Kathrin Tegtmeier
17. März 2007

„Es ist wie eine Droge“

Für die Autorin und Journalistin Sonja Baum ist das Schreiben eine Passion – ein Portrait

Sonja Baum

Vielseitig und voller Tatendrang: Sonja Baum

Vor vier Jahren erschien der Debütroman von Sonja Baum: In „Novembertag im Frühling“ gelangt eine junge Studentin in die höfische Welt des 17. Jahrhunderts. Inspiriert wurde der historische Roman vom Heidelberger Schloss, in dessen Nähe die Autorin während ihrer Studienzeit wohnte. Die gebürtige Hannoveranerin hat inzwischen zwei weitere Buchveröffentlichungen nachgelegt. „Mehr Platz für Himmel“, ein surrealer Liebesroman, erscheint in Kürze und ein Krimi steht kurz vor der Vollendung. Außerdem sind Baums Kurzgeschichten in diversen Anthologien vertreten.

Glückszustände und Schaufenster

„Ich muss schreiben. Es ist so viel in mir drin“, sagt Sonja Baum. Wenn nur der Prozess, die Gedanken „raus zu lassen“ und aufs Papier zu bringen nicht so „anstrengend“ wäre. Dennoch sei es wie eine Droge, erzählt die 28-Jährige, die inzwischen in Hamburg lebt. Besonders, wenn der Schreibfluss oder der perfekte erste Satz, um den sie ihre Geschichte herum entwickelt, erstmal da sind. Dann könne sie auch nichts mehr stoppen: „Am Ende einer Arbeit befinde ich mich in einem regelrechten Glückszustand, den ich immer wieder erreichen will“. Für diesen Glückszustand schreibt sie auch an ungewöhnlichen Orten: Einen Teil ihres zweiten Romans hat sie beispielsweise im Schaufenster eines leer stehenden Ladens in der hannoverschen Altstadt fertig gestellt.

Sonja Baum

Arbeitet an ungewöhnlichen Orten: Sonja Baum

Bodenständigkeit und Bohéme

Bevor sich die Sonja Baum ganz auf die Schriftstellerei einließ, verlief ihr Lebensweg recht bodenständig: Erst das Abitur auf dem humanistischen Gymnasium Ernestinium in Celle und anschließend begann sie ein Studium der Molekularbiologie in Heidelberg, um erst einmal etwas „Vernünftiges“ zu lernen. Zu dem Zeitpunkt ahnte sie aber noch nicht, dass Molekularbiologen mehr Zeit im Labor verbringen als anderswo. Doch da war ja noch der lange gehegte Traum, „ernste Gedichte zu schreiben und Schriftstellerin werden“. Und so konzentrierte sich Baum während des Studiums schließlich mehr darauf, Kurzgeschichten zu schreiben, als auf die Biologie. Ein Freund sagte ihr, dass ihre Geschichten ein enormes Potenzial hätten, und riet ihr. es doch mal mit einem Roman zu versuchen. Das war 1999 und Sonja Baum legte erst einmal Urlaubssemester ein. Es dauerte bis 2002, dann lag das fertige „Novembertag“-Exemplar auf dem Tisch. Sonja Baum hatte eine zweite Karriere gestartet.

Berlin, Hamburg und manchmal auch Hannover

2004 schloss sie ihr Studium mit Diplom ab. Sie entfloh den Laboren und zog nach Berlin, um dort einen Aufbaustudiengang Wissenschaftsjournalismus zu belegen. Heute wohnt Sonja Baum in Hamburg und arbeitet als Journalistin. Sie schreibt wissenschaftliche Artikel für die Financial Times Deutschland und arbeitet für die Neuauflage von „Fix & Foxi“ als Verlags-Lektorin. Zudem betreut sie textlich und redaktionell die Wissensseiten des Kult-Comics. Eine Arbeit, die ihr besonders viel Spaß macht, denn „mit den Augen eines Kindes die Welt zu betrachten“, sei eine mitreißende und äußerst charmante Herausforderung, erzählt Baum.

Sonja Baum

Ganz entspannt: die Autorin auf dem langeleine-Sofa

„Ein Mensch der leisen Momente“

Sie sei ein Gedankenmensch, sagt Sonja Baum über sich. Sie möge die leisen Momente und schreibe lieber als sie rede: „Ich liebe es, alleine ins Café zu gehen, dort zu lesen und die Menschen zu beobachten“. Und dann entstehen die Texte in ihrem Kopf: „Auch nicht so schöne Dinge haben für mich immer etwas Faszinierendes, vielleicht habe ich da eine romantisch verklärte Wahrnehmung, aber ich kann ihnen immer etwas abgewinnen“. Baum, die Hans Fallada und Boris Vian bewundert, will mit ihren oft surrealen und mystischen Geschichten ihre Leser zum Innehalten und Beobachten bewegen. „Ich wünsche mir, dass die Menschen lernen, dass es im Leben auch auf die Details ankommt, und dass es nicht immer hektisch zugehen muss.“

Traumziel: Von den Lesebühnen zur Bestsellerautorin

Seit inzwischen über vier Jahren ist Sonja Baum auch auf den deutschsprachigen Lesebühnen und Poetry-Slams zu Gast – mit Auszügen aus ihren Romanen, aber auch mit eigenen Kurzgeschichten. „Slams und Dichterwettstreite sind eine gute Schule und härten ab“, sagt sie. Obendrein gewann die junge Autorin bereits verschiedene Literaturpreise und war in ihrer Berliner Zeit lange für den literarischen Teil der erfolgreichen Matinee-Show „StageDiven“ zuständig. Bei all dieser „künstlerischen“ Arbeit fühlt sich die Schriftstellerin aber schließlich immer wieder durch ihre journalistische Arbeit geerdet. Diesen Kontrast genießt sie, denn er hilft ihr, „aus der surrealen Welt“ ihrer Geschichten „wieder in die Realität“ zurück zu kommen. Dennoch sei es ihr erklärtes Ziel, eines fernen Tages einmal einen Bestseller zu veröffentlichen, um ausschließlich von der Schriftstellerei leben zu können. Zu ihr passen würde das, denn in ihren Prosawelten hat Sonja Baum sprichwörtlich ihre „Herzens-Heimat“ gefunden.

Nicht verpassen:

Sonja Baum ist am 23. März zu Gast am KULTURKIOSK von langeleine.de. Sie wird unter anderem aus ihrem neuesten Werk lesen – einem „etwas skurrilen, trashigen Krimi“, der in einer hannoverschen Kneipe spielt.

mehr Infos zu Sonja Baum und ihrer Arbeit:
www.sonja-baum.de

(Fotos: Kathrin Tegtmeier (2), Pressefoto (1))

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Kategorien: Literatur, Menschen

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