Susanne Viktoria Haupt
22. Oktober 2012

Auf den Captain ist Verlass

Das Verhör: „Treibeis“ von Captain Planet

Wo Captain Planet draufsteht, ist auch Captain Planet drin: „Treibeis“, CD-Cover

Captain Planet sind spätestens seit ihrem 2009 erschienenen Album „Inselwissen“ in der Punkrock-Szene keine Unbekannten mehr. Aber auch schon ihr Debütalbum „Wasser Kommt Wasser Geht“ wurde dank Songs wie „Ohne Worte“ oder „Hundertzwanzig Sachen“ zu einem beliebten Dauerbrenner, und die Konzerte der Hamburger Jungs sind seitdem stets gut besucht. Ihre neue Platte ist nun erstmals auf dem Label „Zeitstrafe“ erschienen und nicht – wie die Vorgänger – bei „Unterm Durchschnitt“. Und wenn man sich „Treibeis“ das erste Mal anhört, ist man irgendwie beruhigt. Denn die Band rund um Jan Arne von Twistern bleibt ihrer Linie absolut treu. Für Unwissende: Captain Planet stehen für rasanten und emotionalen Punkrock mit schnellen Drums und hämmernden Riffs. Dazu kommt die Stimme von Arne, die einen großen Wiedererkennungswert besitzt und die Songs leicht zu identifizieren macht. Und genau das ist auch das Schöne an dieser Band, denn beim Hören ihres neuen Werks fühlt man sich – sofern man die Band schon länger kennt – direkt in die Anfangszeit versetzt und kann herrlich nostalgisch werden. So in etwa: „Oh, damals, als ich sie das erste Mal live gesehen habe mit meiner besten Freundin Steffi, und da waren doch Adolar als Vorband dabei – oder das zweite Mal, als sie bei den Kurkonzerten im Béi Chéz Heinz auftraten und die ganze Menge wild am Pogen war“. Hätte „Treibeis“ den Sound der Band einschlägig verändert, ich weiß nicht, ob die Erinnerungen an diese guten alten Zeiten genauso präsent wären.

Das Faszinierende an „Treibeis“ ist, dass sich der geneigte Hörer genau wie der Sound von Captain Planet wieder in den nahezu kryptischen Texten der Nordlichter verliert. Teils abgehackte und lyrische Sätze, viel Einsamkeit und Melancholie in kurzen Songs, die nie länger als drei Minuten dauern, einem aber sehr tief genau diese Gefühle vermitteln. Beispielsweise heißt es in dem Song „Spielplatz“: „Bis alle Flaschen leer sind, nur eine Nacht lang, in der keiner sagt, dass Du es nicht wert bist“. Der Interpretationsspielraum ihrer Texte ist riesig, aber immer geht es um Erinnerungen, um den Verlust und natürlich auch irgendwie um Bier, allerdings ohne derlei Verhalten in traditioneller Punk-Attitüde zu glorifizieren. Tristess, Isolation – nein, „Treibeis“ ist keine fröhliche Platte, aber eine, die einem das Ventil bietet, um der eigenen Frustration einmal Luft zu machen. Wirklich viel mag ich über das neue Album der Band gar nicht sagen, denn „Treibeis“ ist eine CD, die man hören und fühlen muss. Schön, dass auf Captain Planet immer Verlass ist. Vor allem dann, wenn man sich alleine auf einer treibende Eis-Scholle fühlt.

Captain Planet: „Treibeis“, CD, 11 Songs, Zeitstrafe, Cargo Records

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Kategorien: Musik

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