Ulrike Ferretti
20. März 2007

Die Konföderierten

Die hannoverschen Rapper Die Föderation im Interview mit langeleine.de

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„Männersache“: K. und Tobi One

Seit neun Jahren beglückt Die Föderation Hannover und den Rest der Welt mit ihrem Rap und fulminanten Live-Acts. Zu der HipHop-Crew gehören Kayno (Fabian Neumann), K (Konstantin Kunze), Max (Max Friedrich), Paco (Pascal Constanty), Monoe (Jan Schwentke), Pole (Arne Meyer) und Tobi One (Tobias Kunze). Ihre Texte sind mal mackerhaft, mal überraschend poetisch, sozialkritisch oder einfach nur witzig. Neben ihren eigenen Projekten hat sich Die Föderation mit anderen Acts der lokalen HipHop-Szene sozusagen konföderiert. Zusammen mit der 121 Crew, Fischmann, Chillig, drei’n’eim und Man At Rhymez sind sie Hannover Robust. langeleine sprach mit K, 23, und Tobi One, 25, über Fame, weißrussischen HipHop und Erfolgsstrategien.

langeleine.de: Woran können wir erkennen, dass Die Föderation erfolgreich ist?

Tobi One: In Hannover sind wir in der HipHop-Szene sehr bekannt und auch darüber hinaus. Wir haben uns auf sämtlichen Festivals einen Namen gemacht und in vielen Locations gespielt wie zum Beispiel dem Pavillon, der Faust oder dem Musikzentrum. Also überall dort, wo nicht unbedingt die Megastars auf der Bühne stehen – das Capitol hatten wir zum Beispiel noch nicht dabei –, aber ansonsten haben wir eigentlich jede Bühne mitgenommen und uns über die Jahre einen ganz guten Stand erspielt.

K: Man merkt das daran, dass wir jetzt mehrere Male in Folge auf dem Fährmannsfest gespielt haben. Insgesamt fünf Mal: drei Mal mit der Föderation und zwei Mal mit Hannover Robust, da haben wir ein Gesamtpaket aus den verschiedenen Acts geschnürt und sind gemeinsam aufgetreten.

ll: Was hat die Föderation für eine Message?

K: Wir haben mehrere – es kommt eben auf die Lieder an. Wir sind nicht diejenigen, die durch HipHop-Deutschland reisen und ’ne Message haben wie beispielsweise Zulu Nation und sagen: „Bring hiphop back – the real vibe“. Wir machen einfach unsere Musik, und wir machen sie unserer Meinung nach gut. Die einzelnen Messages sind dann in den Liedern verpackt. Wir sind nicht festgefahren. Einerseits machen wir auf der Bühne gerne Party, wo die Leute gut mitgehen, andererseits haben wir auch politische Sachen, wo wir Stellung beziehen. Dann sind wir zum 20. Jahrestag von der Tschernobyl-Katastrophe aufgetreten oder haben Rap- und Graffiti-Workshops in Schulklassen gegeben. Da wären noch die vielen Jugendkultur-Austausche, die wir gemacht haben – wir sind in anderen Richtungen immer aktiv.

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„Genieß‘ das Hier und Jetzt“ – Die Föderation live

Reinhören:

Auf der Website des HipHop-Labels „Hannover Robust“ gibt es mehrere Songs der Föderation zum Probehören und Herunterladen.

»» Jetzt anhören

ll: Ihr seid ja schon viel herumgekommen. Mehrmals seid Ihr in Serbien, aber vor allem in Weißrussland gewesen.

Tobi One: In Kooperation mit JANUN [Jugendumweltnetzwerk Niedersachsen, Anm. d. Red.], einem kleinen, aber sehr aktiven Verein in Hannover, haben wir drei Mal Weißrussland und zweimal Serbien besuchen können und dort Konzerte gegeben. In Weißrussland waren wir 2002 zum ersten Mal, wo wir Rapper kennengelernt haben, mit denen wir auch schon zwei Mal quer durch Deutschland getourt sind: Gorodskaya Toska, „Städtische Sehnsucht“ – so kann man ihren Bandnamen ungefähr auf Deutsch übersetzen.

ll: Was unterscheidet die weißrussischen HipHopper von Euch?

