten und sich mittreiben lassen von seinem angenehmen Plätschern.

Zwischen Blumen, Bach und Bäumen: Spaziergang durch den Kurort Bad Harzburg

Mit der Seilbahn auf den Burgberg

Unser Interesse wird jedoch von einer Seilbahn geweckt, die direkt hinauf auf den Burgberg führt, denn auf einen richtigen Berg möchten wir heute auf jeden Fall, und der eher beschwerliche Aufstieg auf den Brocken erscheint uns bei dieser Hitze als nicht angemessen. Der Burgberg wacht mit 483 Metern direkt an der Stadt Bad Harzburg über seine Bewohner und alle Urlauber. Etwas mulmig wird mir schon beim Anblick der kleinen Seilbahn, denn ich bin bisher noch nie mit so einer Art Verkehrsmittel gefahren. Ein großes Plakat am Talhaus der Bahn verweist allerdings auf den wunderbaren Ausblick und so lasse ich mich überzeugen und wir buchen die Auf- und Abfahrt, damit wir auf der sicheren Seite sind, falls wir keine Lust verspüren sollten, die drei Kilometer zu Fuß wieder hinabzusteigen. Nach gefühlten zwei Minuten haben wir die luftige Höhe erreicht, und mein Magen ist schon etwas leichter. Allein für den Ausblick hat sich die Fahrt tatsächlich gelohnt. Sowohl die Stadt als auch weite Wiesen und Felder liegen uns zu Füßen. Ein Gefühl der Größe befällt uns, zumal von hier oben doch jede alltägliche Schwierigkeit so winzig wirkt. Berge sollen Kraft geben, wurde mir einmal gesagt, und wenn man so hoch oben auf einem solchen steht, meint man dies auch zu merken. An Absperrungsketten sind kleine Schlösser angebracht, auf denen Verliebte ihre Schwüre verewigt haben, Freunde ihre Best-friends-Segnungen hinterließen oder Familien einfach nur ein Andecken an einen gemeinsamen Tag in den Bergen hinterlassen haben. Nachdem wir eine Weile den Ausblick genossen haben, ist es nun an der Zeit für eine große Portion Schokoladen- und Erdbeer-Eis mit Sahne. Mit dieser Stärkung im Bauch entschließen wir uns, später doch lieber zu Fuß abzusteigen und die Landschaft zu genießen, anstatt erneut die Seilbahn zu nehmen. Aber natürlich nicht, ohne vorher noch die Harzburg zu begutachten, die hoch oben auf dem Burgberg thront.

Ewige Liebe: Besucher haben sich auf dem Burgberg verewigt

Die Harzburg und der Gang nach Canossa

Die Harzburg, eine ehemalige Kaiserburg, besteht nur noch in Form einer Ruine. Sie wurde von König Heinrich IV. zwischen 1065 und 1068 in luftiger Höhe errichtet und sollte zur Sicherung der Kaiserpfalz Goslar dienen. Im Laufe ihrer Geschichte musste die Harzburg viele Beschädigungen hinnehmen, beispielsweise im Sachsenkrieg und dann auch durch Plünderungen von Bürgern, die die Burg 1074 vollends zerstörten. Unter Kaiser Friedrich I. wurde der Wiederaufbau der Burg angegangen und unter Kaiser Otto IV. abgeschlossen. Geschichtsträchtig ist auch die Canossa-Säule am Rande des Berges. 1872 hatte sich das Deutsche Reich unter Reichskanzler Bismarck mit dem Vatikan in einen Streit begeben, da dieser einen deutschen Gesandten abgelehnt hatte. Daraufhin sagte Bismarck: „Seien Sie außer Sorge, nach Canossa gehen wir nicht – weder körperlich noch geistig“. Später wurde in Erinnerung dieses Satzes eine Canossa-Säule mit gleicher Inschrift auf dem Burgberg errichtet. Die 19 Meter hohe Säule sollte aber nicht nur an Bismarcks Worte erinnern, sondern auch an einen 800 Jahre älteren, ähnlichen Streit zwischen Papst Gregor VII. und dem deutschen König Heinrich IV, der barfuß nach Canossa zog, um Buße zu tun, allerdings drei Tage lang demütig vor den Toren der italienischen Burg ausharren musste, bis sich der Papst herablies, um Vergebung auszusprechen. Diese erzwungene Unterwürfigkeit der Deutschen gegenüber dem Vatikans verankerte sich daraufhin im kollektiven Gedächtnis. Um die vielfältige Historie der Harzburg und des Burgbergs aufzuarbeiten und zu dokumentieren, hat sich der Förderverein Historischer Burgberg Bad Harzburg gegründet. Wir empfinden es jedoch an diesem sommerlichen Tag als seltsam, an einem so bedeutungsschwangeren Orte zu stehen und nur noch ein paar Steine vergangener Tage sichten zu können. Angesichts der sich allmählich senkenden Sonne irgendwie geheimnisvoll, doch wir beschließen, nun bald aufzubrechen, bevor wir den Berg im Halbdunkeln hinablaufen müssen.

Nur noch ein paar übriggebliebene Grundmauern und Schilder erinnern an die königliche Harzburg

Abstieg in den Alltag

Guten Mutes machen wir uns auf den Weg ins Tal. Die immer noch glühende Abendsonne macht uns zwar durstig, aber im Harz erscheint es uns nicht ganz so heiß wie in der Stadt, zumal wir alle paar Meter Schutz unter dichtem Blattwerk finden. Der Weg ist holprig, scharfkantige Steine liegen herum, und barfuß laufend fühle ich mich etwas wie ein Hobbit im Auenland. Während die Stadt immer näherkommt, machen wir an jeder zweiten Ecke Halt, um nochmal den Ausblick genießen zu können. Es ist wunderbar ruhig und wir unterhalten uns viel, da wir hier im Harz unsere eigenen Worte und die des anderen ohne jeden Hintergrund-Straßenlärm verstehen können. Und auch, wenn zumindest der naheliegende Kurort bevorzugt von älteren Herrschaften besucht wird, wird uns klar, dass wir Stadtmenschen uns irgendwie nach genau so etwas gesehnt haben: Spaziergänge am Bach zwischen Blumen und Bäumen, ein gelegentlicher Ausblick vom Berg hinab und viel frische Luft. Wer immer das Bedürfnis hat, dem alltäglichen Lärm und der Hektik zu entfliehen – wir können den von Hannover aus nur zwei Stunden entfernt liegenden Harz nur weiterempfehlen. Er bietet eine herllich weite Natur, die Energie der Berge, wundervolle Farben und gibt einem die Fähigkeit, tief und lang einatmen zu können. So eine Kur hat sicherlich noch niemandem geschadet.

Der Harz
www.harzinfo.de
Fahrtzeit von Hannover-Stadtmitte: ca. 2 Stunden
Ausflugsdauer: ca. 6-8 Stunden

(Fotos: Susanne Haupt)

„Mit dem Quicar in die Region. Ausflugstipps der langeleine-Redaktion“ erscheint mit Unterstützung von Quicar – Share a Volkswagen.


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Kategorien: Lokalitäten

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