Jörg Smotlacha
23. März 2007

„Ich war noch niemals in den USA“

Auf den Hank gekommen: Sascha Bogumil alias Ramblin‘ Man Bogart

„Ich bin nie über das erste Lehrbuch von Peter Burschs Gitarrenschule hinausgekommen“, sagt Sascha Bogumil und lacht. Das mag stimmen, doch den Rock’N’Roll hat er trotzdem. Vielleicht seit 1981, dem Jahr als Bill Haley starb. Bogumil beschloss, sich die langen Haare abzuschneiden, um als Elvis verkleidet zum Fasching zu gehen. Fortan behielt er das Kostüm einfach an, obwohl die Lehrer ihn daran erinnerten, dass „Fasching längst vorbei“ ist. So wurde er der Legende nach im zarten Alter von 12 Jahren zum jüngsten Ted Hannovers. Die Musik hat ihn nie wieder losgelassen.

Ramblin' Man Bogart

Immer ein Lied auf den Lippen: Sascha Bogumil alias Ramblin‘ Man Bogart

„I’ll Never Get Out Of This World Alive“

Hank Williams starb in der Neujahrsnacht 1953. Er lag auf dem Rücksitz eines Wagens und war auf dem Weg von Knoxville nach Charleston, wo er am Abend einen Auftritt haben sollte. Hank Williams war blau angelaufen und rührte sich nicht mehr. Als der Tod festgestellt wurde, diagnostizierte der Arzt Medikamentenmissbrauch in Verbindung mit anderen Beruhigungsmitteln wie Alkohol und Morphium. Das zentrale Nervensystem verursachte höchstwahrscheinlich eine Atmungsschwächung. Hank Williams war der größte Country-Musiker aller Zeiten.

Ramblin' Man Bogart

Hört Elvis seit er elf ist: Ramblin‘ Man Bogart

„I Saw The Light“

Als das Jahr 2002 zu Ende ging und der 50. Todestag der Country-Legende nahte, hatte Sascha Bogumil noch nie einen Song von Hank Williams gehört – bis ihm ein Freund und Kollege aus gemeinsamen Lagerhallen-Tagen ein Mixtape schenkte: Sascha Bogumil finanzierte sein Studium dadurch, dass er einen Blaumann trug und Gabelstapler fuhr. Der Rock’N’Roller war notwendigerweise zum Arbeiter geworden – und hatte immer einen Song auf den Lippen.

„Honky Tonk Blues“

1996 gründete Bogumil mit zwei Freunden die Rockabilly-Combo Rawhide. Er hatte Auftritte im Musiktheater Bad, in Offenbachs Keller, in Kneipen wie dem Millers, firmierte als „Rockin‘ Bogart“, und wenn keine Mitmusiker in Sichtweite waren, sprang er einfach im Heartbreak Hotel auf die Bühne, wenn andere Bands spielten. Aus dem Glocksee-Sommerfest entstand ein Sampler und Bogumil hatte einen heimlichen Hit mit „Der dicke Waldbär“.

Ramblin' Man Bogart

Vom Rockabilly zum Waldbär: Sascha Bogumil

„Alone And Forsaken“

Hank Williams wurde nur 29 Jahre alt und hat die Musikgeschichte revolutioniert. Der Sohn eines Weltkriegsveteranen war vielleicht der einflussreichste Musiker der frühen Popgeschichte. Sechs Jahre Ruhm und Ehre, unzählige Hitsingles, haufenweise geleerte Whiskeyflaschen, tonnenweise zerlegtes Hotelmobiliar und eine zerrüttete Ehe: Das klingt nach Rock’n’Roll. Doch es war viel mehr, nämlich die Geschichte eines im Leben Gescheiterten, eines Verlassenen.

„Ramblin‘ Man“

Kein Wunder, dass Sascha Bogumil umgehend „Alone And Forsaken“ anstimmt, Hank Williams Hinterlassenschaft sozusagen. Seit Bogumil sich in die Biographie der Country-Ikone vertieft hat, lässt ihn dessen Erbe nicht mehr los. Hank Williams‘ Enkel ist ein Punk, Sascha Bogumil ist Sozialarbeiter. Wenn der 36-Jährige genervt von seiner Arbeit ist, denkt er daran, beim nächsten Auftritt einfach nur zu schreien und in seine Gitarre zu springen. Auch eine Performance. Rock’N’Roll eben.

Ramblin' Man Bogart

Den Charme im Gitarrenkoffer: Sascha Bogumil

Eine Karriere als Musiker hat Bogumil dennoch nicht mehr im Sinn, aber eines hat er noch vor: den ultimativen Sozialarbeiter-Blues zu schreiben. „Ich bin doch gar kein richtiger Cowboy“, gibt Bogumil zu bedenken. „Ich war doch auch noch niemals in den USA!“ Muss er ja auch gar nicht. Hauptsache, wir sehen ihn am Kulturkiosk!

Nicht verpassen:

Ramblin‘ Man Bogart ist am 23. März zu Gast am KULTURKIOSK von langeleine.de, wo er sein Pickup an die Gitarre stöpseln und seine All-Time-Favorits zum Besten geben wird.

(Fotos: Jörg Smotlacha)

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Kategorien: Menschen, Musik

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