Jörg Smotlacha
17. Dezember 2012

„Auf einer Slam-Bühne zu stehen, ist ein wundertolles Gefühl!“

Beim Kulturkiosk von langeleine.de am kommenden Freitag zeigt die 15-jährige Marie Matzeit, was Hannovers literarischer Nachwuchs drauf hat. Zeit für ein Interview

Möchte mit ihren Texten Menschen glücklich machen: Marie Matzeit beim Schüler-Poetry Slam in der Warenannahme der Faust

langeleine.de: Marie, wir freuen uns sehr, dass Du beim Kulturkiosk dabei bist. Wann hast Du das erste Mal auf einer Bühne gestanden?

Marie Matzeit: Da war ich 13, vor zwei Jahren… Die Sonne schien mir auf die Nase, der Himmel war blau und es fand ein Slam-Open-Air statt – ich war wirklich unglaublich nervös! Viele Menschen haben viele Dinge zu mir gesagt, aber nur wenige Worte davon sind zu mir vorgedrungen. Ich weiß noch, dass ich mich gefühlt habe, als wäre ein riesige Schleiermauer um mich herum, und irgendwann habe ich tatsächlich angefangen mich zu drehen, um sie abzuschütteln. Schließlich habe ich gedacht, was soll’s? Man hat ja nur ein Leben – und ich habe einen riesigen Spaß daran, jeden Mist mal auszuprobieren. Auf einer Slam-Bühne zu stehen, hat mich ausgefüllt, ein wundertolles Gefühl! Dann bin ich geblieben. Und jetzt bin ich hier!

ll: Du gehörst zur Generation der ganz jungen Poetry-Slammer – ein Format, das zurzeit unglaublich boomt. Was bedeutet Dir diese Ausdrucksform und wie schätzt Du die Szene ein?

Matzeit: Das Format wird mittlerweile richtig gefeiert, das finde ich toll. Es bedeutet mir richtig viel, vor dem Mikrofon zu stehen. Jedes Mal in andere Augen zu sehen und sich doch zuhause zu fühlen. Ich glaube Poetry Slam wird oft unterschätzt. Denn da steht nicht „nur“ ein Mensch, der vor anderen Menschen sagt, was er zu sagen hat. Es ist eben gerade ein Mensch, der vor anderen Menschen sagt, was er zu sagen hat! Und damit erreicht man etwas. Menschen hören zu, denken über gesagte Worte nach. Neulich in der Bahn sagte jemand: „Das ist doch die von dem Poetry-Dings!“ Eine Gruppe Jungs kam auf mich zu. Der eine zeigte mir seinen Unterarm. Er hatte sich bei einem Slam vor drei Wochen eine Stelle aus meinem Text auf den Unterarm geschrieben. „Male ich jeden Tag mit Edding nach! Und weißt du was? Wenn ich traurige Menschen treffe, lese ich denen das vor. Das hast Du mit dem Text doch gemeint, oder? Leute glücklich zu machen…“

Stand mit 13 Jahren zum ersten Mal auf einer Bühne: Marie Matzeit

ll: Was inspiriert Dich zu Deinen Texten?

Matzeit: Worte, Gefühle, Bilder vor meinen Augen. Die Welt, die Menschen, meine Freunde, meistens sind es ganz kurze Momente und die aufleuchtende Magie!

ll: Was macht Marie Matzeit, wenn sie nicht auf der Bühne steht und slammt?

Matzeit: Marie ist ziemlich stark damit beschäftigt, glücklich zu sein. Und die Welt zu retten! Ich bin Veganerin, Aktivistin und organisiere Demos. Ich spiele Theater und kämpfe gegen Rassismus! Ich tanze gerne zwischen Seifenblasen, wenn ich nicht gerade in der Schule hocke. Und ich schreibe! Theaterstücke, Gedichte und so’n Zeugs.

ll: Und wo siehst Du Dich in zehn Jahren mit Deiner Literatur?

Matzeit: Auf dem Thron der Weltherrschaft. Ich werde mir aus meinen Texten einen bauen! Was ich literarisch sonst noch anstellen werde, weiß ich nicht. Vielleicht konzentriere ich mich darauf, Theaterstücke zu schreiben, vielleicht Bücher. Vielleicht erfinde ich auch eine ganz neue Form von Worten… Kurz gesagt: Es kommt, was kommt und das wird schön.

ll: Was dürfen unsere interessierten Zuschauerinnen und Zuschauer beim Kulturkiosk am 21. Dezember von Dir erwarten?

Matzeit: Gute Frage. Ich hab momentan nicht viele Texte, das wird spannend, haha! Ich werde ein wenig herumexperimentieren, Dinge ausprobieren und neue Texte lesen. Ich freue mich, dabei zu sein! Lang leben die Worte!

ll: Wir freuen uns auf Freitag!

Nicht verpassen:

Am Freitag, dem 21. Dezember, liest Marie Matzeit beim Kulturkiosk von langeleine.de ihre besten Kurzgeschichten und Alltagsbetrachtungen.

(Fotos: Kevin Münkel, Pressefoto)

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Kategorien: Literatur, Menschen

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