Henning Chadde
6. September 2012

„Sprache verbindet, auch in der Generation Facebook“

Explosiv, intelligent, scharfzüngig und poetisch: Beim Kulturkiosk tritt am 14. September mit Meral Ziegler eine der begabtesten Poetry Slammerinnen im deutschsprachigen Raum auf. langeleine.de hat der Hamburgerin vorab auf den Zahn gefühlt

Bereit das Kulturkiosk-Publikum mitzureißen: Meral Ziegler

langeleine.de: Meral, mal ein offener Einstieg zu Beginn: Literatur rockt, weil…

Meral Ziegler: …sie so unberechenbar unterschiedlich ist. Literatur kann einen in die verschiedensten Stimmungen versetzen und Wunschträume, zumindest in Nebenrealitäten, erfüllen.

ll: Du bist Jahrgang 1993 und seit über zwei Jahren als Slam-Poetin bundesweit sehr erfolgreich unterwegs. Gemeinhin wird Deine Generation für literarisch uninteressiert gehalten und in den Medien schlicht als „Generation Facebook“ bezeichnet. Trotzdem gibt es im Poetry Slam eine sehr starke und aktive U20-Szene. Wie schätzt Du Deine Generation ein?

Ziegler: Ich bin einer der vielen Gegenbeweise dafür, dass meine Generation alles andere als literarisch uninteressiert ist. Außerdem denke ich, dass das Eine das Andere nicht ausschließt. Klar wächst meine Generation mit einer medialen und technischen Bandbreite auf, die es früher nicht gegeben hat. Trotzdem kann man sich doch für das geschriebene oder gesprochene Wort interessieren. Poetry Slam ist in einer Gewissen Art und Weise auch Protest gegenüber den Vorurteilen, die das allgemeine Gesellschaftsbild uns aufdrängt. Da stehen Menschen auf einer Bühne mit selbstgeschriebenen Texten und lesen ihre ganz persönlichen Gedankenkonstrukte vor. Eine so direkte Art der Kunst spricht Menschen aus jeder Generation an. Sprache verbindet, auch in der „Generation Facebook“.

Nicht schwarz-weiß, sondern literarisch nachhaltig und bunt: Meral Ziegler in Aktion

ll: Slam Poetry, Lyrik, Rap-Lyrik, Kurzgeschichten und Performance-Literatur – schriftstellerisch hast Du viele Interessen und Schwerpunkte. Gibt es ein Lieblings-Genre unter den genannten?

Ziegler: Nein. Es ist schwierig all diese Genres miteinander zu vergleichen, da sie jeden einzelnen ganz unterschiedlich unterhalten, oder zum Nachdenken anregen. Natürlich muss man für sich selbst herausfinden, in welche Richtung man am liebsten schreibt, aber ob sich daraus ein „Lieblings-Genre“ herauskristallisiert, bezweifle ich.

ll: Schreibst Du ausschließlich für die Bühne?

Ziegler: Ich schreibe in erster Linie für mich selbst, weil ich etwas loswerden muss. Die Texte, die dabei entstehen sind häufig für die Bühne gedacht, aber manchmal kommt es eben anders. Nicht alles was ich schreibe landet auf der Bühne. Das meiste sogar landet im Müll.

Über das Mikrofon in die Herzen der Zuhörer…

ll: Was inspiriert Dich zu Deinen Texten?

Ziegler: Wahrscheinlich alles was ich erlebe. Die Menschen, die mich umgeben und auch die Umstände und Emotionen, die bei mir hervorgerufen werden. Wenn ich genau wüsste was mich inspiriert, würde ich den Stift nicht mehr aus der Hand legen.

ll: Wo siehst Du Dich in zehn Jahren mit Deiner Literatur?

Ziegler: So weit in die Zukunft schaue ich nicht. Das Leben ist zu kurz um sich über alles Gedanken zu machen und der Druck dem ich mich damit aussetzen würde, zu hoch.

ll: Was darf das Kulturkiosk-Publikum von Dir erwarten?

Ziegler: Gesellschaftskritische Texte, verpackt in Metaphern, Rhythmus und Prosa. Mit leisen und lauten Worten werde ich unterschiedlichste Themen anschneiden und mit Euch den Abend genießen.

ll: Meral, ganz herzlichen Dank für das Gespräch.

Nicht verpassen:

Meral Ziegler präsentiert am Freitag, dem 14. September, beim Kulturkiosk von langeleine.de eine wort- und pointengewaltige Auswahl ihrer besten Texte.

(Fotos: Pressefotos (1,2), Susanne Haupt (3))

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Kategorien: Literatur, Menschen

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