Marcel Seniw
25. Januar 2013

Wolfsburg, alte Perle!

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Nord-Derby gegen den VfL Wolfsburg

Wolfsburger Kulturerbe: Die VW-Currywurst

Im Jahre 1938 wurde mitten in der Pampa unter dem verträumt-romantischen Namen „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ förmlich aus dem Nichts eine Retortenstadt hochgezogen. Nach nur sieben Jahren allerdings mokierten die britischen Besatzer, allesamt Kultur-Banausen, die Abkürzung für „Kraft durch Freude“ und verpassten dem niedlichen Ort den wenig charmanten Namen Wolfsburg, eine Bezeichnung, welche die Stadt noch heute trägt. Doch auch wenn der KdF-Wagen mittlerweile nicht mehr gebaut wird, so hat diese Stadt dennoch ihre Wurzeln nie vergessen: Noch heute besteht fast die Hälfte der Einwohner aus Arbeitern für das ansässige Automobilwerk. Schön, dass auch in diesen schnelllebigen Tagen der Neuzeit Tradition noch groß geschrieben wird. Und im Gegensatz zu Hannover hat Wolfsburg auch kulturell richtig etwas zu bieten: Das malerisch anmutende Werk des Automobil-Giganten VW etwa sticht in punkto Schönheit die Landeshauptstadt in allen Belangen aus. Denn was können schon die Spitze der Marktkirche bei Sonnenuntergang oder die Herrenhäuser Gärten an einem öden Frühlingstag bieten, verglichen mit den VW-Schornsteinen bei einem schönen Graupelschauer?

Wie die Stadt, so der Verein

Der örtliche Fußballverein heißt VfL Wolfsburg und hat sich der Tradition der Stadt angepasst. Wie schon die Stadt aus dem Nichts entstand, sollte auch der heimatliche Club aus dem Nichts im europäischen Spitzen-Fußball etabliert werden. Dazu wurde das Team vom Hauptsponsor aus der Automobil-Industrie mit Millionen vollgepumpt. Wolfsburg hat also auch in dieser Hinsicht viel mehr zu bieten als Hannover, jedenfalls bezüglich der Gehaltsvorstellungen transferwilliger Spieler. So eine geldbasierte Entwicklung lockt denn auch Unmengen hochkarätiger Spieler an, die aber keineswegs nur des Geldes wegen zur Mittellandkanal-Metropole wechseln. Wie schon der ehemalige 96-Spieler Emanuel Pogatetz wusste, hat Wolfsburg unbedingt eine bessere sportliche Perspektive vorzuweisen. Wenn man die Euro League und die Liga-Grauzone mal durcheinanderbringt, kann man das so sehen. Kann jedem einmal passieren. Den Brasilianer Diego lässt so etwas ohnehin kalt. Da er mehr Gehalt im Jahr verdient als VW-Aufsichtsratschef Garcia Sanz und der gesamte Kader des heutigen Gegeners aus Hannover zusammen, fühlt sich Diego in Wolfsburg pudelwohl, auch ohne unter der Woche durch die europäischen Stadien zu reisen, wie die gestressten Hannoveraner.

Malerisch, aber leider noch ohne Balkon: das Wolfsburger Rathaus

Entrümpelungs-Unternehmen Allofs & Hecking

Das Team aus der Auto-Stadt hat aber ganz andere Probleme. Da der letzte Coach der Wolfsburger, Felix Magath, auch gleichzeitig den Manager-Posten inne hielt, durfte er sich so ziemlich alles an Spielern kaufen, was die Porto-Kasse hergab. Problematisch war jedoch das Messi-Syndrom, unter dem er litt, denn dadurch wurde der Kader der Wölfe extrem aufgebläht, zumal er sich nicht von den Spielern, die nicht mehr gebraucht wurden, trennen konnte. Das konnte so nicht weitergehen, dachten sich die Klubführung und der große Auto-Konzern und installierten sowohl einen neuen Manager als auch einen neuen Trainer, welchen man direkt zu verstehen gab, den Stall mal so richtig auszumisten. Während Manager Klaus Allofs jedoch erst einmal mit weiteren Millionen um sich schmiss, um neue Spieler zu verpflichten, darf sich der neue Coach Dieter Hecking nun damit beschäftigen, die Hundertschaften von Spielern auseinanderzuhalten. Zusammen könnten die beiden in den nächsten Jahren wohl das umsatzstärkste Entrümpelungs-Unternehmen in der schönen Stadt Wolfsburg leiten.

Lüttje Lage schlägt Currywurst

Am Samstag steht also in der Fußball-Bundesliga das niedersächsische Derby zwischen Hannover 96 und dem VFL Wolfsburg an an. Solider Konzept-Fußball trifft auf millionenschweren Retortenverein. Wolfsburg dürfte großes Interesse daran haben, die 0:4-Packung aus der Hinserie wieder geradezubügeln. Aber das wird ihnen nicht gelingen. Denn Geld schießt nicht immer Tore. Zwar weiß Wolfburgs Sommer-Neuzugang Bas Dost so langsam, wo in Deutschland die Tore stehen, doch kann er damit Mame Diouf nur ein müdes Lächeln abringen. Der 96-Stürmer findet das Tor sogar, wenn er aus 17 Meter Distanz mit dem Rücken zum Ziel eineinhalb Meter hoch in der Luft liegend den Ball in Richtung Tribüne drischt. Solche Fallrückzieher kann vielleicht grade noch Diego, aber dessen dicker Geldbeutel wiegt so schwer an ihm, dass er gar nicht erst so hoch springen kann. Das geht einfach nicht. Und zu allem Überfluss kann Wolfsburgs größtes Kulturgut, die VW-Currywurst, nicht mit unserer Lüttje Lage mithalten, die übrigens viel, viel älter ist als die Stadt Wolfsburg. Denn eines ist mal klar: Hannover ist die schönste Stadt der Welt!

Samstag, 26. Januar 2013, 15.30 Uhr
Hannover 96 – VfL Wolfsburg

(Fotos: Wikipedia)

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Kategorien: Sports, Unrat

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