Henning Chadde
14. Januar 2013

„Cum‘ on, feel the Lord…“

Das Verhör: „The Laughing Stalk“ von Wovenhand

Von außen gülden, von innen messianisch-düster: „The Laughing Stalk“ von Wovenhand

Den Vergleich mit seinen legendär düsteren Country-Folk-Rockern 16 Horsepower dürfte David Eugene Edwards mittlerweile nicht mehr allzu gerne hören, bringt er doch mit seiner Nachfolgeband Wovenhand nunmehr in den letzten elf Jahren bereits das siebte Album nach dem Ableben der Erstgenannten heraus. Gaben sich bei den ersten sechs Wovenhand-Werken bisweilen noch alte Wegbegleiter aus 16 Horsepower-Tagen die musikalische Begleit-Klinke in die Hand, hat sich Edwards nunmehr für „The Laughing Stalk“ auch von seinem langjährigen Weggefährten Pascal Humpert verabschiedet und sich vielmehr mit Alexander Hacke von den Einstürzenden Neubauten für den End-Mix einen ausgewiesen experimentellen Düster-Klang-Spezialisten an Bord geholt, um seinen epischen Beschwörungs-Welten zwischen religiöser Erweckungs-Dramatik, ewiger Verdammnis, Schuld, Sühne und Läuterung eine neuerliche, ordentliche Instrumenten-Breitwand hinzuzufügen. An den gewohnt abgründig inszenierten Edwardschen Songstrukturen hat sich aber auch auf „The Laughing Stalk“ glücklicherweise kaum etwas verändert, da lässt sich der alte Prediger und Multi-Instrumentalist Edwards vermutlich auch nur schwer reinreden. An der Sound-Front allerdings hat sich durch die gemeinsame Zusammenarbeit – und die neuen Mitstreiter Chuck French an der Gitarre und Gregory Garcia jr. am Bass – hingegen einiges getan: Gingen die bisherigen Werke teilweise doch recht unterschiedliche – und bisweilen durchaus gewöhnungsbedürftige – Wege, kommt „The Laughing Stalk“ noch peitschender, drängender, düsterer und in sich geschlossener daher, als man es von Wovenhand in seinen besten Tagen ohnehin schon gewohnt war.

In erster Linie liegt die neue Geschlossenheit deutlich an der dominierenden Wall-Of-Sound der Gitarren, die der Band nunmehr auch auf Platte unmittelbar die Intensität ihrer mitreißenden Live-Auftritte verpasst und zusammen mit Edwards‘ messianisch-beschwörerischem Gesang und den durchgängig treibenden Drums eine beinahe apokalyptische Heavyness zu beschwören weiß. Bemerkenswert. Und bemerkenswert markerschütternd. Und nicht zuletzt in dieser Konsequenz tatsächlich ergreifend einzigartig. Geschmackssache, klar, aber eben einfach nicht zu vergleichen, denn kaum eine musikalische Bezeichnung und Einordnung trifft den Edwardschen Musik-Kosmos zur Gänze. Heavy Gothic-Country-Gospel? Alternative Folk? Dark Wave-Rock? Whatever, man höre einfach den Opener „Long Horn“, den von der Gitarre her beinahe schon an U2 erinnernden Titel-Track „The Laughing Stalk“, das fast schon stonerartige, hypnotische „King O King“ sowie das straight rockende „As Wool“ und das die Platte kongenial beschließende „Glistening Black“. Mehr Rock war im Wovenhand-Universium noch nie. Außer eben live. Recht so. Und „Halleluja!“

PS: Ein Vergleich sei an dieser Stelle dann doch noch angeführt, wenngleich er mehr als unwahrscheinlich klingen mag: Nicht selten erinnert den Verfasser dieser Zeilen das Song-Gut des David Eugene Edwards an die Frühphase der britischen Wave-Rocker Echo & The Bunnymen, so round about 1983 zu „Porcupine“-Zeiten. Und das mag nicht nur am Gesang liegen. Ein wahrer Kenner, der das nachzufühlen weiß. Aber das nur so am Rande…

Wovenhand: „The Laughing Stalk“, CD, 9 Songs, 42:53 min., Glitterhouse Records

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Kategorien: Musik

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