Lena Stiewe
6. Februar 2013

“Der Historische Roman hat zwei Verpflichtungen: zu unterhalten und zu informieren”

Über Schreib-Blockaden, anstehende Projekte und ihren neuen Roman “Die letzte Hanseatin”: Schriftstellerin Lena Falkenhagen im Interview

Von Celle über Hannover nach Berlin: Lena Falkenhagen

1973 in Celle geboren, studierte Lena Falkenhagen an der Universität Hannover Germanistik und Anglistik und arbeitete anschließend als freischaffende Autorin, Lektorin und Übersetzerin. Über die Rollenspielwelt “Aventurien” betrat sie im Alter von elf Jahren die Welt der Geschichten und verliebte sich fortan tief ins Erzählen. Von ihren drei historischen Romanen wurde “Die Lichtermagd” mit dem DeLiA-Preis 2010 ausgezeichnet. Für Markus Heitz’ “Justifiers”-Roman-Serie wechselte sie ins Genre der Science Fiction und ging mit “Undercover” in eine ferne, zukünftige Welt. Ihre aktuelle Veröffentlichung “Die letzte Hanseatin” ist erneut ein Historischer Roman, doch demnächst kehrt Falkenhagen im Heyne-Verlag wieder zur Fantasy zurück. Anlass für ein paar Fragen.

langeleine.de: Gerade wurde Ihr vierter historischer Roman veröffentlicht. Darin stößt die Lübecker Kaufmannstochter Elise Lipperade in ihrer Heimatstadt im Jahre 1467 auf eine mysteriöse politische Intrige: Ein blutiger Zwischenfall soll England und die Hanse in den Krieg treiben. Was fasziniert Sie an Lübeck, dass Sie nach “Das Mädchen und der Schwarze Tod” zum zweiten Mal an diesen Schauplatz zurückgekehrt sind?

Lena Falkenhagen: “Die letzte Hanseatin” spielt in Lübeck und London, beides Städte, die mich sehr faszinieren. Lübeck hat so viel Geschichte – und gleichzeitig so viel nordischen Charme. Tatsächlich besaß Lübeck im Mittelalter in der Hanse eine ähnliche Bedeutung für Europa wie heute Frankfurt – es war der Dreh- und Angelpunkt der Weltwirtschaft! Von hier gingen neue Impulse aus, hier wurde die große Politik gemacht und es wurden endlose Intrigen gesponnen. Durch die vielen Kaufleute ist die Geschichte der Stadt zudem gut dokumentiert und nachvollziehbar. Ich habe diese Stadt über meine Recherchen für “Das Mädchen und der Schwarze Tod” lieben gelernt und kehre noch heute gerne dorthin zurück.

ll: Welchen literarischen Stellenwert geben Sie dem Genre “Historischer Roman” in der heutigen zeitgenössischen Literatur?

Falkenhagen: Der Historische Roman hat zwei Verpflichtungen: zu unterhalten und zu informieren. Ersteres ist eine Pflicht für jeden Roman, finde ich. Aber in diesem Genre gehört eine saubere Recherche zum A und O, so dass die Leserinnen und Leser sich dadurch einer Epoche annähern und sie nachvollziehen können, finde ich.

Lübeck im 15. Jahrhundert: “Die letzte Hanseatin”, Buchcover

ll: Sie schreiben gerne über weibliche Hauptfiguren. Warum?

Falkenhagen: Ich schreibe auch gerne über männliche Hauptfiguren. Aber die weibliche Seite kommt in der Geschichte oft zu kurz. Ich finde es spannend zu ergründen, wie Frauen in der Vergangenheit gelebt haben, welchen Zwängen sie ausgesetzt waren, welche Möglichkeiten sie hatten.

ll: Wo schreiben Sie am liebsten? Und gibt es ein Patentrezept gegen Schreib-Blockaden?

Falkenhagen: Ich schreibe am liebsten im Zug, besonders auf Fernreisen im ICE. Aus irgendeinem Grund kann ich mich dabei am besten konzentrieren. Schreib-Blockaden sind meist ein Zeichen von Überarbeitung – oder zu wenig Planung. Dagegen hilft dann entweder mehr oder weniger arbeiten. Der Trick ist herauszufinden, woran es gerade liegt… Meine Faustregel ist “weg vom Schreibtisch”, wenn es mal wieder nicht fließt. Dann gewinnt man Abstand und kann untersuchen, wo es hapert.

ll: Woher stammen die Ideen und Inspirationen zu den Figuren und Handlungen?

Falkenhagen: Meistens aus dem Recherche-Material – man stößt auf spannende historische Figuren oder Namen. Aber manchmal wird man auch von Film und Fernsehen inspiriert.

ll: Wer darf wann mal probelesen?

Falkenhagen: Ich habe einen festen Kreis an Erstlesern, die alle auf unterschiedliche Dinge anspringen. Einer achtet mehr auf die Charakterisierung der Hauptfigur und ihre Nahbarkeit, ein anderer auf Logik-Lücken und Plot, ein dritter auf das Fachwissen, um das es geht. Das ergänzt sich ganz gut.

ll: Was für künftige Projekte erwarten uns? Fantasy? Science Fiction? Historischer Roman? Worauf können wir uns freuen?

Falkenhagen: Im Augenblick arbeite ich an einem Steam-Fantasy-Buch. Der Stoff macht mir so viel Freude, dass ich beim Schreiben oft in mich hineinschmunzeln muss. Das 19. Jahrhundert ermöglicht ganz andere Geschichten als das Mittelalter, und die phantastischen Inhalte passen dazu sehr gut. Die Rückkehr in die Phantastik macht mir so viel Spaß – hier liegen ja auch meine Wurzeln. Ich glaube, das nächste wird mein bislang bestes Buch. Aber welcher Autor glaubt das nicht von seinem nächsten Werk …

Frau Falkenhagen, wir danken Ihnen für das Gespräch.

(Foto: Fotoatelier Eduard Raab/Pressefoto)

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Kategorien: Literatur, Menschen

Ein Kommentar

  1. Christian sagt:

    Als treuer Leser Falkenhagens schmunzele ich auch nicht selten mit, wenn immer wieder feinsinnige, auch hintersinnige Gedanken deutlich werden und die Leserin/ der Leser auch herausgefordert wird. Ich freue mich auf das nächste Buch!

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