Henning Chadde
11. Februar 2013

Wenn der Kamin brennt…

Das Verhör: „Reim & Rhythmus“ von Sven Kamin

Randvoll mit geballter Sprach-Performance-Power: Sven Kamins CD „Reim & Rhythmus“

Im Mai 2011 ist der Autor Sven Kamin in der Staatsoper Hannover zum ersten niedersächsisch-bremischen Poetry Slam-Meister gekürt worden, danach hat er bereits zweimal die neue Reihe „Poetry Jam“ im Wilhelm-Busch-Museum für sich entscheiden können, und auch bei den Deutschen Poetry-Slam-Meisterschaften wurde er im letzten Jahr im Einzelwettbewerb immerhin Vierter. langeleine.de hatte Kamin im März 2012 beim Kulturkiosk von langeleine.de zu Gast, und im September darauf war er in Hannover in der Faust-Warenannahme mit seinem Solo-Programm „Aufwachen, es brennt!“ ebenfalls erfolgreich. Dazwischen liegen unzählige Auftritte, Slam-Teilnahmen im gesamten deutschsprachigen Raum und ebenso unzählige, unermüdliche Kilometer im Auftrag des live gesprochenen und mit vollem Körpereinsatz gelebten und dargebotenen Wortes. Keine Frage: Der Syker Live-Poet hat derzeit einen Lauf. Und in Hannover obendrein inzwischen eine amtliche Fan-Base vorzuweisen, die so manchen einheimischen Poeten neidisch machen dürfte.

Nur eine Frage der Zeit also, bis Kamin seine besten Bühnentexte auch auf CD als Hörbuch unter das begeisterte Volk bringen sollte. Ende Dezember 2012 war es schließlich soweit und „Reim & Rythmus“ erblickte selbstverlegt im schmucken Digi-Pack das Licht dieser Welt. Eine schöne CD. Weil nicht nur schön anzuschauen, sondern noch viel besser anzuhören. Vereint sie doch tatsächlich mit ihren dreizehn eingesprochenen und teilgesampelten Tracks die besten und bekanntesten Sprach- und Bühnenstücke Kamins auf einen Schlag. Das Bemerkenswerte: Von humoristisch pointiert, und manchmal in einer beinahe affenzahnartigen Geschwindigkeit vorgetragen und gerappt, bis nachhaltig ernst, politisch und schneidend klar beobachtet reicht dabei Kamins Text- und Vortrags-Bandbreite. Wobei eben genau diese Kombination in seinem Falle wohltuend einmal nicht mit dem Hammer erzwungen wirkt, sondern ganz selbstverständlich nebeneinander existiert und eine sich ständig ergänzende, in Kamins Fall gar bedingende Ko-Existenz führt. Das Ergebnis ist äußerst sympathisch und bei aller Finesse und Geschwindigkeit dabei angenehm unaufgeregt. Dargeboten von einem Wort-Akrobaten, der offensichtlich ganz genau weiß, was er will: mit Herzblut mitten ins Herz der Dinge – und nicht zuletzt seines Publikums – vorstoßen.

Trotzdem noch ein Einwand: Der beeindruckenden Live-Performance-Power Sven Kamins und nicht zuletzt seiner physisch einzigartigen Bühnenpräsenz vermag schließlich auch „Reim & Rhythmus“ – ebenso wie bei den Werken vieler seiner dichtenden Bühnenkollegen – nur schwer das Wasser zu reichen. Wie auch? Dieser Mann dichtet, rappt, rockt, singt, explodiert und hat Meinung mitten im tosenden Leben. Und dieses Ereignis kann man als Zuhörer eben nur live und in Farbe zur Gänze miterleben. Trotzdem sehr hörenswert, denn diese CD macht definitiv Lust auf mehr.

Sven Kamin: „Reim & Rhythmus“, CD, 13 Tracks, 74 min., Eigenvertrieb (www.svenkamin.de)

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Kategorien: Literatur, Musik

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