Henning Chadde
27. August 2012

Reif!

Das Verhör: „Soultravel“ von Kneeless Moose

Knielos, aber mit Rückgrat: Kneeless Moose, „Soultravel“, Album-Cover

Vermutlich werden Kneeless Moose den Hinweis auf ihr Alter nicht mehr hören können. Dennoch sei er erlaubt, denn was das hannoversche 70ties-Rock-Trio rund um den Gitarristen und Sänger Thomas Wisniewski sich an Retro-Sounds aus dem Ärmel schüttelt, lässt eher an gestandene Mit- bis Endvierziger denken, denn an drei Burschen, die gerade einmal Anfang zwanzig sind. Respekt, verortet sich das Keeless Moosesche Schaffen doch genau in der eigentlichen Altherren und -frauen-Schnittmenge aus Woodstock-Feeling, Bluesanleihen und durchaus funkigem Soul- und Psychedelic-Rock. Garniert mit einer punktgenau groovenden Rhythmusarbeit, überaus extatischem und versiertem Gitarrenspiel und einer Stimme, die tatsächlich kongenial abgehangen nach Hippie-Rauchwerk und Jack Daniels riecht.

Kaum zu glauben also, dass Kneeless Moose mit „Soultravel“ erst ihr Debüt-Album herausbringen, klingt das Schaffens-Universum der Band doch nach unendlichen Jahren und Erfahrungen „on the road“ und im Rock-Biz. Anders gesagt: die Jungs klingen einfach beeindruckend reif. Und das wohltuend in einem Bereich, der im Elektro-Indie-Zeitalter gemeinhin als angestaubt und einfach nur „retro“ gilt und den jungen Hipster wohl kaum von der Spiele-Konsole wegzulocken vermag. Kneeles Moose dürfte das alles ohnehin nicht kümmern, ziehen sie doch mit einer ungebändigten Spielfreude und selbstbewussten Leichtigkeit einfach ihren Stiefel durch und stehen zappelnden Club- und Szenetrends vermutlich eh gleichgültig achselzuckend gegenüber. Bemerkenswert und und nicht zuletzt nachzuhören auf Songs wie „In the rain“, „Learn to be bad“, „Kneeles Moose“ und dem titelgebenden „Soultravel“. Um exemplarisch nur vier Songs herauszupicken – funktionieren sie im Verbund mit ihren weiteren acht Songbrüdern und -schwestern auf dem Album doch tatsächlich wie aus einem Guss. Mag abgedroschen klingen, ist aber so. Nochmal Respekt und live sicherlich eine astreine Überraschungs-Bombe.

Kneeless Moose: „Soultravel“, CD, 12 Songs, 48 min., Timezone Records

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Kategorien: Musik

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