Tobi One: Generell gibt es bei den Jungs in Weißrussland vom state of mind, also von der Einstellung her, keinen Unterschied zu uns. Die sind genau wie wir, gewissermaßen Kämpfer. Natürlich ist das da alles drastischer, die müssen sich halt ihre Anlage zusammenschustern, die müssen ihr tägliches Leben managen, da gibt es nicht viel Geld, da gibt es kaum Plattenspieler, und die versuchen dann ihren HipHop an den Mann und an die Frau zu bringen. Sie haben viele Veranstaltungen hochgezogen und sich so mit anderen zusammen zu weißrussischen HipHop-Stars gemausert.

ll: Spiegelt sich das dann auch in deren Texten wider?

Tobi One: Ja, die sind sehr geerdet, haben sehr authentische Texte. Das ist generell interessant, was die machen. Das ist wie HipHop bei uns, nur 10 Jahre zurückgedreht – man kämpft halt noch mit einfacheren Mitteln. Bei uns gibt es schon zu viel von allem. Hier kriegt ja jeder 15-Jährige schon einen 12-10er Plattenspieler von seinen Eltern zu Weihnachten hingestellt, der ziemlich teuer ist.

ll: Aber ist es nicht der Kern von HipHop, „streetwise“ zu sein? Wie bewähre ich mich denn auf der Straße, wenn ich mit 15 schon alles habe?

K: Sicherlich sind da auch viele Kiddies, die so rappen wie sie sind. Aber in letzter Zeit ist zu bemerken, dass die Texte doch sehr einseitig werden und dieses „streetwise“ gerne herangezogen wird, um sich selber ein bisschen größer zu machen. Man muss da halt immer gucken: Wer ist echt und wer lässt da den Langen ‚raushängen.

Tobi One: Es gibt auch Kiddies in ’nem Einfamilienhaus auf dem Dorf, und die rappen als seien sie die größten Gangster. Es kommt immer darauf an: Man entwickelt sich mit der Zeit, wird erwachsener und denkt darüber nach. Andere wiederum rappen noch mit 30 so einen Kram.

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„Die Party wird echt so fett“ – Die Föderation beim Kulturkiosk

ll: Mindert das die Qualität der HipHop-Texte, wenn es eurer Meinung nach hierzulande zu viel von allem gibt?

Tobi One: Ich weiß nicht, ob das gut ist, wenn es generell von allem zu viel gibt. Die Kids fangen meist an nachzumachen, was ihnen gefällt. Es stellt sich die Frage, warum nicht etwas Eigenes erschaffen? Eine eigene Marke schaffen, wie es auch unser Ziel ist und wie wir es eigentlich auch schon geschafft haben. Nichts abzukupfern, einfach das zu machen, worauf man Bock hat, ohne sich dabei nach irgendwelchen Trends zu richten. Aber als Teenie richtest du dich halt nach Trends.

ll: Was sagt Ihr zu dem Vorwurf, der deutsche HipHop hinke dem amerikanischen um mehrere Jahre hinterher?

Tobi One: Er hinkt nicht hinterher: Die US-Amerikaner sind da einfach Maßstab gebend, innovativ. Jedes Jahr kommt irgendein großer US-Act mit einem völlig neuen Style heraus – sei es Busta Rhymes, Missy Elliott oder Timberland Beats. Die haben einfach hohe Maßstäbe gesetzt. Die Deutschen eifern dem nach, weil es eben Erfolg verspricht. So wie London für die Drum’n‘ Bass-Szene wichtig ist, so kommen beim HipHop eben die Einflüsse aus Amerika.

ll: Ist es denn ein Ziel von Euch, in größeren Hallen zu spielen, zum Beispiel live beim Battle of the year?

K: Bestimmt, das ist schon ein Ziel, größere Hallen füllen zu können, beispielsweise auch das Capitol, irgendwann. Aber der Fokus liegt jetzt erst einmal darauf, bundesweit etwas zu reißen, auf kleineren Jams und natürlich auf Festivals im Sommer. Das ist das, wo wir unser Hauptaugenmerk drauf gerichtet haben.

Tobi One: Hauptsache erst einmal bekannter werden.

K: Und rumkommen, vor allem.

Nicht verpassen:

Die Föderation ist am 23. März zu Gast in der Faust-Warenannahme. Die Band sorgt mit ihrem energiegeladenen deutschsprachigen HipHop für das große Finale beim KULTURKIOSK von langeleine.de.

Weitere Infos zur Föderation und ihrer Musik:
www.die-foederation.de
www.hannover-robust.de

(Fotos: Henning Chadde (2), Pressefoto (1))

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Kategorien: Menschen, Musik

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