Jörg Smotlacha
12. November 2012

„Doch wenn ich stehen bleibe, dann ist Schluss“

Das Verhör: „Lied“ von Pit Przygodda

Melancholisch und nachdenklich: Pit Przygodda, „Lied“, CD-Cover

Überraschendes aus Hamburg: Der ehemalige Sänger der Gitarren-Pop-Band Go Plus, langjährige Mitstreiter und Frontmann der hannoverschen Kult-Combo Kamerun News und unermüdliche Neu-Entdecker von musikalischen Genres, Pit Przygodda, der aufgrund seiner zahlreichen innovativen Projekte schon diverse Male beim Kulturkiosk von langeleine.de zu Gast war – zuletzt im Juni mit seinem Partner Eckart Breitschuh Chansons von Jacques Brel vertonend -, hat eine neue Gesangs-Platte veröffentlicht. Sie heißt schlicht „Lied“, ist beim Berliner Independent-Label Solaris Empire erschienen und weist als Co-Produzenten und Mischer immerhin jemanden so namhaftes wie Tobias Levin auf, der bereits mit Acts wie Tocotronic, Jens Friebe, Kante, Surrogat oder Contriva arbeitete.

Das Ergebnis ist eine CD, die ihren Titel zu Recht trägt, denn es sind eindeutig die Songs und ihre Intentionen, um die es hier geht: Ob im mystisch-verklärten Opener „Kornkreise“ oder in den melancholischen Tracks „Dunkle Straße“ oder „Herbstlied“ – Przygodda bewegt durch seine nachdenklichen Texte und schreibt im wahrsten Sinne des Wortes „Lieder“. Auf „Lied“ gibt es keinen Pomp, keinen Bluff und auch keinen Rock’n’Roll. Dafür aber Songwriting pur. Musikalisch begleitet von langjährigen Gefährten wie dem Drummer Lars O. Horl, dem in Hannover bekannten Saxophonisten Jens Windeler oder seiner Lebensgefährin Geka, entwirft Przygodda ein Kaleidoskop aus nachdenklichen und persönlichen Impressionen über das Leben und die Liebe.

Herausstechend ist auf jeden Fall das verblüffend groovende Duett mit der Opernsängerin Daniela Strothmann („Ich Komm Wieder“) und die bedrohlich-düstere chansoneske Ballade „Schweres Schiff“. Und sonst: Viel Klavier, wenig Gitarre und viel Lied, denn der Name ist Programm. Und Pit Przygodda freut sich auf den Herbst. Das wird nicht nur in seinem „Herbstlied“ deutlich, denn auch der Rest des Albums ist weniger Hamburger Schule als pure Poesie, und Melancholie die vorherrschende Farbe: „Ich gehe eine dunkle Straße lang. Ich gehe langsam und ich gehe weit. So lang ich gehe, ist kein Ende in Sicht. Doch wenn ich stehen bleibe, dann ist Schluss.“ Chapeau. Dem ist wenig hinzuzufügen.

Pit Przygodda: „Lied“, CD, 11 Songs, 36 min., Solaris Empire/Broken Silence

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Kategorien: Musik

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