Susanne Viktoria Haupt
4. Februar 2013

Spaziergang durch das Wissen

Seitenansicht: „Der Komet im Cocktailglas: Wie Astronomie unseren Alltag bestimmt“ von Florian Freistetter

Unterhaltsame Wissensvermittlung: Florian Freistetters „Der Komet im Cocktailglas“, Buchcover

Planeten sind so weit weg, die Milchstraße etwas Unfassbares, und einen Asteroiden haben die meisten von uns noch nie live gesehen. Armageddon ist ein Hollywood-Streifen und keine Dokumentation. Und eigentlich hat das Universum gar nichts mit uns zu tun. Richtig? Nein, denn falls es den Lesern hier entgangen sein sollte: Auch wir leben auf einem Planeten und dieser befindet sich im Universum. Wie häufig uns Astronomie im Alltag begegnet und wie sehr wir mit ihr verzahnt sind, beweist der österreichische Astrophysiker Florian Freistetter in seinem dritten Buch „Der Komet im Cocktailglas: Wie Astronomie unseren Alltag bestimmt“, dafür nimmt er uns mit auf unterhaltsame Spaziergänge. So lernen wir auf einer Sonnenliege am Äquator, warum die Erde sich dreht, was die Winde damit zu tun haben und woher die überhaupt kommen. Anhand von ganz normalen Satelitenschüsseln für den Fernseh-Empfang bekommt der Leser einen Einblick in die Naturgesetze und ihre Historie, während ein imaginärer Schattenplatz unter einem Baum Anlass bietet, um den natürlichen Treibhauseffekt mal richtig zu beleuchten. Asteroiden-Einschläge und mögliche Auswirkungen begegnen uns auf den 224 Seiten des Buches genauso wie die Frage danach, wie die benötigte Energie eigentlich in unsere Nahrung kommt. All diese Themen haben wesentlich mehr mit Astronomie zu tun, als man vor dem Lesen glauben mochte, und ganz besonders als normalerweise eher wenig naturwissenschaftlich bewanderter Leser kommt man auf seine Kosten. Denn Fachwissen setzt Freistetter nicht voraus. Im Gegenteil: Durch die Verknüpfung von alltäglichen Situationen mit einem gekonnt lässigen Erzählton schafft der Buchautor es, auch Unwissende zu begeistern und das Universum und die Astronomie gleichermaßen verständlich näherzubringen. Gleichwohl schätzen auch Fachkenner seine unterhaltsame Art, über Astronomie zu schreiben.

Bücher wie „Der Komet im Cocktailglas“ sind notwendig. Nicht nur, weil es einfach gut ist, dass ein Wissenschaftsautor Bereiche der Naturwissenschaft – insbesondere bei einem so abstrakt erscheinenden Gebiet wie der Astrophysik – verständlich und auch für Laien unterhaltsam formuliert, sondern auch, weil der Buchmarkt und das Internet mehr und mehr von Pseudowissenschaft überschwemmt werden und damit Menschen in die Irre führen. Nach „Krawumm!: Ein Plädoyer für den Weltuntergang“ und „2012 Keine Panik“ ist „Der Komet im Cocktailglas“ bereits das dritte Werk des 1977 im österreichischen Krems geborenen Wissenschaftlers. Nach seinem Studium und einer Promotion in Astronomie war Freistetter an der Universität Wien, der Universität Heidelberg und der Universität Jena als Post-Doktorand tätig. Seit 2011 arbeitet er als freier Wissenschaftsautor und betreibt den sehr erfolgreichen Blog „Astrodicticum simplex“ auf dem von National Geographic betriebenen ScienceBlogs-Portal, durch das er sich eine große regelmäßige Leserschaft und Fangemeinde erarbeitet hat. In seinem Blog dreht es sich nicht ausschließlich um Themen der Astronomie, sondern auch gerne mal um gesellschaftliche. In den Fokus der Medien freilich ist Freistetter zuletzt besonders durch seine zahlreichen Artikel und sein Buch zum Thema des vermeintlichen Weltuntergangs geraten, monatelang stand er verschiedenen Medien mit Antworten und Erklärungen zur Seite. Vergangenes Jahr wurde der Wissenschaftsautor mit dem deutschen IQ-Preis ausgezeichnet, und im Januar 2013 wurde der Komet 243073 nach ihm benannt. Am 27. März wird Florian Freistetter sein Buch „Der Komet im Cocktailglas“ im Literaturhaus Hannover persönlich vorstellen.

Florian Freistetter: „Der Komet im Cocktailglas: Wie Astronomie unseren Alltag bestimmt“, 224 Seiten, Carl Hanser Verlag, ISBN-13: 978-3446435056, 16,90 Euro

weiterlesen:
„Immer mehr Menschen haben Vorurteile gegenüber der Wissenschaft“
Interview mit Florian Freistetter

„Seitenansicht“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.

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Kategorien: Literatur

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