Susanne Viktoria Haupt
5. November 2012

Teuflisch gut

Seitenansicht: „Das Handwerk des Teufels“ von Donald Ray Pollock

Beherrscht das Handwerk des Schreibens: Donald Ray Pollock legt mit seinem Debüt einen höllischen Thriller vor

Ja, der Titel mag etwas plakativ klingen, aber bei „Das Handwerk des Teufels“ von Donald Ray Pollock passt er einfach. Vorab sei gesagt: Wer keinerlei Probleme damit hat, die eine oder andere Nacht nicht ganz so ruhig zu schlafen, und sich auch nicht daran stört, ein paar Albträume in den Schlaf eingewebt zu bekommen, der sollte dieses Buch unbedingt lesen. Für sanfte Gemüter ist das Werk hingegen eher nicht zu empfehlen. In sieben Abschnitte hat der amerikanische Schriftsteller sein Buch unterteilt, um die unheilvolle Geschichte von Arvin und dem mörderischen Pärchen Sandy und Carl zu erzählen.

Mitten in den Fünfziger Jahren im Mittleren Westen Amerikas: Zwischen Träumen von Aufstieg und Erfolg sind Gesetzlosigkeit und Grausamkeit an der Tagesordnung, ebenso religiöser Fanatismus und moralische Abweichungen. Der junge Arvin wächst bei seinem vom Krieg gezeichneten Vater Willard und seiner todkranken Mutter Charlotte auf. Er wird von seinem Vater dazu verdammt, alles in seiner Glaubensmacht Stehende zu unternehmen, um von Gott erhört zu werden, damit seine Mutter nicht sterben muss. Monate lang werden Tiere geopfert und auch ein Mensch muss sterben als Opfer für die göttliche Zuneigung. Dennoch bleibt die Mutter nicht am Leben, und auch der Vater stirbt, den Arvin mit durchgeschnittener Kehle auffindet.

Gerechtigkeit

Ganz nebenbei lässt Pollock seine Leser immer wieder an den Charakteren der anderen Kleinstadtbewohner teilhaben, die nicht selten mehr als eine saftige Straftat auf dem Kerbholz tragen. Von Mord, Prositution und Folter bis hin zur Korruption ist alles vertreten, was ein moralisches Sodom und Gomorra ausmacht. Als sich dann auch noch das überaus widerwärtige Ehepaar Sandy und Carl auf die Landstraßen und Highways begibt, um in aller Ödnis Männer aufzugreifen und ihnen Dinge anzutun, die die Verfasserin dieser Zeilen keinesfalls niederschreiben möchte, haben die Leser das Gefühl, schon an der Spitze des Unsagbaren angekommen zu sein. Aber Arvin wird erneut vom Schicksal getroffen, denn eine gute Freundin begeht nach einem Missbrauch durch den Ortsprediger Suizid. Fortan sieht er sich selbst dazu gezwungen, für Gerechtigkeit zu sorgen. Natürlich nicht, ohne den Weg von Carl und Sandy zu kreuzen…

Mehr als einmal muss man bei „Das Handwerk des Teufels“ kräftig schlucken. Dennoch schafft Donald Ray Pollock es trotz aller Grausamkeiten und albtraumhafter Schilderungen, einen distanzierten Erzählton beizubehalten, der seine Leser durch die einzelnen Kapitel trägt. Der 1954 geborene Literat absolvierte erst im Alter von 50 Jahren einen Kurs für Kreatives Schreiben an der Ohio State University und veröffentlichte danach seine Kurgeschichtensammlung „Knockemstiff“, benannt nach der Stadt in Ohio, aus der er selbst stammt. In der New York Times veröffentlichte er während der Präsidentschaftswahl 2008 Wahlberichte aus Süd-Ohio. Mit „Das Handwerk des Teufels“ liefert er nun einen unbarmherzigen Thriller und gleichzeitig einen Debüt-Roman, der trotz seiner vielen Facetten keineswegs den roten (und blutigen) Faden verliert.

Donald Ray Pollock: „Das Handwerk des Teufels“, Roman, 302 Seiten, Liebeskind, ISBN-13: 978-3935890854, 19,80 Euro

„Seitenansicht“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.

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Kategorien: Literatur

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