Susanne Viktoria Haupt
13. September 2012

„Schön ist es ja immer, wenn Erwartungen übertroffen werden“

Gediegener Indie-Pop mit nachhaltigen Texten: langeleine.de hat die Jungs von Phonogramm zum Kulturkiosk eingeladen. Und ihnen im Vorfeld ein paar Fragen gestellt

Fünf für den Kulturkiosk: Phonogramm

langeleine.de: Gestartet seid Ihr als Duo, mittlerweile seid Ihr zu fünft. Was hat Euch dazu bewogen die Band auszubauen?

Phonogramm: In erster Linie der Wunsch nach mehr Fülle. Das fängt mit dem Beat an, also dem Schlagzeuger, der dann seinen besten Kumpel, den Bassmann, mitbringt, der wiederrum ’nen Kumpel hat, der ganz hervorragend Orgel spielen kann. Eigentlich kam die Band eher zu uns. Jetzt können wir sowohl als auch: Eben bei kleinen Auftritten als Duo oder Trio – was wir auch ausgiebig gemacht haben im Rahmen von beispielsweise Lesebühnen wie den Nachtbarden im Theater am Küchengarten, oder auf dem Schmuckplatzfest auf der Bumbier-Bühne -, oder wir spielen eben das volle Programm mit der ganzen Band, die auch gerne noch wachsen darf!

ll:Deutsche Texte sind nicht die einfachste Wahl im Musikgeschäft. Wie kam es zu der Entscheidung deutschsprachige Musik zu machen?

Phonogramm: Nun ja, Musik als Geschäft ist ja schon mal nicht die einfachste Wahl. Aber unsere Sprache ist, glaube ich, in den letzten Jahren musikalisch gut vertreten worden. Ich denke da vor allem an die deutsche HipHop-Kultur und die neue deutsche Pop-Musik. Deutsche Texte sind ja nicht mehr nur mit Peter Maffay oder Frank Zander zu assoziieren, sondern eben auch mit den Fanta 4, Dendemann, den Absoluten Beginnern oder Clueso, von denen Letztgenannte ja auch mittlerweile der guten Popm-Msik zugeneigt sind.

ll: Ale, Du zeichnest bei Phonogramm als Sänger verantwortlich. Wo findest Du die Inspiration zu Deinen Texten?

Phonogramm: Wenn ich Euch das verrate, ist das ja kein Geheimnis mehr und es gibt haufenweise Nachahmer… Nein, im Ernst, es kommt oder kommt nicht! Erzwingen kann man das nie. Meistens kreist irgendetwas im Arbeitsspeicher, dann schreibt man das mal auf, dreht und wendet ein bisschen, kürzt die Hälfte weg und das ist es dann so im Groben.

Phonogramm sitzen nicht nur lässig auf dem Sofa, sondern arbeiten auch gerade am selbstproduzierten Album

ll: Mit fünf Bandmitgliedern gibt es sicherlich jede Menge musikalische Impulse. Wie laufen bei Euch die Proben und die Arbeit an neuen Songs ab?

Phonogramm: Wir haben jede Menge Input, das stimmt. Deshalb haben wir wahrscheinlich ständig Besuch von anderen Musikern bei unseren Proben und oft läuft einfach das Bandgerät mit und es wird quer durch alle Stile gejammt. Wir finden aber immer die Zeit an einzelnen Songs zu feilen oder mal was Neues auszuprobieren. So sind jetzt etwa vierzig Song-Ideen auf Halde, die noch auf den richtigen Textimpuls warten. Wenn’s also mal stockt, dann liegt’s daran…

ll: Habt Ihr konkrete Pläne hinsichtlich der Band und Eurer Musik? Darf man eine CD von Phonogramm erwarten?

Phonogramm: Ja, wir arbeiten gerade an einer Selbst-Produktion, die wir als Demo veröffentlichen wollen. Das ist dann kleinschrittige Studioarbeit die uns nicht so liegt, aber die natürlich eine wichtige Komponente darstellt. Ich werde oft gefragt: „Habt Ihr eigentlich ’ne CD?“ und ich muss dann verneinen und sagen: „Wir arbeiten dran!“. Ansonsten wollen wir uns als Band natürlich weiterentwickeln und neben unseren zahlreichen anderen Projekten (SpVgg Linden-Nord, Salad Days etc.) möglichst viele Auftritte spielen und Leute erreichen.

ll: Was war Euer schönster Auftritt beziehungsweise Euer tollstes Bühnenerlebnis bisher?

Phonogramm: Schön ist es ja immer, wenn Erwartungen übertroffen werden und das war zum Beispiel bei einem Auftritt im Wendland im Rahmen der Proteste gegen den Castortransport 2010 so. Da wussten wir überhaupt nicht, was auf uns zukommt. Tatsächlich stand dann da ein beheiztes Zirkuszelt, der Musenpalast von Willem Wittstamm, in dem 72 Stunden rund um die Uhr Kultur und warmes Essen als Gegenpol zu den ewig kreisenden Hubschraubern und Polizei-Barrieren geboten wurde. Da haben wir nach einer Lesung von Charlotte Roche, Rocko Schamoni und Bela B. gespielt, uns ’ne Kiste Bier geteilt und sind am nächsten Tag vor dem Comedy-Duo Misfits aufgetreten und dann nochmal abends vor vollem Zelt. Das kam sehr gut an, sowohl musikalisch als auch textlich und es war eine einmalige Stimmung. Nicht zuletzt durch das vorhandene Konflikt-Potenzial außerhalb des Zeltes.

ll: Last but not least: Was kann das geneigte Kulturkiosk-Publikum von Euch erwarten?

Phonogramm: Einen guten musikalischen Beitrag zu einem kulturell sehr abwechslungsreichen Abend. Wir freuen uns sehr darauf!!

ll: Vielen Dank für das Gespräch, auch wir freuen uns schon sehr auf Freitag.

Nicht verpassen:

Phonogramm beehren am Freitag, dem 14. September, den Kulturkiosk von langeleine.de mit einem musikalischen Programm der besonders gediegenen Art.

(Fotos: Pressefotos)

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Kategorien: Menschen, Musik

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