Heike Werner
6. Juni 2007

„Ich wollte mir was Eigenes schaffen“

Tatort Hannover: Elisabeth Brink schreibt Krimis, die in der Landeshauptstadt spielen

Mit Kriminalität hat Elisabeth Brink nun wirklich nichts zu tun. Ganz im Gegenteil: Im eigentlichen Leben arbeitet sie als Übersetzerin für die Sprachen Englisch und Niederländisch bei der Bundeswehr in Hannover. Und dennoch haftet ihr ein Hang zum Kriminellen an: Elisabeth Brink schreibt Krimis „aus Leidenschaft“, wie sie selbst immer wieder betont.

Elisabeth Brink - ihre Heimat: Hannover

Elisabeth Brink fühlt sich wohl in Hannover

Es begann mit einem Wettbewerb

Auslöser für das Hobby der Hannoveranerin war ein Schreibwettbewerb im Jahr 2003. Die Auflage für die Teilnahme an diesem Wettbewerb: ein Krimi, der in Hannover spielt. „Ich habe mitgemacht und gehörte plötzlich zu den 10 Gewinnern“, erzählt die 48-Jährige. Ihr Krimi „Der Taubenhasser“ und die Geschichten der anderen Gewinner wurden dann zusammen in dem Band „Tatort Hannover“ bei Books on Demand veröffentlicht. Und der Wettbewerb hatte weitreichende Folgen: Zunächst wurde ein Stammtisch gegründet, der sich regelmäßig zum Klönen oder auch für Planungen zu den nächsten Krimis trifft: „Einer aus der Gruppe ist pensonierter Pressesprecher des Landeskriminalamtes“, erzählt die Autorin und lächelt verschmitzt. Bereits kurze Zeit später begannen sieben der Stammtischler ihre nächsten Texte zu schreiben, die im Jahr 2005 den Folgeband „Tatort Hannover II“ ergaben. Elisabeth Brink steuerte dafür ihren Krimi „Nur ihrem Frieden“ bei.

„Das Schreiben hält mich geistig fit“

Im vergangenen Jahr veröffentlichte die Autorin schließlich ihren eigenen Band „Tödliche Begegnungen in Hannover und anderswo“ mit drei Kurzkrimis im Ulber Verlag. Das Schreiben gibt Brink das Gefühl, etwas Eigenständiges zu machen. „Wenn man tagein, tagaus nur Texte von anderen Menschen übersetzt, rostet das Gehirn nach einiger Zeit ein“, sagt sie. Das Schreiben halte sie fit, sie lerne bei ihren Recherchen ständig dazu und treffe auch viele interessante Menschen. Die Ideen für ihre Geschichten kämen ihr meist spontan, sagt sie. „Mein privates Umfeld und auch verschiedene seltsame Alltagssituationen geben mir den Input, aus dem sich spontan eine Story entwickelt“, beschreibt sie die Entstehung ihrer Werke. Bei ausgedehnten Spaziergängen oder in der Sauna spinnt sie den einmal geknüpften Faden dann weiter, bis eine runde Kriminalgeschichte daraus geworden ist.

Arbeit ist ein Privileg

Trotz ihres Ideenreichtums und dem großen Spaß, den sie beim Schreiben empfindet, könnte sich Elisabeth Brink nicht vorstellen, ausschließlich zu schreiben: „Damit Geld zu verdienen ist eine Utopie. Meinen Job sehe ich als Privileg, das ich nicht aufgeben möchte“, begründet sie ihren Standpunkt. Sie sei eben nie jemand gewesen, der schon als Kind nichts anderes tun wollte, als zu schreiben. Trotzdem genießt sie die Lesungen, die sie in verschiedenen hannoverschen Lokalitäten gibt und die Öffentlichkeit, die daraus entsteht. „Wenn die Menschen mir zuhören, weiß ich, dass sie eine ganz besondere Verbundenheit zu Hannover empfinden, und das finde ich toll“, sagt die Autorin. Dafür, dass sie diese Momente erleben dürfe, sei sie dem Ulber-Verlag, der ihre Texte veröffentlicht, sehr dankbar. Für ihre Zuhörer sei es ein ganz besonderes Erlebnis, in den Geschichten verschiedene Lokalitäten wiederzuerkennen und auf Neues, bis dahin Unbekanntes aufmerksam zu werden.

Hannoveranerin mit Leib und Seele

„Hannover ist eine schöne Stadt, in der wesentlich mehr los ist, als in meiner Heimatstadt Buxtehude“, betont Brink. In der niedersächsischen Landeshauptstadt wohnt sie mittlerweile seit 16 Jahren und fühlt sich hier „pudelwohl“. Auch die Hannoveraner empfindet sie als sehr nette, aufgeschlossene Menschen. Gleichzeitig sieht sich Elisabeth Brink als kritische Person – als eine „Frau des Volkes“, die ihr Umfeld auf besondere Weise wahrnimmt: „Auch wenn es zurzeit einen wirtschaftlichen Aufschwung gibt – bei den Menschen macht sich das nicht bemerkbar“, bedauert sie. Die Armut nehme vor allem in den Großstädten immer stärker zu. „Das ist aber ein allgemeines Problem, dass sich nicht nur auf Hannover bezieht.“

Neues Projekt in Vorbereitung

Trotz der offensichtlichen Probleme, die sie um sich herum sieht, ist Elisabeth Brink eine Frau, die rundum zufrieden wirkt. Die Arbeit ist ihr wichtig, sie hat ein erfüllendes Hobby und stets das Bedürfnis, zu lernen. Neben den Recherchen für ihre Texte widmet sie sich deshalb einer weiteren Fremdsprache und lernt Französisch. Ihr Leben empfindet sie als spannend und abwechslungsreich. „Man muss gar kein außergewöhnliches Event erleben – in Hannover ist immer etwas los und deshalb kann man hier auch so gut schreiben“, sagt sie. Und das nächste Projekt befindet sich auch schon in den Startlöchern: ein Krimi über eine Ehemänner mordende Frau. Man darf gespannt sein.

Nächster Lesetermin:

  • Samstag, 9. Juni 2007
  • „Vogelfrei“ aus dem Buch „Tödliche Begegnungen in Hannover und anderswo“
  • Lesung mit zwei weiteren Autorinnen zum 80-jährigen Jubiläum des Künstlerinnenvereins Gedok
  • Ort: Opus One am Kröpcke, Georgstr. 35, 30159 Hannover
  • Beginn: 15 Uhr

(Foto: Heike Werner)

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Kategorien: Literatur, Menschen

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